Region Purkersdorf: „Unfälle mit Rehwild eher gering“. In der Region dürfte es jährlich weniger Zusammenstöße mit Rehen geben, als im Rest des Bezirks, leichter Anstieg in Stadt.

Von Kristina Veraszto und Gila Wohlmann. Erstellt am 14. Oktober 2020 (03:25)
APA (dpa)

Ein Schatten in der Finsternis. Ein rasanter Tritt aufs Bremspedal, doch zu spät: Schwer verletzt liegt ein Reh auf der Fahrbahn.

Der Herbst ist da. Für viele beginnt und endet die Autofahrt zum Arbeitsplatz in der Dämmerung. Das Risiko, dabei mit einem Wildtier zu kollidieren, steigt erheblich. „In erster Linie sind es Rehe, gefolgt von Hasen“, stellt Bezirkspolizeikommandant Gerhard Pichler fest. „Die Dunkelziffer ist hoch, da Wildunfälle, die keinen oder nur geringen Schaden am Fahrzeug verursachen, oft nicht angezeigt werden“, sagt Pichler. Einen speziellen Hotspot in der Region ortet er nicht. In Waldbereichen und so genannten „Deckungsgebieten“ wie entlang von Maisfeldern, sei das Risiko, mit einem Wildtier zu kollidieren, weit höher.

NOEN

„In Purkersdorf hatten wir in Zusammenhang mit ,Gemeinsam.Sicher‘ im letzten Herbst eine Veranstaltung zum Thema Wild im menschlichen Lebensraum. Es ging vorwiegend um Freizeitaktivitäten im Wald, das Thema Wolf und auch um Wildunfälle. Bei Tempo 100 hat ein 20 Kilo-Reh am Fahrzeug eine Wucht von 2.000 Kilogramm“, rechnet Pichler vor. Unfälle mit verletzten Lenkern bilden dennoch die Ausnahme. Für das Tier hingegen endet der Zusammenstoß meist schwer verletzt oder tödlich. Anhalten. Unfallstelle absichern. Polizei verständigen und auf das Eintreffen der Exekutive warten: Das ist das korrekte Verhalten des Lenkers bei einem Wildunfall.

„Die Dunkelziffer ist hoch, da Wildunfälle, die keinen oder nur geringen Schaden am Fahrzeug verursachen, oft nicht angezeigt werden“

„Wer das Tier mitnimmt, greift in fremdes Jagdrecht ein und macht sich strafbar“, sagt Pichler. Das Tier selbst erlösen, ist ebenso verboten. Eine geringe Häufung von Wildunfällen nördlich von St. Pölten-Stadt sowie entlang des Pielachtals stellt der ÖAMTC fest. „Die größte Gefahr droht durch riskante Ausweichmanöver bei einem Wildwechsel“, warnt ÖAMTC-Sprecher Bertram Groß. Ein Crash mit dem Gegenverkehr oder ein Ausritt gegen einen Baum sei weit gefährlicher als die Kollision mit einem Tier. Blick nach vorne und zur Seite. Tempo reduzieren. Fernlicht abschalten und hupen: So lauten die ÖAMTC-Tipps zur Unfallrisikominimierung. Außerdem warnt der Verkehrsclub eindringlich vor nachfolgenden Tieren, die die Fahrbahn queren.

Laut Bezirksjägermeister Johannes Schiesser bleibt den Tieren aber auch oft nichts Anderes über, als zunehmend die Straßen zu benützen: Denn der Aus- und Neubau von Verkehrswegen erschwere dem Wild besonders den Wechsel zwischen Sommer- und Winterlebensraum. „Mindestens 2.360 Wildtiere kommen im Bezirk St. Pölten durch den Straßenverkehr pro Jahr zu Tode“, sagt Schiesser. Besonders betroffen seien Rehe (1.200 Stück), Niederwild, also Fasane, Feldhasen und Füchse (1.100 Stück), sowie Wildschweine (60 Stück).

Wildwarngeräte zeigen bereits Erfolge

In den Revieren rund um Purkersdorf wurden einige Wildwarnreflektoren angebracht, wobei in diesen Gebieten sich die Anzahl der Wildunfälle in Grenzen hält, wie Schiesser erklärt: „Die Gesamtzahl der Wildunfälle mit Rehwild ist als eher gering einzustufen.“ In anderen Revieren sehe dies anders aus: „Im Bereich St. Pölten, vor allem im Stadtgebiet, haben wir leider einen leichten Anstieg der Wildunfälle, vor allem beim Rehwild und beim Feldhasen, aufgrund der Zersiedelung und der Freizeitnutzung, zu verzeichnen“, sagt der Bezirksjägermeister. Ein Vorfall, der Schiesser in Erinnerung geblieben ist, ereignete sich 2019 auf der Westautobahn, kurz nach der Raststätte St. Pölten in Fahrtrichtung Salzburg, bei dem zehn Wildschweine für einen Unfall sorgten. Zu einem deutlichen Rückgang der Zusammenstöße durch Warnreflektoren kam es in der Gegend rund um Neulengbach, sagt der Bezirksjägermeister.

„Bei Wildunfällen immer unabdingbar ist eine unverzügliche Meldung bei der Polizei“

Die Bearbeitung von Wildschäden ist Alltagsgeschäft bei den Versicherungsanstalten. Bei der Niederösterreichischen Versicherung (NV) wurden heuer bis Ende September bereits 1.519 Wildunfälle aufgenommen, im Vorjahr waren es insgesamt 1.988 Schadensmeldungen. Voraussetzung zur Bearbeitung dieser ist die Kaskoversicherung. „Bei Wildunfällen immer unabdingbar ist eine unverzügliche Meldung bei der Polizei“, richtet Günter Chyba, Leiter der NV-Schadensabteilung, aus.

Der Schadensaufwand steigt aufgrund technisch verbauter Teile moderner Autos. Dieser liegt bei der Wiener Städtischen Versicherung bei durchschnittlich 2.500 Euro. „Hauptsächlich sind Stoßstange, Motorhaube und Windschutzscheibe betroffen, aber auch die seitlichen Bereiche können beim Aufprall beschädigt werden“, weiß Wiener Städtische-Landesdirektor Wolfgang Lehner.

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