Region Purkersdorf: Flaute für den Wirtschaftstourismus. Betriebe bestätigen Verluste beim Geschäft mit Seminargästen. SWV NÖ-Obmann Rieger plädiert für eine Neupositionierung der Region.

Von Nadja Büchler und Kristina Veraszto. Erstellt am 16. September 2020 (03:25)
Die Hotelcrew des Schlosspark Mauerbach wird seit der Wiedereröffnung nach dem Corona-Lockdown in regelmäßigen Abständen auf das Coronavirus getestet. Die Gäste sollen sich sicher fühlen.
Schlosspark Mauerbach

Das sommerliche Urlaubsglück in Zeiten von Corona dürfte für den einen oder anderen Gast ein entspannter Wellness-Aufenthalt gewesen sein. Das zeigt zumindest die Bilanz vom Schlosspark Mauerbach: Das Hotel hatte im Wellness- und Spa-Bereich ein besseres Geschäft als erwartet.

Zwar stehen die Zahlen in keinem Vergleich zum Vorjahr, aber Direktor Philip Jansohn spricht angesichts der Lage von einem „guten Sommer“: „Das Wellness-Geschäft ist erstaunlich positiv ausgefallen.“ Aufgrund der Reisewarnungen und den möglichen Grenzschließungen gingen die Gäste auf Nummer sicher und entschieden sich für einen Urlaub zuhause, vermutet er – und das passierte auch sehr spontan, wie Jansohn erklärt: Zum Teil kamen Anfragen zwei bis drei Tage vorher, wenn nicht am selben Tag der Anreise. „Die Buchungen sind sehr kurzfristig, was die Planung sehr schwierig macht“, so Jansohn. Neben dem Wellnessangebot fungiert der Schlosspark Mauerbach auch als Seminar- und Kongresszentrum. In diesem Bereich sieht die Bilanz anders aus: Rund die Hälfte des Geschäfts sei „weggebrochen“, sagt der Hoteldirektor. Viele internationale Gäste kamen wegen Corona nicht.

Maskenpflicht könnte Geschäft erschweren

Die nächsten Monate werden herausfordernd, ist Jansohn überzeugt. Im Wellnessbereich beginnt mit Herbst eine Hochsaison. Maßnahmen wie eine Maskenpflicht seien für die Gäste aber auch ein Entscheidungsgrund, einen Urlaub nicht anzutreten, meint der Direktor. Seitens des Hotels versucht man entgegenzuwirken: „Wir wollen unseren Gästen zeigen, dass man zu uns sicher reisen kann.“

Einen starken Gästeanstieg bei allen Outdoor-Aktivitäten verzeichnete im Sommer der Wienerwald Tourismus, wie Geschäftsführer Christoph Vielhaber im NÖN-Gespräch erzählt: „Im westlichen Wienerwald wurde vor allem Wandern und Mountainbiken und entlang der Hauptradrouten natürlich auch Radfahren stark nachgefragt. Weniger Gäste gab es im Kultur- und Veranstaltungsbereich, da hier viele Events nicht oder nicht in gewohnter Weise durchgeführt werden konnten.“ Grundsätzlich biete der Wienerwald einen sehr guten Mix zwischen Geschäfts-, Event-, Gesundheits- und Freizeittourismus.

Der Geschäfts- und Gesundheitstourismus sei aber nach dem Lockdown nur sehr verhalten zurückgekehrt. „Auch wenn wir im Bereich Freizeittourismus Steigerungen hatten, konnte diese Steigerung den Rückgang in den anderen Bereichen gesamt betrachtet nicht ausgleichen“, sagt Vielhaber. Die Situation hat sich in den vergangenen Wochen erholt, der Geschäftsführer bleibt aber mit guten Prognosen vorsichtig: „Ob dieser Trend anhalten kann, wird von der Entwicklung der Infektionszahlen und der damit verbundenen Maßnahmen abhängen.“

Geht es nach Manfred Rieger, SWV NÖ-Spartenobmann im Tourismus und in der Freizeitwirtschaft, sollte die Region nicht an den Geschäfts- sowie Wirtschafts- und Städtetourismus Wiens gebunden sein. „Die Bürgermeister und Verantwortlichen in der Region sehen jetzt erstmals, dass ein Wald als touristisches Zugpferd zu wenig ist. Wir müssen uns in der Region viel stärker von Wien abkoppeln. Der Slogan „Wien besuchen und im Grünen wohnen“ hat 40 Jahre lang dazu geführt, dass die Gemeinden Tourismus-Gelder erhielten, ohne dafür Leistungen oder sogar Visionen erbringen zu müssen“, sieht Rieger Probleme bei der generellen Positionierung der Region.

Betriebe müssen eigenes Angebot haben

Wien war der touristische Auftraggeber – und dieser Auftraggeber falle seit der Corona-Krise aus. Die Betriebe der Region haben Nächtigungen aus Seminaren und Kongressen, die in Wien stattfinden oder von Teilnehmern der Busreisen nach Wien. In die Region kämen keine Wanderer oder Thermenbesucher auf Urlaub, meint Rieger.

Jene Betriebe, die möglichst viel selbst anbieten können, werden sich ihren Platz am Markt erhalten. Grundsätzlich rechnet der Spartenobmann erst mit einer Besserung der Lage bis zum Jahr 2024.