Gault Millau: Nur mehr drei Hauben für die Region Purkersdorf

Im Restaurant-Führer „Gault Millau 2022“ konnte Tulbingerkogel seine zwei Hauben halten. Schlosspark büßte Punkte ein.

Erstellt am 01. Dezember 2021 | 05:35
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In der neuesten Auflage des Restaurant-Führers „Gault Millau“ konnte das Berghotel Tulbingerkogel seine 14 Punkte und zwei Hauben halten.

Für Chefkoch Georg Bläuel ist die erneute Auszeichnung eine Bestätigung für die Qualität, die das Küchenteam über das Jahr leistet. Dennoch kämpft man nicht verbissen um die dritte Haube, wie Bläuel erklärt: „Ich bin kein Haubenjäger. Für mich ist wichtig, dass die Gäste glücklich aus dem Restaurant hinausgehen.“

Im Berghotel veranstalte man üblicherweise rund 60 Hochzeiten im Jahr. Bei dieser Quantität sei es auch schwierig, in Richtung dritte Haube zu kochen. „Die Erwartungshaltung ist einfach eine andere, wenn man in ein Drei-Hauben-Lokal geht und wenn der Garten voll ist, dann ist der Faktor, Gäste zu enttäuschen groß“, sagt Bläuel.

Karte wurde stetig modernisiert

Seit sieben Jahren ist Bläuel im Berghotel Chefkoch. Gemeinsam mit seiner Frau hat er die Speisekarte mit neuen Kreationen modernisiert. Zum Erfolgsrezept zählt aber auch, dass man im Tulbingerkogel nicht jedem Trend einfach folgt. „Wenn man einen Trend mitmacht, ist man natürlich im Moment ,gehyped‘, aber jeder Hype geht wieder vorbei“, so der Chefkoch.

Mit der Modernisierung der Karte sei man einen anderen Weg gegangen. „Wir entwickeln uns trotzdem weiter, aber nicht so extrem“, sagt Bläuel, der im Lockdown fünf Tage die Woche ein Take away-Tagesgericht mit Suppe kocht. Samstags gibt es auch ein Drei-Gänge-Menü, das sich die Gäste mit nach Hause nehmen können.

Take-away-Gerichte auf Hauben-Niveau zu kochen sei aber fast nicht möglich. „Man kann nur ein Drittel der Speisekarte anbieten, damit die Gerichte ansatzweise der Qualität entsprechen“, sagt Bläuel. Dass er bald wieder im Restaurant Gäste empfangen kann, glaubt er nicht. „Ich rechne damit, dass der Lockdown erst Ende Jänner vorbei ist. Endet er früher, wäre ich positiv überrascht“, so Bläuel.

Eine von zwei Hauben verloren hat das „Vier Jahreszeiten im Park“ im Schlosspark Mauerbach. „Der Versuch, kulinarisch mitten in der Pandemie mit Thomas Wohlfarter als Küchenchef im À-la-carte-Bereich, mit dem Ziel einer möglichen dritten Haube, durchzustarten, ist leider misslungen. Es ist für unser Team nicht leicht, von einem Lockdown zum nächsten, immer wieder mit Veränderungen konfrontiert zu sein“, sagt Hoteldirektor Philip Jansohn zum Punkte-Verlust.

Sinnhaftigkeit wird hinterfragt

Dennoch habe das Küchenteam gezeigt, dass es auch in schwierigen Zeiten auf qualitativ hohem Hauben-Niveau kochen kann.

„Wir stellen allerdings die Sinnhaftigkeit einer Kulinarik-Bewertung mitten in einer Pandemie infrage, die auf einer Momentaufnahme beruht und Herausforderungen, denen wir uns stellen müssen, kaum berücksichtigt. Wir sind stolz auf unser Team, dass sich in diesen Zeiten täglich aufs neue motiviert und für unsere Business- und Wellness-Gäste Top-Service bietet. Und wir freuen uns, im kommenden Jahr auch kulinarisch wieder durchstarten zu können“, so Jansohn.