Albert Winkler: „Hatten neun Jahre ein Monopol“. Der Maler, Fotograf und Digital-Pionier Albert Winkler genießt sein kreatives Leben im ehemaligen Kloster Irenental.

Von Monika Närr. Erstellt am 07. Februar 2021 (03:44)
Erinnert an ein Rembrandt-Gemälde: Das Selbstporträt von Albert Winkler.
Albert Winkler

Albert Winkler ist Maler und Fotograf, der sich sehr früh auf digitale Bildbearbeitung spezialisierte. Als Pionier in diesem Bereich hinterließ er nachhaltige Spuren in Österreich. Heute lebt er im ehemaligen Kloster im Irenental und widmet sich mit Hingabe seinen Leidenschaften Fotografie, Bildbearbeitung und Gitarre-Spiel. Auch die Studenten der Angewandten profitieren von seinem vielschichtigen Tiefenwissen: Er lehrt sie, dass man mit wenigen Dingen höchst kreativ sein kann und benutzt dafür iPhone, Computer, Scanner und seine Gitarre.

NÖN: Sie wohnen im alten Kloster im Irenental, wie lebt es sich hier?
Albert Winkler: 2004 kam ich mit meiner Gattin Michaela, einer begnadeten Köchin, und Tochter Rosa über einen Nachbarn hierher. Ich war 50 und wollte in meinen späteren Jahren immer aufs Land. Wir waren die Letzten, die einzogen. Wir leben in der ehemaligen Kapelle, und kaum jemand traute sich über dieses Bauprojekt drüber, es war unglaublich düster hier. Ich wusste, das ist es, als ich das Objekt sah, hatte aber bedenken, es zu kaufen.

Was passierte dann?
Mein Bruder Friedel ist Architekt, wir öffneten dann den Raum und bauten viele Fenster ein. In der Kapelle ist heute unser großer Küchen-, Ess-, Wohnraum, an meinem Computerarbeitsplatz auf der Galerie war früher die Orgel. Mein Bruder und ich haben sehr pragmatisch renoviert, mit einem guten Mix aus toll und billig. Heute ist es Dankbarkeit pur, dass ich im Kloster leben darf.

Heute ist es Dankbarkeit pur, dass ich im Kloster leben darf

Beruflich waren Sie ein Pionier. Wie sah die Vorbereitung dafür aus?
Nach der Pädak in meiner Heimat Kärnten studierte ich Malerei bei Wolfgang Hutter an der Universität für angewandte Kunst. Seit 25 Jahren unterrichte ich dort auch digitale Bildbearbeitung und Fotografie. Heute in der Klasse für Ideen von Matthias Spaetgens, früher in der Meisterklasse für Grafik und Werbung bei Walter Lürzer.

Und wie kam es in Folge zur Gründung ihrer Firma Vienna Paint?
Erst war ich in einer Videofirma angestellt. Bei einem Besuch in England entdeckte ich Grafic Paintbox, das war der erste Computer für digitale Bildbearbeitung. Der Rechner kostete damals elf Millionen Schilling. Gemeinsam mit meinem Ex-Chef importierte ich ihn nach Österreich. 1988 kaufte ich mich mit einem Partner aus und wir gründeten Vienna Paint, die erste Firma für digitale Bildbearbeitung in Österreich.

Albert Winkler kreiert Geschenkpapier mit Naturmotiven wie Moos, Blättern oder Rinde. Er überlegt, dieses künftig über einen kleinen Web -Shop zu vertreiben.
Albert Winkler

Wer waren Ihre prominenten Kunden?
Unter unseren Werbekunden war alles, was Rang und Namen hatte. Wir hatten ja quasi neun Jahre ein Monopol. Egal, ob Autobranche, Pharmaindustrie, Essen, Unterwäsche oder Wahlkämpfe, es waren alle da, die was brauchten. Auch als dann langsam Konkurrenz aufkam, führten wir die Firma sehr erfolgreich weiter. Nach dem Motto: Es kann jeder eine Gitarre kaufen, aber nicht spielen. Letztlich ist der kreative Zugang allemal wichtiger als der Computer. 2015 löste ich die Firma auf, heute genieße ich mein freies Künstlerleben in der Pension.

Unter unseren Werbekunden war alles, was Rang und Namen hatte.

