Wirtepaar hört nach 40 Jahren auf: Nachfolger gesucht. Richard und Brigitte Kramel gehen in Pension. Für „Dreimäderlhaus“ in Wolfsgraben suchen sie ab Jänner einen Nachfolge-Pächter.

Von Kristina Veraszto. Erstellt am 19. August 2021 (05:36)

Ein Wirtepaar mit Leib und Seele: Das sind Richard und Brigitte Kramel. Seit 40 Jahren kochen sie in ihrem „Dreimäderlhaus“ auf. Ihre gutbürgerliche Küche ist über die Gemeindegrenzen hinweg bekannt. Nicht nur Gäste aus der Region, sondern auch aus Wien finden ihren Weg ins Gasthaus.

Mit Jänner 2022 ist aber Schluss. Die Wolfsgrabener verabschieden sich in ihren wohlverdienten Ruhestand und suchen für das „Dreimäderlhaus“ an der Hauptstraße einen Nachfolge-Pächter. „Es wäre super, wenn sich jemand finden würde, der alles übernimmt“, sagt Brigitte Kramel, die mit ihrem Mann das Wirtshaus neu aufgebaut hat.

„Der Anfang war schwer. Da hat man jeden Schilling dreimal umgedreht.“ Brigitte Kramel

Begonnen hat alles 1981. Damals waren Richard und Brigitte Kramel keine 20 Jahre alt. Das Paar pachtete das Gasthaus und investierte gleich zu Beginn in die Modernisierung des Betriebs. Denn die Ausstattung und die Einrichtung des Lokals waren veraltet. „Das haben wir machen müssen. Es war einfach eine andere Zeit“, erinnert sich Richard Kramel zurück, der wie seine Frau ausgebildeter Koch und Kellner ist. Die alte Fleischbank, die sich im vorderen Teil des Wirtshauses befand, wurde herausgerissen und zu einem Stüberl verwandelt. Ausgewechselt wurde etwa auch der alte Holzboden im Gastzimmer.

Überall, wo es ging, packte das Paar selbst mit an. „Den Boden habe ich noch mit meinem Schwiegervater verlegt. Auch die Küche haben wir verfliest. Er hat die Fliesen verlegt und ich habe verfugt“, blickt Brigitte Kramel zurück, die damals auch ihr erstes Kind erwartet hat. Tochter Doris kam im Februar 1981 auf die Welt. Im Juni wurde das „Dreimäderlhaus“ neu eröffnet. „Der Anfang war wirklich schwer. Da hat man jeden Schilling dreimal umgedreht, ich darf gar nicht zurückdenken“, erzählt die Wirtin. Dass ihr Plan vom eigenen Gasthaus auch schief gehen könnte, war dem Paar stets bewusst. „Das ist das Risiko, das man immer hat. Aber es hilft nichts, da muss man durch“, weiß Richard Kramel.

1986 machte das zweite Kind, Sohn Richard, die Familie komplett. Gleichzeitig haben die Wolfsgrabener in den ersten Jahren immer wieder an der Erweiterung des Gasthauses gearbeitet. Verschiedene Stüberl wurden hergerichtet, der Wintergarten gebaut, der Gastgarten bekam wie der Saal eine neue Ausstattung und auch in der Küche wurde Stück für Stück aufgerüstet. 120 Sitzplätze gab es zu Beginn. Heute können bis zu 600 Personen im „Dreimäderlhaus“ ihre Zeit verbringen. Je 300 Plätze stehen innen und außen zur Verfügung.

Schöne Erinnerungen verbindet das Paar mit dem Spanferkelkirtag, der immer für ein volles Haus sorgte. Richard Kramel bereitete die Spanferkel auf der Grillstation zu, die ebenfalls neu gebaut wurde. Neben österreichischen Gerichten fand man bei den Kramels aber auch thailändische Spezialitäten auf der Karte. Die Brüder Sit und Oh Wongrithep, seit über 30 Jahren im „Dreimäderlhaus“ beschäftigt, brachten viele Rezepte aus ihrer Heimat mit. Thailand ist auch die Lieblings-Urlaubsdestination der Familie, wenn sie sich eine Auszeit genommen hat. Und das war in den vergangenen Jahren immer nur im Februar der Fall. „Da ist eine ruhige Zeit, wenn Bälle sind, ist auch am Wochenende nicht so viel los“, so Brigitte Kramel.

Corona war größte Herausforderung

Obwohl das Paar in den vergangenen 40 Jahren viele Veränderungen in der Gastro-Szene miterlebt hat, die Corona-Pandemie war für die Wirte die größte Herausforderung. „Wir haben es gerade geschafft, dass wir nicht mit einem Minus ausgestiegen sind“, erzählt Brigitte Kramel. Trotz Schließung fielen die laufenden Ausgaben an, wie die Pacht oder die Kosten für die Mitarbeiter. Auch die Unterstützung vom Bund half nur bedingt.

„Man ist sich vorgekommen, als würde man wieder von vorne beginnen“, so Kramel. Verzagt hat man aber nicht, ab dem Zeitpunkt, wo eine Abholung des Essens möglich war, wurden die Gäste versorgt. Rund 140 Mittagsmenüs wurden täglich gekocht, die in innerhalb von eineinhalb Stunden abgeholt wurden. „Unsere Stammgäste sind so brav gekommen, da müssen wir uns wirklich bedanken“, sagt die Wirtin und fügt hinzu: „Der Kontakt zu den Gästen wird mir sehr abgehen.“

Dass jemand aus der Familie das Gasthaus weiterpachtet, ist nicht möglich. Beide Kinder haben sich für andere Berufe entschieden, wie die Wirte im NÖN-Gespräch erzählen. Worüber Brigitte Kramel sich aber freut, ist, dass Enkelsohn Klemens sich zum Koch und Kellner ausbilden lassen will. „Er ist aber noch zu jung, er fängt gerade erst an“, lächelt sie.

Bis zum Ende des Jahres kann man sich das Essen von Richard und Brigitte Kramel im „Dreimäderlhaus“ noch schmecken lassen. Aber auch jetzt schon will das Wirtepaar seine Gäste wissen lassen: „Wir danken allen Stammgästen, die in den letzten 40 Jahren gekommen sind.“