Ein Leben für die Umwelt. Im NÖN-Gespräch kritisiert die langjährige Umweltaktivistin Renate Ott die Vorgehensweise der Politik. Der wirtschaftliche Gedanke dürfe nicht im Vordergrund stehen.

Von Isabella Nittner. Erstellt am 14. Mai 2015 (13:35)
NOEN, Nittner
Renate Ott engagiert sich seit vielen Jahren für etliche Umweltthemen.

Renate Ott engagiert sich seit vielen Jahrzehnten für die Umwelt. In der Gemeinde Wolfsgraben hat sie das Klimabündnis eingeführt und dafür gekämpft, dass Bewohner energieeffizient und umweltfreundlich leben. Außerdem ist sie Gründungs- und Vorstandsmitglied der Wienerwald-Konferenz. Mit der NÖN sprach sie über Erfahrungen und Probleme, die in naher Zukunft auf uns zukommen.

NÖN: Frau Ott, wie kamen Sie denn überhaupt zu dem Entschluss, sich für die Umwelt aktiv einzusetzen?

Ott: Mein Mann und ich haben eine Zeit in Amerika gelebt und die kämpften schon in den Sechzigern mit Umweltproblemen. Die Grundwasseraufbereitung mit Chlor war dort schon damals eine Selbstverständlichkeit. Als wir wieder zurückkamen, habe ich gemerkt, dass diese Erkenntnisse bezüglich Grundwasser etc. in Österreich noch negiert werden.

Wie war die Situation zu dieser Zeit im Wienerwald-Gebiet?

Ott: Das Problem damals waren die Deponien. In den Siebzigern hat sich eine Gruppe im Wienerwald gebildet, die „Wienerwald-Konferenz“, die der Grund dafür ist, dass es heute den Biosphären-Park gibt. Damals gab es die Wienerwald-Deklaration, bei der ich mich in der Arbeitsgruppe „Müll“ engagiert habe. Im Wienerwaldgebiet gab es viele kleine Deponien, in die einfach alles hineingeschmissen wurde, vom Klavier über Batterien bis zum Eiskasten. Dort, wo heute das Auhof-Center ist, war damals die große Deponie von Wien.

„Das viele Plastik wird ein Problem. Wir haben es ja auch in den Böden, nur sehen wir es nicht. Der Müll der alten Deponien wurde ja oft als Unterbau für Straßen verwendet.“ Renate Ott, Umweltaktivistin

Wie haben Sie es geschafft, dass die Menschen Müll trennen?

Ott: Als ich Gemeinderätin in Maria Anzbach war, sind wir mit einem Jutesack von Haus zu Haus gegangen und haben die Leute gebeten, das Papier vom restlichen Müll zu trennen und haben das dann abgeholt.

Welcher Stoff ist denn eigentlich am umweltschädlichsten?

Ott: Aluminium. Es ist sicherlich eines der energieaufwendigsten und gifterzeugendsten Produktionen. Von vier Tonnen Bauxit, also die rote Erde, die man jetzt großteils im Amazonasgebiet gewinnt, gewinnt man eine Tonne Aluminium und drei Tonnen hochgiftigen Schlamm. Ich sehe ein, dass Aluminium beispielsweise für den Flugzeugbau gebraucht wird, aber für Getränkedosen muss das nicht sein. Und die Menschen werfen sie einfach in den Wald – das hat man bei der Aktion „Wir halten NÖ sauber!“ gesehen. Hat sich also etwas geändert zu damals? Schweden hat beispielsweise Pfand auf Aluminium, warum wir nicht?

Was könnte man machen, um Menschen auf dieses Verhalten aufmerksam zu machen?

Ott: Man kann nicht alles wissen, aber gerade so etwas gehört geleitet. Dazu haben wir ein Umweltministerium. Aber es hat im Endeffekt immer die Wirtschaft Vorrang.

Können Sie da ein konkretes Beispiel geben?

Ott: Das, was mich eigentlich am meisten aufregt, ist der Mülltourismus, und dass wir den Müll Neapels in Zwentendorf verbrennen. Wir transportieren den Müll aus Neapel – mir kann keiner erzählen, dass dieser Müll gut getrennt ist – und auch wenn wir die besten Filter haben, es gelangt sehr wohl etwas ins Freie. Und je mehr ich verbrenne, desto mehr befindet sich in unserer Luft. Und dann zu sagen, wir brauchen das, damit Zwentendorf wirtschaftlich ausgelastet ist, finde ich eine Gemeinheit denkenden Leuten gegenüber. Man hat hier auch bewusst die Information zurückgehalten. Das sind politische Handlungen, die ich nicht einsehe.

Wie stark kann Recycling zum Umweltschutz beitragen?

Ott: Das kommt darauf an. Wenn man Verpackungsmaterial verkleinert und wieder verwendet, dann ist das kein reziklieren. Reziklieren ist, finde ich, wenn man Aluminium einschmilzt und wieder Alu daraus macht. Dort gibt es kaum Verluste.

Und was ist mit Plastik?

Ott: Das wird ein Problem – in den Meeren, aber wir haben es ja auch in den Böden, nur sehen wir es nicht. Der Müll der alten Deponien wurde ja oft als Unterbau für Straßen verwendet.

Gibt es Probleme, die den Menschen noch nicht bewusst sind?

Ott: Ein großes Problem sind Medikamente, die einfach weggeworfen werden. Allein die
Antibiotika, die jetzt schon im Wasser nachgewiesen werden. Hier wird einfach zu wenig Bewusstsein geschaffen – und zwar ununterbrochen.

Haben Sie Ideen, wie man an diese Bewusstseinsproblematik herangehen könnte?

Ott: Bei Medikamenten könnte man bereits in der Verschreibung vorsichtiger sein. Man könnte auch Pfand bekommen, wenn man Medikamente zurückbringt, die man nicht verwendet hat. Ressorts, die diese Themen über haben, müssen ständig daran arbeiten.

Gibt es hier auch Fehlinformation?

Ott: Naja, ich weiß zum Beispiel nicht, wofür der gelbe Sack gut sein soll. Die PET-Flaschen kann man verbrennen, ohne dass ein Giftstoff entsteht. Aber alles andere an Plastik ist hier auch dabei. Niemand sucht genau auf der Flasche und schaut, aus welchem Plastik sie gemacht ist. PVC sieht ja auch aus wie Plastik, nur bei der Verbrennung entsteht Dioxin.

Was kann man als einzelner Mensch gegen diese Entwicklungen tun?

Ott: Das beginnt teilweise schon bei der Arbeit und bei dem Verdienst. Setze ich mein Geld für Konsum ein, oder setze ich es für etwas ein, das im Leben wirklich etwas bringt? Die Masse der Leute wird aber vom Konsum gelenkt. Und das schädigt in weiterer Folge wieder die Umwelt.