Tafel feiert fünf Jahre in Pressbaum. Keine Feierlichkeiten zum Jahrestag, aber Auszeichnungen.

Von Nadja Büchler. Erstellt am 17. Januar 2021 (03:55)
Das Team der Tafel Österreich bei der kontaktlose Übergabestelle der Lebensmittel. (v.l.) Rotes Kreuz Bezirksstellenleiter Stellvertreter Heinz Preiß, Monika Kusdas, Team Österreich Mitarbeiterinnen, Judith Ladenstein, Rotes Kreuz Bezirksstellenleiter Wolfgang Uhrmann  und Alexandra Stangl.
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Am 9. Jänner 2016 fand die erste Ausgabe der Team Österreich Tafel am Standort Pressbaum statt. Die Tafel verteilt Lebensmittel an berechtigte Bezieher. Dafür holen ehrenamtliche Mitarbeiter überschüssige Lebensmittel von Supermärkten ab und bringen diese zur Ausgabestelle. In ganz Niederösterreich öffnen alle Standorte immer samstags ihre Türen. Zwischen 18.15 Uhr und 19.15 Uhr findet die Anmeldung statt, einige Minuten später startet die Ausgabe.

Die Agenden der Team Österreich Tafel ist bei Alexandra Stangl, Leiterin Gesundheits- & Soziale Dienste am Stützpunkt des Roten Kreuz Purkersdorf-Gablitz angesiedelt.
Nadja Büchler

Corona hat auch bei der Tafel ihre Spuren hinterlassen. Beim ersten Lockdown im Frühling war der Standort vier Wochen lang geschlossen. Angst und Unwissenheit über das Virus waren nicht nur in der Bevölkerung, sondern auch bei den ehrenamtlich tätigen Mitarbeitern groß. Nach dem Erhalt von Schutzausrüstungen und mehr Information zum Umgang mit der Situation ging es wieder weiter. Ab diesem Zeitpunkt wurde auf die Kisten-Ausgabe umgestellt und bis heute werden diese kontaktlos übergeben.

Üblicherweise werden alle Produkte im Ausgaberaum aufgestellt, und die Klienten können sich die Ware selbst aussuchen. Auf den mitgeführten Bezugskarten ist die Anzahl der Erwachsenen und Kinder, die der Abholer versorgt, notiert.

„Sinn und Zweck der Tafel ist unter anderem die Aufrechterhaltung des Einkaufserlebnisses. Unsere Klienten sollen sich ihr Brot oder Joghurt aussuchen können. Das ist mit der Kisten-Ausgabe leider verloren gegangen. Mittlerweile kennen wir viele unserer Klienten so gut, dass wir versuchen, auf ihre Vorlieben und Wünsche einzugehen“, erklärt Alexandra Stangl vom Roten Kreuz.

Die Tagesleiterinnen Monika Kusdas und Judith Ladenstein bekamen stellvertretend für ihre Teams einen Roten Kreuz Kristall als Dankeschön für fünf Jahre großartigen Einsatz.
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Eine wesentliche Änderung durch Corona ist die Vereinfachung bei der Anmeldung zur Ausgabe. Zur Zeit werden keine Angaben überprüft, und wenn jemand Bedarf hat, erhält er eine Übergangskarte. Wenn die Corona-Maßnahmen wieder vorbei sind, kommt es zum üblichen Aufnahmegespräch und zur Umstellung auf eine Berechtigungskarte.

Weniger Klienten, aber kurzfristig viele Neue

Seit der Umstellung auf die Kisten-Ausgabe kommen nicht mehr so viele Klienten zur Ausgabe. Die Covid-Maßnahmen sehen vor, dass die Personen aufgerufen werden und ihre abgestellte und gepackte Kiste kontaktlos abholen müssen. Die Wartezeit müssen sie im Freien überbrücken. Weiters werden vermehrt Angebote in Wien ausgenutzt.

Dafür konnte die Tafel vielen neuen Personen weiterhelfen. Im ersten Lockdown wurden viele von Arbeitslosigkeit oder Kurzarbeit als Folge von Corona überrascht. Auch Selbstständige zählten zu den neuen Klienten. Manche waren von einem Tag auf den anderen ohne Einkommen. In diesen Fällen ging es vor allem um kurzfristige Hilfe, bis die staatlichen Unterstützungen gegriffen haben.

Rückblickend auf die letzten fünf Jahre bedankt sich Stangl bei der Stadtgemeinde Pressbaum: „Wir sind sehr froh, dass uns die Gemeinde Pressbaum seit Jahren Räumlichkeiten für die Tafel zur Verfügung stellt. Die Zusammenarbeit klappt sehr gut.“

Ebenso ist die Bereitschaft des Lebensmittelhandels, Waren zu spenden, ungebremst. Besonders freut sich Stangl über die Hilfsbereitschaft und das Engagement der ehrenamtlichen Mitarbeiter. Nach wir vor sind Freiwillige der ersten Stunde mit dabei. Sie haben die Tafel in ihrer Gestaltung wesentlich geprägt.

Für die Zukunft wünscht sich Stangl die Unterstützung aller Gemeinden. Die Tafel ist für die sechs Gemeinden Mauerbach, Gablitz, Purkersdorf, Tullnerbach, Pressbaum und Wolfsgraben zuständig.

„Für manche Klienten ist der Weg nach Pressbaum zu weit und zu umständlich. Es wäre wünschenswert, wenn alle Gemeinden eine Möglichkeit zu den Ausgabezeiten nach Pressbaum zu kommen, schaffen könnten“, zeigt sich Stangl hoffnungsvoll.

Im Jahr 2020 bekam die Tafel insgesamt 43.165,5 Kilogramm Lebensmittel zur Verfügung gestellt. Das waren 4.111 Kisten für die Ausgabe. Mit dieser Anzahl wurden 968 Haushalte in der Region mit insgesamt 3.287 Personen versorgt.