Schallplatten-Sammler "Vinyltom" im Interview. Thomas Epple betreibt eine Art Antiquariat für Vinyl. 3.000 Stück Platten hat er.

Von Nadja Büchler. Erstellt am 09. Januar 2020 (04:50)
In seinem Büro stehen die Schallplatten für den Verkauf bereit. Diese sind nach Alphabet sortiert. Ordnung ist unerlässlich. Falsch sortierte Platten entdeckt man bei einer Anzahl von 5.000 Stück nur durch Zufall.
Nadja Büchler

Seine internationalen Kunden können aus über 5.000 Stück auswählen. Die private Sammlung von Thomas Epple alias Vinyltom umfasst 3.000 Schallplatten. In den ersten Jahren konzentrierte sich sein Angebot vor allem auf Rock. Nach einer Umstellung vor ein paar Jahren, bietet er vor allem Jazz-Platten an.

NÖN: Wann hat Ihre Leidenschaft für Schallplatten begonnen?

Thomas Epple: Bereits in sehr jungen Jahren. Durch meinen sechs Jahre älteren Bruder habe ich bereits in der Volksschule viel Musik mit ihm gehört. Wir hatten Zuhause einen Plattenspieler zum Aufklappen, im Deckel befand sich der Lautsprecher. Darauf haben wir die Singles meines Bruders gespielt. Wenn er Geld brauchte, habe ich ihm von meinem Taschengeld seine Platten abgekauft. Diese Singles besitze ich heute noch. Fein säuberlich in einem, damals so üblich, Album eingeschlichtet.

Können Sie sich noch an ihre erste, in einem Geschäft gekaufte Langspielplatte erinnern?

Epple: Natürlich, ich habe sie auch noch. Das war beim „MEKI“, einem Schallplattengeschäft am Praterstern. Vor dem Eingang stand eine Wühlkiste mit Platten um 10 Schilling das Stück. Die Band hieß „The Peddlers“ und die LP „Birthday“. Ich gebe zu, das Plattencover - aufklappbar und mit dem Bild eines nackten weiblichen Oberkörpers darauf - war ausschlaggebend für den Kauf. Die Musik war aber auch okay. Diese Platte habe ich ebenfalls noch zuhause. Damals hat meine Laufbahn als Sammler begonnen.

Sie betreiben Ihren Onlineshop seit 15 Jahren. Davor waren Sie für den größten Veranstalter Österreichs tätig. Warum haben Sie sich für das Geschäft mit den Platten entschieden?

Epple: Ich habe selbst viele Platten im Internet gekauft und war oft über die Qualität enttäuscht. In den 90er Jahren habe ich viel in den USA bestellt. Die Verkäufer haben bei einer Reklamation einen Gutschein angeboten. Das kam für mich nicht in Frage, da ich bei diesen Personen nicht mehr bestellen wollte. Irgendwann habe ich mir dann gedacht, das muss doch auch fair zu bewerkstelligen sein. Nach längerer Vorbereitung ist es losgegangen.

War das ein einfacher Start?

Epple: Nein, überhaupt nicht. Der Aufbau des Kundenstocks hat lange gedauert. Dafür musste der Shop erst bekannt werden. Ich habe viel inseriert, mich im Internet mit den Suchmaschinen beschäftigt und Platten-Listen erstellt. Es geht in diesem Geschäft um Vertrauen. Das muss man sich erarbeiten.

Wie gehen Sie dabei vor?

Epple: Für den Shop fotografiere ich alle Platten und beschreibe ihren Zustand. Sollten sich Kratzer auf der Platte befinden, höre ich mir diese Stellen an. Hochpreisige Platten höre ich komplett durch. Der Kunde soll keine Überraschung erleben. Meine Reklamationsquote liegt im Promille-Bereich. Das spricht für die Zufriedenheit meiner Kunden.

NÖN

Sie haben vor 10 Jahren ihr Angebot von Rock auf Jazz geändert. Warum?

Epple: Ich bekam die Möglichkeit, eine qualitativ hochwertige Privatsammlung mit 10.000 Platten zu kaufen. Dafür habe ich alle Ersparnisse und Versicherungen aufgelöst. So ein Angebot bekommt man nur einmal. Die Sammlung beginnt mit den 50er Jahren und geht von Swing und Blue Note bis hin zu Free Jazz. Allerdings musste ich mir erneut einen neuen Kundenstock erarbeiten. Das war wieder viel Arbeit.

Haben Sie je überlegt, ein Plattengeschäft zu eröffnen?

Epple: Ja, immer wieder. Mit einem Geschäftslokal ist man nicht mehr so flexibel und den Platten tut das Stöbern und Angreifen vieler Menschen nicht gut. Daher habe ich mich dagegen entschieden.

Können Sie uns einen Sammler-Typ beschreiben? Worum geht es Ihnen?

Epple: Den Sammlern geht es vor allem um den Besitz der Platten. Gespielt werden solche Raritäten nicht. Dafür haben sie Nachpressungen, CDs oder andere digitale Möglichkeiten. Einer meiner Kunden sammelt zum Beispiel original verschweißte Platten von Jazz-Gitarristen. Im Prinzip sind alle Sammler gleich, egal ob Straßenkehrer oder Generaldirektor. Das Alter ist durchmischt von jung bis alt, das Geschlecht zu 99 Prozent männlich.

Sie haben im Veranstaltungsbereich viele Projekte geleitet. Welche zum Beispiel?

Epple: Das waren Konzerte, Ausstellungen oder die Eishockey WM. Ein Beispiel bei den Ausstellungen sind die „Körperwelten“.

Bei den Konzerten waren es Musiker vom Ostbahn Kurti bis hin zu den Rolling Stones. In der Zeit habe ich viele meiner privaten Heroes kennengelernt.

Was war Ihre Aufgabe?

Epple: Bei den Ausstellungen ging es um das Konzept, den Aufbau oder Behördenwege. Für die Konzerte bekommt man von den Künstlern eine Liste aller notwendigen Dinge.

Bei den Rolling Stones besorgte ich vom Jack Daniels für den Gitarristen Keith Richards bis hin zum Gabelstapler mit Side Shift-Funktion alles. Damals nicht so einfach zu organisieren. Es gab noch kein Internet, sondern nur das Branchenverzeichnis.