Theresienfeld

Erstellt am 09. Januar 2019, 13:39

Teil 15: Iquique, ein Meer an Emotionen. Michaela und Alejandro Valle berichten über ihre Südamerika-Reise laufend im Internet auf NÖN.at. Hier finden sich auch aktuelle Videos, die die beiden unterwegs drehen.

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In Iquique angekommen war die Hostel-Entscheidung erstmal ein Reinfall. