Kochende Omas als Hit im Internet. Alexander Falschlehner will mit seinem Projekt „Cooking Grannies“ alte Rezepte erhalten.

Von Marlene Trenker. Erstellt am 10. April 2019 (04:24)
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Fertig sind die Vanillekipferl, die vor allem in der Adventzeit bei allen immer sehr beliebt sind.

Viele kennen das noch aus der Kindheit. Der sonntägliche Besuch bei der Oma. Beim Betreten des Hauses riecht es schon köstlich nach Apfelstrudel aus der Küche. In der Frühlingszeit ist es noch dazu die Osterpinze, die einem das Wasser im Mund zusammenfließen lassen.

Meistens handelt es sich dabei um alte Rezepte, die von Generation zu Generation weitergegeben wurden. Heute findet man so ziemlich jedes Rezept im Internet und die alten Überlieferungen geraten in Vergessenheit. Doch genau diese alten Rezepte sind es, die vielleicht jene Zutat enthalten, wodurch der Apfelstrudel oder die Osterpinzen zur Besonderheit werden, die nur die Oma kreieren konnte.

Diese Erfahrungen hat auch Alexander Falschlehner gemacht, und so kam ihm die Idee zu den „Cooking Grannies“, ein Format auf dem Food-Blog „Cooking Alex“. Es geht darum, dass Kochwissen unserer Omas und Uromas für die Nachwelt zu sichern und junge Menschen mit diesen Videos fürs Kochen zu begeistern. Alexander Falschlehner hatte dabei immer wieder die Gedanken: „Wenn meine Oma, eine leidenschaftliche Köchin, einmal stirbt, kann niemand in der Familie den handgezogenen Apfelstrudel so backen wie sie.“

Der Filmemacher hat dann beschlossen, es einfach nicht zuzulassen, dass dieses alte Wissen verloren geht. Natürlich ist er auf der Suche nach möglichst vielen Damen, die ihr Kochwissen auch weitergeben möchten. „Omas und Uromas erreiche ich über das Internet sehr schwer. Ich erfahre von den kochenden Omas ausschließlich über persönliche Empfehlungen aus deren Familie oder von Freunden“, so Falschlehner.

„Ich verfolge dieses Herzens-Projekt für alle Menschen und bin auf Hilfe beim Finden der Omas angewiesen"

Die potenziellen Kandidatinnen sollten dabei mindestens Jahrgang 1950 oder älter sein. „Ich verfolge dieses Herzens-Projekt für alle Menschen und bin auf Hilfe beim Finden der Omas angewiesen. Nur gemeinsam können wir diesen kulturellen Wissensschatz erhalten“, appelliert Falschlehner.

Er ist selbst begeisterter Koch, der handgezogenen Apfelstrudel von der Oma ist aber immer noch eines seiner Lieblingsrezepte. „Aber ich finde alle Rezepte toll und vor allem die großartigen Omas, die diese kochen. Ich habe höchsten Respekt davor, in die Küchen eingeladen zu werden und ihnen beim Kochen und Backen über die Schulter schauen zu dürfen“, zeigt sich Falschlehner geehrt.

Heutzutage steht in jeder Küche eine Küchenwaage. Das war nicht immer so. „Es gut um das Vermitteln von Kochwissen“, klärt Alexander Falschlehner auf. Es gehe um Gefühl und Erfahrung. Ein Kochwissen mitsamt seinen alten Geheimtipps aus einer Generation, in der vielen Frauen die Rezepte in Mehrgenerationenhaushalten von ihren Müttern und Großmüttern direkt beim Tun weitergegeben wurden. Eine Generation, in der das Kochen ein wichtiger Bestandteil ihrer Lebensaufgaben war und kulinarisch und ökonomisch perfektioniert wurde.

Menschen mit viel Wissen können auch viele Tipps weitergeben. Diese sind aber zu viel, um sie zu nennen. „Darunter ist auch ein Hinweis, wie man ein Messer auf die Schnelle mit einem Kaffeehäferl schärfen kann“, erzählt Falschlehner. Viel wichtiger sind aber die Inspirationen.

Beim Kochen über die Schulter schauen

Wie läuft also so ein Dreh ab? „Ich mache mir mit der Oma telefonisch einen Termin aus und beantworte offene Fragen. Dann besuche ich die Dame in ihrer Küche. Ich schaue beim Kochen über die Schulter und filme alles Schritt für Schritt mit. Daraus schneide ich dann ein kurzes Video-Rezept, dass ein paar Wochen später im Internet veröffentlicht wird“, lässt Falschlehner wissen. Es soll einfach ein Stück Kulturgut erhalten bleiben. „Gemeinsam können wir das bewahren und junge Menschen fürs Kochen begeistern“, so Falschlehner.

Denn vielleicht wird in einigen Jahrzehnten auch folgendes Zitat gesprochen werden, wie das von Oma Aloisia: „Das Apfelstrudel-Rezept ist von der Oma und von der Uroma. Und die hat es auch wieder von ihrer Mutter.“