Charlie Drexler: Mit Opus einmal rund um die Welt. Der frühere Tour-Manager und Digital-Grafiker, Charlie Drexler, blickt auf sein kreatives Arbeitsleben zurück.

Von Monika Närr. Erstellt am 09. Januar 2021 (03:28)
Charlie Drexler war der erste digitale Infografiker im deutschsprachigen Raum und arbeitete als solcher vier Jahre für die Wochenzeitschrift News. In seinem Archiv befinden sich die erste Ausgabe sowie die hundertste im Gold-Cover und der gebundene erste Jahrgang.
Monika Närr

Er wohnt seit Kurzem an seinem Lieblingsort, direkt beim Wienerwaldsee. Rund um den Jahreswechsel hielt Karl Maria Drexler, von seinen Freunden Charlie genannt, im Gespräch mit der NÖN Rückblick auf „mein pralles, volles Leben“, wie er es selbst nennt. Vom musikbegeisterten Tournee-Leiter zum innovativen Grafik-Designer, vom Leben in Italien bis zu Konzertreisen durch Amerika, von Watzmann-Bühnenauftritten zum begeisterten Hobbykoch reicht die Bandbreite im Lebensrückblick des 71-jährigen Kulturfreaks.

NÖN: Sie sind in rund 1.000 Vorstellungen des Watzmann aufgetreten. Wie kam es dazu?
Charlie Drexler: Ja, ich bin im Watzmann als Tänzer, Kapuzenmann und Misthaufen aufgetreten. Wahrscheinlich bin ich der berühmteste Misthaufen zwischen Scheibbs und Nebraska (lacht). Für mich war das Theaterspiel primär Hobby. Ich habe damals, Mitte der 80er-Jahre, im ORF in der Unterhaltungsabteilung als Aufnahmeleiter gearbeitet und lernte so Fredi Tauchen kennen, den Mitautor des Watzmann. Als ihm ein Tänzer für die Musical-Produktion ausfiel, bot ich mich spontan an. Zuvor hatte ich unter anderem in einer Wiener Festwochenproduktion in einem Nestroy-Stück mitgespielt. Ich bin dann gut durchs Casting gekommen und habe auch einige Watzmann-Aufführungen in meiner späteren Heimatregion, am Purkersdorfer Hauptplatz, gespielt. Auch bei den Neuauflagen in den 90er- und 2000er-Jahren war ich jedes Jahr bei den Sommer-Tourneen mit dabei.

Daraus hat sich dann auch Ihre Funktion als Tournee-Leiter ergeben...
Während eines Watzmann-Spiels im Schwabinger Hof in München begann ich mit organisatorischen Checks, bald darauf organisierte ich dann als Tournee-Leiter mit. Als mich Wolfgang Ambros fragte, ob ich auch andere Tourneen leiten wollte, sagte ich zu. So rutschte ich in den Job des Tour-Managers hinein.

Und wie kamen Sie in dieser Funktion dann zu Opus, EAV oder Steffi Werger?
Die Austrian Music Agency, die Agentur von Wolfgang Ambros, wurde auf mich aufmerksam. So kam es, dass ich dann beispielsweise mit Opus auf Welttournee in Süd- und Mittelamerika und dem Süden der USA war. Und mit der EAV ging ich auf Nepomuk-Tour, deren erster Frontmann war unser Wilfried Scheutz. Da hatte ich in drei Monaten nur zwei freie Tage. Ich war dann mit großem Erfolg viel unterwegs und hörte im ORF auf.

Charlie Drexler ist begeisterter Hobbykoch. Hier hat er Backstage-Pässe eines Opus-Konzerts im großen Amphitheater in Istanbul sowie von einer US-Konzerttournee der legendären Rocksängerin Stevie Nicks für die NÖN ausgegraben.
Monika Närr

Was war dort Ihr genaues Aufgabengebiet als Aufnahmeleiter gewesen?
Man sorgt an dieser Schnittstelle zwischen Regisseur und Produktion dafür, dass alles, was sich diese ausgedacht haben, zeitgerecht und richtig umgesetzt wird. Ich war etwa verantwortlich für die Quizsendung „Einer wird gewinnen“ mit Hans-Joachim Kulenkampff, für die Kindersendung „Am Dam Des“ mit der legendären Ingrid Riegler oder verfolgte die ersten Auftritte von Vera Russwurm als goscherter Medizinstudentin in „Tritsch Tratsch“.

