Gemeinde fixiert einen Baustopp. Maßnahme als Vorstufe zu neuem Entwicklungskonzept, das mit Experten erarbeitet wird.

Von Marlene Trenker und Martin Gruber-Dorninger. Erstellt am 13. Juni 2019 (04:34)
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Den Gemeinderat in Wolfsgarben kann man jetzt nicht direkt als Gremium der Besinnlichkeit und der Eintracht bezeichnen. Zu viel ist in den letzten Wochen und Monaten geschehen. Umso mehr überraschte die ÖVP in der letzten Gemeinderatssitzung mit einem Dringlichkeitsantrag. Darin wurde ein Baustopp für das gesamte Gemeindegebiet gefordert und auch mehrheitlich beschlossen.

„Wir haben einen Baustopp für Flächen mit der Widmung Bauland Wohngebiet erlassen. Ab sofort dürfen auf normal großen Parzellen nur Objekte mit zwei Wohneinheiten errichtet werden“, erklärt Bürgermeisterin Claudia Bock. Der Anlassfall war der Wunsch, bei einem Teil im Heimbautal eine neue Baufluchtlinie einzuziehen.

Gemeinde will Zeit für Überprüfung nützen

Dabei sollten zwei Objekte auf kleineren Grundstücke entstehen. „Wir wollen uns die Zeit nehmen, uns das genau anzuschauen. Auch weitere Bereiche werden noch einmal genau untersucht“, sagt Bock im Hinblick auf die Erarbeitung eines Entwicklungskonzeptes für die Gemeinde. „Wir machen das im Einklang mit den Entwicklern, die die diese Sachen bearbeiten“, spricht Bock von einem Raumordnungsbüro, das hier der Gemeinde hilfreich zur Seite stehen soll.

Die Opposition war von der Thematik bei der Sitzung überrascht. „Deswegen waren wir dementsprechend auch nicht vorbereitet“, sagt Kerstin Schneiderbauer von den Grünen. Zudem das Thema zuvor nicht im Ausschuss behandelt wurde. Schneiderbauer wünscht sich, dass der Baustopp weiters im Ausschuss thematisiert wird. Es könnte nämlich diskutiert werden, inwieweit eine verdichtete Bauweise in Wolfsgraben Sinn ergeben könnte.

„Ähnliche Strukturen wie in Purkersdorf gehen bei uns sowieso nicht, weil es die Bauklasse nicht zulässt“, so Schneiderbauer. Eine Reihenhaussiedlung auf einem Grundstück ist aber durchaus vorstellbar. „Wenn jeder sein Einfamilienhaus auf einem Grundstück hinstellt, ist es auch nicht gerade ökologisch“, argumentiert Schneiderbauer.

Keine Auswirkung auf neues Gemeindeamt

„Für mich hat es etwas unausgegoren gewirkt“, erzählt Josef Pranke von Aktives Wolfsgraben. Grundsätzlich setzt er sich für jegliche Maßnahmen, die Zersiedelung verhindern, ein. „Deswegen haben wir in der Sitzung auch dafür gestimmt“, sagt Pranke. Trotzdem wünscht er sich, dass die Kriterien für diesen Baustopp nachgeschärft werden. „Wir hoffen, dass bis zum September vernünftige Vorschläge kommen“, so Pranke.

Mit den Planungen für ein neues Gemeindeamt und Wohnbau in der Hauptstraße 54 bis 56 habe das, laut Bock, nichts zu tun. „Für begründete Bauprojekte, können auch Ausnahmen gemacht werden“, sieht Bock hier keine Probleme.

Das ganze Thema soll noch einmal in einem Ausschuss behandelt werden.