Sie haben derzeit mehrere Projekte und Bildserien am Laufen. Welche sind das?
Insgesamt sind es drei Bildserien. Mein momentanes Hauptwerk ist das barocke Stillleben, es ist angelehnt an die klassische flämische Vanitas, Vergänglichkeitsmalerei, des 16. und 17. Jahrhunderts. Ich verwende dafür Blumen, Früchte und Materialien aus dem Wald. Dann wird alles genau geplant und spezielle Lichteffekte eingesetzt. In Folge bearbeite ich meine Fotografien am Computer mit Pinsel und Farben. Ich bin ein extrem schneller Arbeiter und erzeuge auch gerne eine Atmosphäre wie bei Hieronymus Bosch oder Pieter Breughel. Bisher habe ich davon 200 Stück geschaffen und bei Ausstellungen in Deutschland gezeigt.

Bei seinen digital produzierten Stillleben orientiert sich Albert Winkler an den flämischen Malern des 16. Und 17. Jahrhunderts.
Albert Winkler

Und was kreieren Sie in Ihren beiden weiteren Serien?
„Memories“ ist den kleinen unbedachten Dingen gewidmet, die man zeit seines Lebens braucht, aber nicht beachtet, wie Kluppen, Stoppel oder Legosteine. Eine Museumsausstellung der Alltagsgegenstände, zum Beispiel im MAK, im Museum für angewandte Kunst, ist ein großes Ziel von mir. Die dritte Serie heißt „Thx. Art Friends“. Hier sammle ich Arbeiten meiner kreativen Wegbegleiter. Einige sind sehr bekannt, wie der Graphikdesigner Stefan Sagmeister, viele sind unbekannt. Ich stelle dafür einen Katalog von 100 Personen auf einem USB-Stick in Form eines Armbands zusammen.

Gibt es noch etwas, das Sie sich für 2021 vorgenommen haben?
Ja. Zu Weihnachten entwarf ich mein erstes Geschenkpapier mit Naturmotiven wie Moos, Blättern oder Rinde. Es kam so gut an, dass es mein hehres Ziel für dieses Jahr ist, jeden Tag ein neues zu gestalten. Vielleicht findet es ja weitläufiger Anklang und ich kann es über einen kleinen Web-Shop mit Druckpartner-Versand vertreiben. Und für das Wirtshaus Oliver mache ich natürlich auch weiterhin alle Plakate oder Transparente.

Albert Winkler (ganz links) bei einem Auftritt mit seiner Band „Monday Orchestra“. Im Bühnen-Hintergrund läuft ein Video, das seine Stillleben zeigt.
Josef M. Fallnhauser

Sie kombinieren Natur nicht nur mir Kunst, sondern auch mit Musik. Wie machen Sie das?
Ich spiele E-Gitarre mit meinem Monday Orchestra, schon fast 25 Jahre. Wir spielen Funk und Jazz und proben jede Woche zwei- bis dreimal, ich habe auch einen Gitarre-Lehrer, mit dem ich wöchentlich übe. Jeden Sommer geben wir am Wachtberg bei Gars am Kamp im Rahmen von „Kunst in der Natur“ ein Konzert. Auch auf der Seebühne in Lunz hatten wir schon Auftritte. lm Hintergrund lasse ich dann das Video mit meinen Stillleben laufen, 60 Bilder, eines pro Minute. Ich habe auch ein elegisches, einstündiges Musikstück komponiert. Mit dem untermale ich meine Videoschau bei Ausstellungen.

Meine Arbeit ist ja fast wie ein Hobby

Sie sind auch ein begeisterter Netzwerker. Wieso kam Ihnen der Lockdown dafür entgegen?
Ja, ich habe jahrzehntelange Allianzen und es gerne, diese aufrecht zu halten. Ich nutze die Zeit jetzt für die Auffrischung alter Bekanntschaften. Wenn mir wer einfällt, rufe ich ihn an. Es ergaben sich dadurch schon überraschende Dinge. Ich war immer sehr integrativ tätig. Es interessiert mich, Leute – auch interdisziplinär – zusammenzubringen. In der Firma hatte ich eine Köchin engagiert. Wir saßen alle Zwanzig mittags um den Tisch. Da gab es Kunden, die legten ihre Termine extra zu dieser Zeit, das bewirkte viel.

Haben Sie noch weitere Hobbies?
Meine Arbeit ist ja fast wie ein Hobby. Für meine Tochter machte ich früher Bilderbücher, mit Tierbildern, die ich auf Verpackungen fand. Und ich habe 6.000 Seiten Tagebücher, 20 Bücher mit 300 Seiten, mit privaten und beruflichen Erinnerungen. Sowie 300 Schachteln mit beschrifteten Kieselsteinen, die ich in der ganzen Welt sammelte.