Zwist um Kandidatur. Die ÖVP Tullnerbach hat als Spitzenkandidat für die Gemeinderatswahlen Christian Schwarz gewählt. Bürgermeister Novomestsky fordert Vorzugsstimmenwahlkampf.

Von Marlene Trenker. Erstellt am 09. Juli 2014 (08:37)
NOEN, Trenker
Tullnerbacher ÖVP-Chef Christian Umshaus und Vizebürgermeister und VP-Spitzenkandidat Christian Schwarz.
Acht Monate vor den Gemeinderatswahlen gibt es in Tullnerbach gröbere Unstimmigkeiten innerhalb der ÖVP über den Spitzenkandidaten. „Der Parteivorstand der ÖVP hat gewählt und mit einer großen Mehrheit den amtierenden Vizebürgermeister Christian Schwarz an die Spitze gesetzt“, sagt Orts-ÖVP-Chef Christian Umshaus (die NÖN berichtete in KW 22). Christian Schwarz: „Mitglieder des Parteivorstandes haben mich gebeten zu kandidieren. Ich wurde dann auch mit großer Mehrheit als Spitzenkandidat gewählt“.

Der amtierende Bürgermeister Johann Novomestsky will die Entscheidung so nicht hinnehmen. In einer Aussendung, die bald an alle Tullnerbacher Haushalte geschickt wird, heißt es: „Kurz vor der Gemeinderatswahl 2010 ist die Gemeindepartei an mich herangetreten und hat mich gefragt, ob ich als Spitzenkandidat kandidieren möchte. Dem stimmte ich zu, denn die Gemeinde liegt mir sehr am Herzen“.

Er, Novomestsky, sei schließlich mit einer Mehrheit an Vorzugsstimmen und einer absoluten Mehrheit an Mandaten gewählt. „Ich bekleide dieses Amt mit Überzeugung und dem besten Wissen und Gewissen und trete bei der Gemeinderatswahl 2015 für Tullnerbach deshalb aus zwei Gründen wieder an.“ Erstens habe er sich „in den letzten Jahren in mühevoller Arbeit einiges an wertvollem Wissen und entsprechender Erfahrung angeeignet“ und zweitens erfahre er großen Zuspruch von der Bevölkerung, führt Novomestsky aus.

„Wir haben den Vorzugsstimmenwahlkampf abgelehnt“

Der Bürgermeister weiter: Demokratischer und gerechter als eine partei-interne Entscheidung wäre es, die Bevölkerung direkt entscheiden zu lassen, wer die nächsten fünf Jahre die Geschicke der Gemeinde leiten soll. „Das wurde jedoch vom Ortsparteivorstand kategorisch abgelehnt. Ich will mich aber nicht von der ÖVP und deren Ideologien distanzieren, sondern von den Menschen, die hinter dem Tullnerbacher Parteivorstand stehen“, so Novomestsky.

Das sieht man beim Tullnerbacher Parteivorstand anders. „Wir haben den Vorzugsstimmenwahlkampf abgelehnt, weil das schon in anderen Gemeinden nicht gut angekommen ist. Die Wahl des Spitzenkandidaten wurde in dem dafür vorgesehnen Gremium demokratisch entschieden und auch von allen akzeptiert. Derzeit finden mit allen Gemeinderäten konstruktive Gespräche. Wir wollen den gemeinsamen Weg fortführen.“, so Umshaus.

„Die VP Tullnerbach ist mit 13 Mandaten im Gemeinderat vertreten. Sollte es zu keinem Vorzugsstimmenwahlkampf kommen, werden sechs davon für die nächste Gemeinderatswahl nicht mehr zur Verfügung stehen“, versichert Novomestsky.