Überraschender Zuwachs: Lämmchen „Wolki“ ist wohlauf. Weil Lämmchen verstoßen wurde, kümmert sich Wirtsfamilie in Wolfsgraben um das Tier.

Von Monika Närr. Erstellt am 23. April 2020 (03:53)
Anfangs bekam Wolki im Zweistunden-Rhythmus Muttermilch aus der Pipette, mittlerweile trinkt sie pro Tag zwei Liter „Milupa für Schafe“, wie Ziehvater und Wirt Oliver Pobaschnig stolz erzählt.
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„Unser Wolki, ein Mädchen, war nach der Geburt sehr schwach und konnte nicht aufstehen. Da ihre Mama nichts von ihr wissen wollte, lag es an uns, sie zu unterstützen“, strahlt Marika Sortschan mittlerweile froh über die gelungene Intensivphase des Aufpäppelns in ihrer Wohnung über dem Wirtshaus Oliver.

Die kleine Wolki lebt derzeit noch hauptsächlich in der Familienwohnung über dem Wirtshaus Oliver. Die Kater wurden ihre Freunde, das Katzenkistl nutzt sie nach deren Vorbild auch selbst als Klo.
privat

„Mittlerweile“, so freut sich auch Tochter Ella, „gehen wir vormittags und nachmittags immer in die Schafwiese, damit es die anderen Schafe und Schafbabys, die alle ein bisschen älter sind, kennenlernt“. Ella verglich letzte Woche einen Nachmittag mit dem ersten Besuch im Kindergarten: Wolki hatte sich erstmals getraut, zehn Minuten bei den anderen zu bleiben, ohne in der Zwischenzeit immer wieder zu ihrer menschlichen Adoptivfamilie zurückzukommen.

„Seit zwei Tagen schläft sie nun endlich auch durch. Also fallen zwei Fütterungen zwischen Mitternacht und acht Uhr früh weg – juhu“, freut sich Ersatzmama Marika über wiedergewonnene Nächte. „Untertags merkt man aber schon, dass sie in unserer Wohnung mittlerweile den Ton angibt und den Takt vorgibt“, so Marika lachend über das Kurzzeitbaby in ihren eigenen vier Wänden. Als richtiges Herdentier, das zur Rasse der „Kärntner Brillenschafe“ gehört, hat Wolki auch die beiden Familienkater ins Herz geschlossen und benutzt aus eigenem Antrieb auch deren Katzenklo. Sie gehört zu einer alten und gefährdeten Haustierrasse. Zehn Mutterschafe springen auf der weitläufigen Oliver-Wiese momentan mit ihren insgesamt 13 Lämmern herum.

„Untertags merkt man aber schon, dass sie in unserer Wohnung mittlerweile den Ton angibt und den Takt vorgibt“

„In ein paar Tagen werden wir dann versuchen, Wolki in der Nacht im Stall zu lassen. Und das heißt natürlich, dass wir außerhalb des Stalls campen, um ihr im Notfall zur Seite zu stehen“, so Ziehpapa Oliver liebevoll.

Momentan geht er mit Wolki an der Seite auch im Ort spazieren, die Kleine verhält sich wie ein treuer Hund und bleibt dicht an seiner Seite.

Auch Tochter Linda macht eigentlich nichts anderes, als jetzt zusätzlich daheim ihrem Beruf nachzugehen. Seit einem Jahr arbeitet die 25-Jährige als ausgebildete Hebamme im Krankenhaus Hietzing. Gibt es für sie einen Unterschied im Umgang mit menschlichen und tierischen Säuglingen? „Ja“, lacht sie, „die Trinkmenge ist viel höher und Wolki steht selber, das ist ein anderes Gefühl beim Flascherl geben. Aber in Bezug auf die Saugkraft und von der Zuneigung her ist es sehr ähnlich“.

Ziehpapa Oliver ist Schafexperte

Eigentlich ging alles ganz schnell. Als die Mutter das Lämmchen nicht annehmen wollte, konnte ihr die Familie Sortschan-Pobaschnig noch ein wenig Milch abmelken. „Die Biestmilch ist überlebenswichtig für ein frischgeschlüpftes Tier“, so Schafexperte Oliver. Und Marika ergänzt: „Ein großes Glück war, dass wir eine aus dem Vorjahr geschenkte Biestmilch von einer Kuh unseres Nachbarn eingefroren hatten. In unseren Lagerhäusern wäre keine vorhanden gewesen und woanders welche zu besorgen, hätte zu lange gedauert.“ Somit war zumindest für den ersten Tag genug zur Verfügung, um Wolki mit einer Bachblüten-Notfalls-tropfen-Pipette füttern zu können. Alle zwei Stunden nahm Wolki ein paar Schlückchen an.

„Am zweiten Tag haben wir dann begonnen, ‚Milupa für Schafe‘, also Folgemilch für Tiere, mit einem Baby-Fläschchen zu füttern. Wolki war die ersten drei Tage sehr schwach“, gibt Oliver Einblick in die kritische Zeit. Danach ist’s dann richtig aufwärts gegangen. Mittlerweile geht es um die Entwöhnung von der Wohnung und das langsame Zusammenbringen mit den anderen Jungtieren. „Sobald Wolki im Stall schläft, ist das Ziel der Resozialisierung mit den anderen erreicht“, erklärt Oliver stolz. Und abschließend: „Füttern und zufüttern müssen wir sie aber noch vier bis fünf Wochen. Erst wenn der Pansen ausgebildet ist, kann sie richtig Gras fressen.“