Neugier & voller Tatendrang: Schüler mit eigener Firma . Andreas Strasser aus Wolfsgraben begann seine berufliche Laufbahn mit Lichttechnik für Theatergruppe.

Von Nadja Büchler. Erstellt am 15. Mai 2020 (03:02)
Andreas Paul Strasser bei den Vorbereitungen für den Livestream mit DJ Thunderhunt in der Partylocation Chameleon im Wirtshaus Oliver.
Nadja Büchler

Die Schulfreunde Andreas Paul Strasser und Sebastian Handle – beide Mitglieder der schuleigenen Theatergruppe des Sacre Coeur Pressbaum – wollten den Aufführungen zu etwas mehr Glamour und Wirkung verhelfen. Am Schrottplatz stöberten sie nach alten Scheinwerfern, reparierten diese und bauten dafür ein eigenes Lichtmischpult. Mit ihrem Equipment konnten sie die nächste Theateraufführung ins rechte Licht rücken. Nach dem erfolgreichen Einsatz ihrer Lichtshow erhielten sie die erste Anfrage zwecks Vermietung ihres Equipments. Das war der Startschuss zu weiteren Überlegungen und der Entwicklung Richtung Selbständigkeit. Sein Know-How auf dem Gebiet der Elektrotechnik hat Strasser einem Bekannten zu verdanken.

NÖN: Wie ging es nach dieser Anfrage weiter?
Andreas Paul Strasser: Zuallererst informierten wir uns über die notwendigen gewerblichen Voraussetzungen, und nach Klärung der Sachlage, setzten wir Preise für den Verleih unserer Technik fest. Nach dem ersten Auftrag investierten wir in ein Tonmischpult. Das ermöglichte uns, junge Schulbands mit Licht- und Tontechnik zu unterstützen. Es lief sehr gut und mit den Einnahmen konnten wir Mikrofone kaufen. So ergab eins das andere. Anfangs ging es uns nicht ums Geldverdienen, sondern nur um die Kunst und ums Tun. Wir lieben einfach, was wir machen. Wir bekamen viele Aufträge von Schulen oder privaten Feiern. Die Anfragen sind immer mehr geworden und so kam die Überlegung auf, uns selbstständig zu machen. Mein Vater tritt als Vormund auf und ist formell in der Firma mit eingetragen, aber ich leite den Betrieb. Die Firma trägt den Namen „Andreas Creative Productions“.

Wie seid ihr zum Filmen gekommen?
Wir hatten die Idee, Liveübertragungen anzubieten, besorgten uns eine hochbetagte Canon Kamera und haben diese repariert. Dem Filmschaffenden und Produktionsleiter Herbert Unterberger (TV-Serien: „Das Glück dieser Erde“ oder „Soko Donau“) verdanke ich mein ganzes Wissen auf dem Gebiet Film. Er hat mich zu Dreharbeiten mitgenommen und hilft mir bei Fragen mit seinem Wissen weiter. Dafür bin ich ihm sehr dankbar.
Die Erfahrungen mit den ersten Live Streams waren positiv, und wir beschlossen, das Angebot auszubauen. Eine Zeit lang rief ich pro Tag mindestens drei Firmen an, um sie über unsere Angebote zu informieren. Kontakt suchte ich vor allem zu Fußballvereinen, Parteien und Bands. Ich dachte mir: fragen kostet nichts und außer einer Ablehnung kann nichts passieren. Es folgten Imagefilme und Interviews für kleine Firmen und Wahlwerbung. Zur Zeit arbeiten wir an zwei Dokus, die für das Fernsehen bestimmt sind. Momentan ist das Filmen noch ein Nebengeschäft. Bei größeren Aufträgen arbeiten Freunde als Freelancer mit. Dokus machen wir zu zweit, die Interviews und Imagefilme mache ich alleine.

Was ist Ihnen bei Ihren Arbeiten besonders wichtig?
Die Qualität, Teamarbeit und: wir sind uns für keinen Auftrag zu schade.

Was haben Sie derzeit im Angebot?
Wir haben seit Kurzem eine eigene vollwertige Bühne mit Traverse. Diese rundet unser Angebot rund um die Ton- und Lichttechnik ab. Bei der technischen Ausrüstung liegt der größere Geschäftsanteil in der Vermietung. Die persönliche Ausstattung eines Events machen wir auch, aber nicht so oft. Bei diesen Aufträgen bieten wir gratis Service an. Wir visualisieren die Location und erstellen ein 3D Modell, um dem Kunden zeigen zu können, wie der Aufbau der Technik aussieht, an welchen Plätzen Steckdosen notwendig sind, und so weiter.

