Ex-Postlerin stahl Geld aus Briefen: Prozess

Erstellt am 16. Januar 2022 | 18:53
Lesezeit: 3 Min
Brief Diebstahl Kuvert Symbolbild Geldkuvert
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Foto: Kunlanan Yarist/Shutterstock.com
Ex-Postlerin in Untertullnerbach (Bezirk St. Pölten) stand wegen Verletzung des Briefgeheimnisses vor Gericht. Sie zeigte sich geständig. Schöffengericht entschied auf Geldstrafe und sieben Monate auf Bewährung.
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Das Gefühl, wenn man lange sehnsüchtig auf ein Paket von der Post wartet, kennt heute pandemiebedingt fast jeder. Mehrere Untertullnerbacher mussten allerdings ein Jahr lang vergeblich auf ihre Geldsendungen und RSb-Briefe warten.

Schulden und ständige Geldsorgen bewogen eine ehemalige Postangestellte dazu, ab Jänner 2021 Geldscheine aus den Kuverts zu stehlen und amtliche Briefe nicht zuzustellen. Ein aufmerksamer Kollege stellte die Frau zur Rede und meldete seinen Verdacht der Post. Diese schaltete nach Beschwerden der Empfänger die Polizei ein. Für diesen Amtsmissbrauch muss sich die 26-Jährige nun wegen Veruntreuung, Verletzung des Briefgeheimnisses sowie Aneignung von Geld und Einbehalten von Postsendungen vor dem Landesgericht in St. Pölten verantworten.

Die Ex-Postlerin zeigt sich geständig. „Das war alles ein riesengroßer Fehler, den ich zutiefst bereue, aber leider nicht rückgängig machen kann“, sagt die Angeklagte, die mehrmals vorbestraft ist.

Schaden vor Gericht wiedergutgemacht

Einen Teil der Schulden begleicht sie noch während der Verhandlung. Die Angeklagte überreicht zwei Zeugen, die auf die Zustellung einer Geldsendung in der Höhe von 50 und 20 Euro gewartet hatten, das Geld und entschuldigt sich mit gesenktem Blick. Die Post sah von einer weiteren Anzeige ab, da für sie kein Schaden entstanden war.

Nach dem Verlust ihres Jobs bei der Post soll die seitdem Arbeitslose auch im ‚G3 Shopping Resort‘ in Gerasdorf versucht haben, ein Handy zu stehlen. Die Verhandlung dieses versuchten Diebstahls muss jedoch verschoben werden, da der Ladendetektiv, der sie ertappt und zur Rede gestellt haben soll, nicht anwesend ist. „Ich bin seit Sommer durch den Vorfall bei der Post arbeitslos und habe hohe Schulden durch Strafen und Kredite. Dadurch bin ich oft abgelenkt und habe vergessen, an der Kassa zu bezahlen“, beteuert die 26-Jährige, die heute in Wien lebt, und verspricht vor der Urteilsverkündung: „Ich nehme die Bewährungshilfe an, werde in den nächsten Monaten eine Ausbildung machen und ganz neu beginnen“.

"Ordentlicher Lebenswandel lässt sich nicht erkennen"

Die Staatsanwältin lässt sich von den Versprechungen nicht überzeugen: „Die Vorstrafen haben nicht viel gebracht. Auch wenn die Angeklagte geständig ist und den Willen zeigt, ihre Schulden wiedergutzumachen, lässt sich ein ordentlicher Lebenswandel nicht erkennen.“

Der Richter entscheidet nach Absprache mit den Schöffen auf eine Geldstrafe von 1.200 Euro sowie sieben Monaten Bewährung in den nächsten drei Jahren. „Geldstrafen und Bewährung kennen Sie ja aus früheren Verhandlungen. Nun bekommen Sie beides. Das ist aber der letzte Rettungsanker, das nächste mal droht dann das Gefängnis“, erklärt der Richter. Das Urteil ist rechtskräftig.

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