Intendant Markus Richter: „Es braucht klare Ansagen“. Theater 82er Haus in Gablitz: Intendant Markus RichterIntendant Markus Richter rechnet mit ersten Aufführungen frühestens im April. Bis dahin brauche es klare Regeln, die auch branchenübergreifend schlüssig sind.

Von Kristina Veraszto. Erstellt am 22. Januar 2021 (03:12)
Intendant Markus Richter will im März mit Proben starten.
Kindler

Intendant Markus Richter will im März mit Proben starten.
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Lange gedauert hat die neue Saison im Theater 82er Haus leider nicht: Im Oktober starteten die Schauspieler motiviert in eine neue Aufführung. Mit ihrer musikalischen Rückblick-Show „25 – das Konzert“ begeisterten sie ihre Besucher.

Mit Anfang November war dann Schluss: „Wir haben de facto seit 10. März, wo die ersten Vorstellungen abgesagt werden mussten, maximal vier Vorstellungen gespielt – und das ist natürlich der absolute Irrsinn“, sagt Intendant Markus Richter.

Die erneute Schließung des Theaters sorgte auch dafür, dass es erstmals seit 1994 keine Weihnachtsvorstellungen mit „The Sound of Christmas“ gab. Die Schauspieler wollten aber ihr Publikum nicht hängen lassen. Deshalb wurde eine exklusive Videofassung der Show produziert, die sich Theaterfreunde zuhause ansehen konnten. „Den Umständen gemäß war es sicher die einzige und beste Lösung, eine Online-Fassung zu machen, wo wir ja doch ein sehr großes Publikum bedienen. Es ist sehr gut angenommen worden und wir haben ganz tolle Rückmeldungen bekommen“, sagt Richter. Trotz der guten Nachfrage sind Videos von Produktionen für den Intendanten aber keine dauerhafte Lösung: „Ich persönlich bin heute noch kein Freund von ,online‘ als Alternative für ein Live-Event, weil wir ein Theater sind und keine Filmproduktionsfirma.“

Schauspieler fiebern Proben entgegen

Im Moment ist das Team des 82er Hauses damit beschäftigt, Lösungen für die abgesagten Veranstaltungen zu finden. Die Planung gestalte sich aber mehr als schwierig, denn mit einem baldigen Wiederaufsperren rechnet Richter nicht: „Von unserer Seite ist jetzt nicht geplant, bis März oder Ostern Veranstaltungen zu machen.“ Das erste interne Ziel ist in Kooperation mit der Tschauner-Bühne das Musical „Zuständ‘ wie im alten Rom“ auf die Bühne zu bringen.

Die Produktion, die den Abschluss des 25-Jahr-Jubiläums im Vorjahr bilden hätte sollen, musste Corona-bedingt verschoben werden. Die Proben für das Musical sollen Anfang März starten, die Premiere im 82er Haus ist zwei Wochen nach Ostern geplant. „Das ist quasi das erste Projekt, das im Moment noch steht“, so der Intendant.

Finanziell hat sich der gemeinnützige Verein Unterstützung vom Fonds für Non-Profit-Organisationen der Bundesregierung geholt. „Das ist natürlich weder ein Umsatzersatz, noch ein Unkostenbeitrag“, sagt Richter. Schlimmer als das fehlende Geschäft sei derzeit, „dass wir die Bindung an unser Publikum verlieren. Das ist ein Schaden, wo es sicherlich noch länger dauern wird, bis dieser behoben ist.“

Für die Zeit nach dem Lockdown drängt der Intendant auf klare Regeln sowohl für die Kultur- als auch beispielsweise für die Gastronomie-Szene: „Ich glaube, dass es klare Ansagen braucht, die auch branchenübergreifend schlüssig sind.“ Gerade bei der Test-Strategie der Regierung gebe es offene Fragen: Rund um das „Freitesten“ hieß es noch, dass in der Gastronomie ein negatives Testergebnis eine Woche Gültigkeit haben soll, im Kulturbereich hätten es aber nur maximal 48 Stunden sein dürfen. Mittlerweile soll ein „Reintesten“ die Teilnahme an Veranstaltungen ermöglichen, ob die Verordnung auch für die Gastro-Szene gilt, ist noch unklar. Für Richter stellt sich die Frage, warum ein negativer Covid-Test in der Gastronomie länger gültig sein sollte, als für den Theater-Besuch.

„Ich glaube, dass es klare Ansagen braucht, die auch branchenübergreifend schlüssig sind.“

Offen sei auch, ob mit den Tests die Regelung bleibt, dass nur 50 Prozent der Kapazitäten eines Theaters ausgeschöpft werden dürfen. „Es ist wirklich fraglich, ob dann noch Kosten und Nutzen in einem vernünftigen Verhältnis stehen, weil ich als Theaterbesucher ins Theater gehe, um abzuschalten – und ob das dann möglich ist, unter so vielen widrigen Umständen, ist fraglich“, sagt Richter, ergänzt aber: „Wir würden gerne die Saison nach Ostern weiterführen, wenn es irgendwie möglich ist.“