Radfahren für den guten Zweck. Andreas Pitsch und Helmut Tschellnig fuhren von Passau in den Wienerwald. 315 Kilometer legten sie an einem Tag zurück.

Von Nadja Büchler. Erstellt am 20. Juni 2020 (03:16)
Pause bei Kilometer 230 in Rührsdorf. Die Wirtin vom Heurigen Polz hatte Erbamen mit den zwei Radfahrern Andreas Pitsch und Helmut Tschellnig und servierte ausnahmsweise Bier aus der privaten Kiste ihres Mannes.
privat

Der Verein zur Förderung der Herzgesundheit „Herz bewegt“ informiert über Herz-Kreislauf-Erkrankungen und fördert Maßnahmen zur Vorbeugung. Er finanziert sich und seine Tätigkeit überwiegend aus privaten Spenden. Familien, die sich eine Operation ihrer herzkranken Kinder nicht leisten können, werden vom Verein finanziell unterstützt. Der Verein organisiert unter anderem die „Tour de Herz“. Maximal 200 Teilnehmer fahren mit dem Fahrrad am Donauradweg die Strecke Passau - Wien. Kürzere Strecken sind ebenfalls möglich. Teilnahmebedingung ist das Sammeln von 500 Euro für Operationen von herzkranken Kindern. Corona-bedingt musste die sechste Tour de Herz abgesagt werden.

Der Tullnerbacher Andreas Pitsch wäre heuer zum ersten Mal dabei gewesen. Nach der Absage entschied er sich, die Tour trotzdem zu fahren. Einerseits aus sportlichen Gründen, andererseits wollte er seine Unterstützer nicht enttäuschen. Im Purkersdorfer Helmut Tschellnig fand er den idealen Partner für diese Langdistanz-Tour.

Abenteuer begann zu Fronleichnam

So starteten die zwei leidenschaftlichen Radfahrer zu Fronleichnam in ihr Abenteuer. Mit dem Rad ging es zum Hauptbahnhof in Wien und von dort mit dem Zug nach Passau. Quartier bezogen sie im benachbarten Kellerberg. Freitag ging es um 5.20 Uhr bei Frühnebel los. Die wunderschönen Donauschlingen im ersten Abschnitt, hinterließen bei Pitsch und Tschellnig fantastische Eindrücke. Um 8.15 Uhr, nach 70 Kilometern, gab es Frühstück in einem Kaffeehaus. Zu Mittag machten sie ihre erste größere Pause und stärkten sich mit Pizza und Spaghetti in Mauthausen. Zu diesem Zeitpunkt hatten sie 120 Kilometer zurückgelegt und es war 11.30 Uhr. Nach insgesamt 200 Kilometern erreichten sie Pöchlarn und erste Befürchtungen machten sich breit, die anvisierte Rückkunft zeitlich nicht einhalten zu können. Starker Gegenwind und ein kleiner Umweg brachten die Planung durcheinander.

In Pöchlarn verbrachte Tschellnig bereits als Jugendlicher viel Zeit. Als Tischlerlehrling besuchte er die hiesige Berufsschule. Schon damals fuhr er mit dem Rad und nicht mit dem Zug zur Schule. Bei Kilometer 228 kam es zum ersten körperlichen Einbruch - bei Langdistanzen unvermeidbar. Tschellnig wusste ganz genau was zu tun ist - Pause machen und Zucker konsumieren. Höhe Traismauer wurde es langsam dunkel und die Lichter auf den Rädern montiert. Die aufkommende Dunkelheit verlangte beiden noch mehr Konzentration und Aufmerksamkeit ab. Der Einbruch bei Pitsch schlug kurz vor Rauchengern zu.

Doch auch dieser wurde gemeistert und an der Kreuzung trennten sich die beiden. Tschellnig fuhr durchs Irenental zurück nach Purkersdorf und Pitsch weiter nach Tullnerbach. Um 22.45 Uhr kam Pitsch Zuhause an. Die Netto Fahrzeit betrug 12 Stunden und 20 Minuten mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 25,6 km/h.