Wolfgang Gratschmaier:„Immer nach vorne gewandt“. Der Tullnerbacher Wolfgang Gratschmaier ist als Künstler geschätzt und als Mensch beliebt. Am Sonntag feiert er seinen 60. Geburtstag.

Von Monika Närr. Erstellt am 20. November 2020 (03:32)

„In seiner Nähe zu sein ist stets erfrischend, Wolfgang ist sehr modern und immer nach vorne gewandt“, bewundert Guido Mancusi, dirigierender Komponist, Volksopern-Kollege und Freund des Tullnerbacher Tenors Wolfgang Gratschmaier, den vielseitigen Jubilar, der kommenden Sonntag seinen 60. Geburtstag still und fein mit Gattin und Sohn feiern wird. Und erinnert sich: „Ich bekam lange nicht mit, dass Wolfgang auch die Fähigkeit hat, ein Theater zu führen. Ich war dann baff, wie viel mehr er kann als erfolgreicher Sänger und Schauspieler zu sein und wie toll er querdenkt.“

Gratschmaier ist Ensemblemitglied der Volksoper, Künstlerischer Leiter der Schloss Thalheim Classic, Produzent, Universitätsdozent, Visionär und Theatermacher des 21. Jahrhunderts. Als Regisseur und Sänger tritt er international in Erscheinung, bei den Pressbaumer Duckhüttlern feierte er dieses Jahr seine Premiere als Kabarettist.

„Mit Wolfgang kann man gemeinsam träumen“

„Im Theater wirken meditative Kraftfelder, die wir Künstler verwalten. Ich bin die ganze Zeit auf der Suche nach der unendlichen Schönheit des 21. Jahrhunderts. Diese zu finden und mitzugestalten sehe ich als meine Aufgabe“, verriet das Multitalent selbst zu seiner Bestimmung. Dazu ergänzt Regisseurin Stephanie Schimmer: „Wolfgang ist ein Mensch, mit dem man gemeinsam träumen und Träume auch umsetzen kann. Wir können aber auch künstlerisch streiten, dass die Fetzen fliegen und am Ende kommt es dann immer zu einem guten Ergebnis. Das schätze ich sehr“, so Schimmer, für die „alle Gratschis mittlerweile wie eine erweiterte Familie sind.“ Verbrachte sie doch schon mehrere Sommer in Tullnerbach, unter anderem für die Erarbeitung von Mozart-Opern der Sommerakademie der Wiener Philharmoniker, zu deren Führungsteam Gratschmaier als Dozent der MUK (Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien) gehört.

„Gratschi gibt jedem Menschen seinen Platz “

„Ich habe Wolfgang im Pressbaumer Bad kennengelernt, er war sofort interessiert, als ich ihn auf ein Mitwirken bei unserer Duckhüttler-Gilde ansprach“, so deren Präsident Richard Breier. Berührt war er, dass ein Künstler seines Formats außerhalb von Förmlichkeiten so unkompliziert ist und so viel Menschlichkeit zeigt: „Er hat mich in der Zusammenarbeit immer auf gleicher Augenhöhe respektiert, als wäre ich Volksopern-Direktor“, stellt er bewundernd fest. Und Bademeister Senad Basic ergänzt: „Wolfgang ist immer witzig, hilfsbereit, gut gelaunt und gesellig. Er gibt jedem Menschen seinen Platz und Raum und ist ein g`rader Michl.“ Vor allem der zwölfjährige Sohn Dario kommt im Bad auch immer auf seine Rechnung: Liebt er doch den gemeinsamen Schwimmunterricht mit seinem Papa und den Schmäh, der danach beim geselligen Beisammensein rennt.

Energetische Naturgewalt

Seine energetische Naturgewalt wurde Gratschmaier schon symbolisch in die Wiege gelegt: Tobte zu seiner Geburt am 22. November 1960 doch ein heftiger Schneesturm im steirischen Fürstenfeld. Genau das richtige Omen für den Lebensweg des kraftvollen Energiebündels. Als erste Ausbildung erlernte er in Schönbrunn den Beruf des Gartenbauingenieurs. „Er band mir vor 15 Jahren meinen Hochzeitsstrauß, ein Bouquet Parisienne. Dieses Riesending war so schwer, ich hätte damit jemanden erschlagen können“, lacht Gattin Renée noch heute.

In der Schulzeit lebte er im selben Haus wie Wilfried Scheutz, der wie ein älterer Bruder für ihn wurde und ein Lebensfreund blieb. Auch seinen 50. Geburtstag feierte er in der von Wilfried damals frisch gegründeten Pfalzauer Kulturinitiative Vereinsmeierei. Als er 2001 erstmals in der Volksoper in einer Hauptrolle einsprang, meinte der damalige Direktor Dominique Mentha: „So etwas wie Sie haben wir nicht am Haus.“ Darauf konterte Gratschmaier ganz typisch: „Dann engagieren Sie mich“.

„Renée und ich haben hier große und schöne Rollen zusammen gesungen“, resümiert der Tenor, dessen Lieblingsfigur der Prinz aus Boccaccio ist. 2003 bekamen beide ihr Fixengagement: „Wir waren eine Zeit lang das Opera buffa–Pärchen am Haus. Wir haben gemeinsam alles rauf und runter gespielt“, ergänzt Sopranistin Schüttengruber. Was mit den Hauptrollen von Pepi und Josef in Wiener Blut begann, führte Gratschmaier Jahre später nach Seoul, wo er seinen Durchbruch als Sänger im Wagnerfach hatte. Kurz darauf kam dann aus Peking eine Einladung für die Inszenierung einer Mozartoper.

„Wolfgang berührt Menschen in der Seele“

Auch Reinhard Schmidt, Kapellmeister, Klavierbegleiter und musikalischer Chef der Coburger Sommeroperette, weiß, was den Allround-Künstler wirklich ausmacht: „Trotz aller Karriere ist er ein völlig normaler Mensch geblieben.“ Zudem bewundert er, dass der Jubilar in allen Kunstrichtungen daheim ist und „dass ihn Helene Fischer genauso begeistert wie Richard Wagner.“ Auch, dass er von Finanzmanagement eben so viel versteht wie von Kunst, zeichnet Gratschmaier aus: „Er ist vielseitig, organisiert, korrekt, zuverlässig und hört auf den Rat von Experten“, fügt der Maestro hinzu.

Richard Östreicher, Önologe im unterfränkischen Sommerach, lernte Wolfgang Gratschmaier bei zahlreichen Sommeroperetten und Konzerten auf seinem Weingut näher kennen: „Er ist wie ein spezieller Elitewein: Wolfgang hat besonderen Klang, Schwingung und Farbe in der Stimme, aber auch in seiner Art“, so Östreicher. Und weiter: „Dadurch kann er Menschen tief in der Seele berühren, auch mit ganz einfachen Liedern.“ „Er ist eine große Persönlichkeit und er war immer unser Publikumsliebling“, fügt Gattin Kerstin hinzu. Und Richard Östreicher meint abschließend: „Wolfgang hat eine außergewöhnliche Gabe, er spricht alle Menschen an. Wenn die Menschheit so wäre wie er, wäre alles gut.“