Vor all diesen Tätigkeiten haben Sie einige Zeit in Italien gelebt.
Mit 20 ging ich der Liebe wegen nach Italien. Ich war davor zwei Jahre in der UNIDO für Visa-Ausstellungen zuständig und lernte Emilia in Wien kennen. Ihr war es hier zu kalt und so gingen wir nach Genua, in ihre Heimatstadt. Ich arbeitete dann in einer Einkaufsagentur in Mailand für große Kaufhäuser weltweit. Dort waren deutsche Sprachkenntnisse gefragt. Es war auch spannend, wie genau ich meinen Tastsinn schulen lernte. Ich spürte genau, wie viel Prozent Baumwolle beispielsweise in einem Stoff war. Seither verstehe ich auch, wie Blindenschrift funktioniert. Die Wochenenden verbrachten wir an der Riviera. Als diese Lebensliebe zerbrach, ging ich nach vier Jahren zurück nach Wien.

Im Grafikressort von News war Charlie Drexler von Beginn an für die damals innovative digitale Aufbereitung von Daten zuständig. Hier berichtete die Fachzeitschrift „Der Österreichische Journalist“ über seinen damaligen Tätigkeitsbereich.
Monika Närr

Und wie ergab es sich, dass Sie als erster digitaler Infografiker im deutschsprachigen Raum ab der ersten Ausgabe der Wochenzeitschrift News für diese arbeiteten?
Ein Freund von mir zeichnete den Columbus Comic für die Kronen Zeitung. Er hatte die Idee, diesen zu animieren. So flog ich nach Amerika, kaufte den legendären Macintosh 2 von Apple und begann im Selbststudium, mithilfe von Freunden, am Computer zu zeichnen. Davon erfuhr Wolfgang Fellner. Und lud mich dann in der Entwicklungsphase von News ein, Infografiken aufzubereiten. So blieb ich dann vier Jahre bei News im Grafikressort. Auch das Logo von TV-Media mit der Weltkugel habe ich 1995 entworfen. Und ich setzte auch als Erster eine Grafik über ein Satellitenfoto. Die Rechenleistung der Computer machte das erstmals 1994 möglich.

Und dann?
Unternahm ich eine große Australienreise und stand am Ayers Rock, der damals noch Uluru hieß. Das war eines der prägendsten Erlebnisse meines Lebens: Man sieht sehr weit, die ganze Gegend rundherum ist ja flach. Und es ist ein ganz starker Kraftpunkt der Erde, ich erlebte dort einen Moment der absoluten Glückseligkeit. Weitere große Glücksmomente waren die Geburten meiner Kinder Marlene und Sebastian.

In Ihren Zwanzigern waren Sie als Hobbyschauspieler mit Profi-Charakter auf einigen Wiener Bühnen zu sehen und spielten mit Größen wie Felix Dvorak, Ernst Meister, Peter Rapp, Alfons Haider oder Christine Böhm.
Wir spielten in einer Produktion von Ali Baba und die 40 Räuber in der Stadthalle zusammen.. Wir hatten dabei auch drei Elefanten und 20 Pferde auf der Sandbühne.

Charlie Drexler als 27-jähriger Hobbyschauspieler mit Christine Böhm, der Tochter von Maxi Böhm, als Prinzessin Fathme in Ali Baba und die 40 Räuber.
Pressefotografie Norbert Kössler

Zu Ihren Hobbies zählt auch kochen. Was noch?
Ich bin ein begeisterter Koch. In Italien lernte ich es kennen und schätzen, zwei Mal täglich warm zu essen. Auch für meine Kinder kochte ich zwei Mal täglich. Mein Lieblingsgericht ist Huhn Cajun, ein Hühner-Gemüse-Eintopf. Das Rezept stammt aus dem Süd-Osten der USA. Und ich liebe Musik, quer durch alle Genres. Ich zappe mich gerne weltweit durch tausende Radiostationen. Lustige Literatur ist ebenso ein Steckenpferd von mir. Ich halte auch Lesungen à la Otto Schenk, zum Beispiel „Humor aus dem Wiener Caféhaus“. Damit möchte ich nach Corona wieder mehr herum tingeln, etwa im Metropolino, oder in der Villa Kunterbunt. Ich bin ja jetzt schon einige Jahre in Pension und erst kürzlich von Wolfsgraben nach Tullnerbach übersiedelt.

Ich bin ein begeisterter Koch. In Italien lernte ich es kennen und schätzen, zwei Mal täglich warm zu essen

Was nehmen Sie aus Ihrem reichen Erfahrungsschatz an Lebensweisheiten mit?
Mich hat immer ein Satz meiner Großmutter begleitet: „Es kommt immer etwas Besseres nach.“ Es ist wichtig, neugierig auf das Leben zu sein und zu bleiben. Und auch Neues neugierig aufzunehmen, es gibt überall etwas Gutes. Es gibt nicht nur Schnitzel und Schweinsbraten, sondern auch Ossobuco und Sushi im Leben. Ich denke, es geht darum, sich die guten Sachen auszusuchen und überall das Beste mitzunehmen.