Tierheime im Bezirk St. Pölten: „Wir sind am Limit“

Mehr Einsätze, aber weniger Spenden und Unterstützung durch Freiwillige: Die Pandemie fordert Tierheime und Gnadenhöfe in der Region Purkersdorf bzw. im Bezirk St. Pölten.

Erstellt am 22. September 2021 | 05:15
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In der Pandemie werden nach wie vor verstärkt Tiere abgegeben.
Foto: Gut Friedstein

Die Situation hat sich nicht verbessert: Noch immer werden verstärkt Tiere abgegeben, die man sich während des Lockdowns zugelegt hat, nun aber nicht mehr pflegen möchte. Das merkt zumindest Brigitte Prohaska vom Wienerwaldtierheim in Rauchengern (Gemeinde Pressbaum). Sie betreut derzeit allein rund 80 Hunde und 20 Katzen, die in ihrem Heim oder in Pflegestellen untergebracht sind, darunter auch viele junge Hunde.

„Die Leute denken nicht nach“

„Die Leute denken nicht nach. Wenn ich mir einen Hundewelpen zulege, muss ich damit rechnen, dass das Tier 15 Jahre alt wird. Wenn ich krank werde oder das Tier nicht mehr pflegen kann, sollte man einen Plan B haben“, sagt Prohaska. Sie denkt nicht, dass ein Appell, über die Anschaffung eines Haustieres gründlich nachzudenken, noch hilft. Die finanzielle Lage sei nach wie vor keine rosige. Zudem gehe die Spendenbereitschaft zurück.

„Wir sind am Limit“, sagt auch St. Pöltens Tierheimleiter Davor Stojanovic. „Täglich kommt eine neue böse Überraschung. Unsere Krankenräume und Zimmer sind voll. Der Bereitschaftsdienst ist fast durchgehend im Einsatz. In den letzten 26 Jahren hier habe ich so etwas noch nicht erlebt.“

Auch Stojanovic und Brigitte Obermaier vom Kirchberger Gnadenhof Gut Friedstein bemerken, dass weniger Menschen an Tierheime spenden. Andererseits fehlen auch Benefizveranstaltungen wie Flohmärkte und Weihnachtsmärkte schmerzlich.

Helfende Hände werden gesucht

Fälle von „Animal Hording“ haben laut Tierheim ebenfalls zugenommen. Zuletzt wurden 17 Chihuahuas gerettet, die mit 120 ihrer Artgenossen gehalten wurden. Tierschutzverein-Obmann-Stellvertreter Thomas Kainz: „Normalerweise haben wir drei bis fünf Beschlagnahmungen pro Jahr, heuer waren es über zehn.“ 40 Hunde wohnen derzeit im Tierheim, normalerweise sind es 25. Gleichzeitig habe Corona die Vergabe erschwert.

Um die Mehrbelastung zu stemmen, fehlen aber die Freiwilligen. Unterstützer werden gesucht: „Sei es Spazierengehen, als Ziehmutter für Igelbabys oder simpel jemand, der uns bei der Gartenarbeit hilft“, bittet Kainz um Hilfe.

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