Auf welchen Auftrag seid ihr besonders stolz?
Das Airfest in Bad Vöslau. Bei diesem Fest haben wir 15.000 Menschen mit unserer Tontechnik beschallt. Wir hatten keinen eigenen Lieferwagen und mussten ein Auto ausborgen, um unsere Anlage auf die Flugbahn nach Bad Vöslau zu bringen. Die Boxen sollten auf der ganzen Flugbahn verteilt werden, hatten dafür das Auto aber nicht zur Verfügung. Ich verteilte die Boxen alleine per Hand auf der Flugbahn. Die Strecke war einen halben Kilometer lang und eine Box wiegt etwa 40 kg. Ich begann um sechs Uhr und war um acht Uhr fertig. Als One-Man-Show spulte ich bei diesem Auftrag viele Meter zu Fuß ab. Eigentlich wollten wir zu viert in Bad Vöslau anrücken. Aber Sebastian betreute an dem Tag das Oktoberfest am Fußballplatz in Pressbaum, und die anderen hatten ebenfalls keine Zeit.

Was ist der Wienerwald Musik Contest?
Im Vordergrund steht die Idee, jungen Bands der Region die Möglichkeit zu geben sich zu präsentieren. 2019 fand der Wienerwald Musik Contest zum ersten Mal im Pressbaumer Stadtsaal statt. Heuer mussten wir den Bewerb leider absagen, wollen das Event aber grundsätzlich jährlich durchführen. Infos findet man unter „www.wienerwaldmusikcontest.at“.

Wegen der Absagen von Veranstaltungen sind auch uns viele Aufträge verloren gegangen. Dafür konnten wir vermehrt mit unseren Livestreams punkten

Sie sind Schüler, bleibt für die Schule noch genug Zeit?
Ich besuche die siebte Klasse Gymnasium im Sacre Coeur. Es ist mitunter schwer, Schule und Firma zu vereinbaren, da ich fast jeden Tag bis ein oder zwei Uhr nachts für die Firma etwas mache. Daher kommt es schon vor, dass eine Aufgabe für die Schule fehlt. Ich möchte natürlich die Schule mit der Matura beenden.

Wie stark ist ihr Unternehmen von der Corona-Krise betroffen?
Wegen der Absagen von Veranstaltungen sind auch uns viele Aufträge verloren gegangen. Dafür konnten wir vermehrt mit unseren Livestreams punkten. Wir durften zum Beispiel Gottesdienste übertragen oder die Partymusik von DJ Thunderhunt live aus dem Chameleon im Wirtshaus Oliver übertragen. Der Livestream ist in Zeiten wie diesen eine tolle Möglichkeit, Veranstaltungen zum Publikum nach Hause zu bringen.

Gibt es für Pläne für die Zukunft?
Ja, ich beabsichtige die Firma weiterzuführen und auszubauen. Daher bemühe ich mich um größere Aufträge im städtischen Raum. Zur Zeit ist die Firma ein gut laufendes Kleinunternehmen am Land. Ich strebe den Sprung zu einer größeren Firma mit eigenem Unternehmenssitz in der Region an. Die Lagerung unserer Ausrüstung ist bereits zu einer logistischen Herausforderung geworden. Im Bereich Film soll es mehr Richtung TV gehen.

Es gehört viel Blut und Schweiß dazu, eine Firma aufzubauen

Haben sie Tipps für potenzielle Jungunternehmer?
Es gehört viel Blut und Schweiß dazu, eine Firma aufzubauen. Man muss etwas finden, das man mag, und es mit Herz und Seele umsetzen. Dann klappt es auch. Bei einem unserer ersten Aufträge haben wir für zehn Stunden Arbeit 10 Euro pro Kopf bekommen. Das war ok. Wir haben alle Aufträge durchgezogen, auch wenn manche langwierig oder nicht so spannend waren. Vor allem lehnten wir keine Arbeit ab, auch wenn wir wussten, das ist eine größere Herausforderung als bisher. Gute Vorbereitung und Recherche sind dabei sehr wichtig. Ich bin kein Freund des Konjunktiv. „Ich könnte“ gilt nicht. Es ist nichts unmöglich, Aufgaben scheitern am ehesten an der fehlenden Motivation.