Eine Probebühne aus Lego. Aus Zeitnot entwickelte der Tullnerbacher Wolfgang Gratschmaier Probebühnen mit Lego- und Playmobil-Figuren.

Von Monika Närr. Erstellt am 12. September 2020 (03:40)
Schlussszene Don Giovanni 1. Akt, Seite 241, Takt 645: So erarbeiten die Regisseure Stephanie Schimmer und Wolfgang Gratschmaier die Bühnenaufstellung mit Lego-Figuren quasi im Trockentraining.
Monika Närr

„Eigentlich entwickelten wir dieses Modell der Probenarbeit mit Lego- oder Playmobil-Figuren erstmals aus Zeitnot“, so die Tullnerbacher Sopranistin Renée Schüttengruber. Ihr Gatte, Volksopern-Tenor und Regisseur Wolfgang Gratschmaier, zeigte der NÖN, wie er seit 2004 den Auftritt und die Aufstellung einzelner Bühnenrollen im Vorfeld erarbeitet: Akt für Akt, Seite für Seite des Klavierauszugs, Takt für Takt werden die Spielzüge entwickelt. „Regiearbeit kommt vom Wort rangieren. Die Spielzüge werden nach links und rechts, vorne und hinten entwickelt“, so der Regisseur der Mozartoper Don Giovanni der Sommerakademie der Wiener Philharmoniker. An dieser wirken Studenten mehrerer österreichischer Musikuniversitäten mit. Für die Aufführungen im September und Oktober wird eifrig an der Wiener Privatuniversität für Musik und Kunst (MUK) geprobt, an der Gratschmaier seit 2015 als Dozent für „Szenische Gestaltung“ unterrichtet. Für die NÖN stellte er mit Co-Regisseurin Stephanie Schimmer die Schlussszene des ersten Akts von Don Giovanni nach der Originalausgabe des Klavierauszugs der Mozartoper auf.

„Ich habe meinem Mann schon 2005 zu Weihnachten einen Baukasten geschenkt, für den ich ihm aus Playmobil-Figuren alle Rollen der Operette ‚Die lustige Witwe‘ zusammengestellt habe“, so Schüttengruber. Und Gratschmaier erläutert weiter: „Tradition am Burgtheater war es im 19. Jahrhundert, dass die alten Schauspieler den jungen sagten, wo sie aufzutreten hätten und was zu tun wäre.“ Erst im 20. Jahrhundert wuchsen dann die Regisseure heran. „In der Tradition von Max Reinhardt, Bertolt Brecht oder Alfred Hitchcock wurde dann beispielsweise hinterfragt, was an Licht vorhanden ist oder wie Bühnenzauber durch Regietheater geschaffen werden kann“, führt Schimmer aus.

„Regiearbeit kommt vom Wort rangieren. Die Spielzüge werden nach links und rechts, vorne und hinten entwickelt.“ Wolfgang Gratschmaier

In NÖ findet die Aufführung am Sonntag, 27. September, in Schloss Thalheim statt. Karten: 0664/64 64 303 oder karten@schlossthalheimclassic.at. Weiters wird die Oper im Wiener Konzerthaus, dem Grazer Musikverein sowie im Kulturzentrum Lenzing gezeigt.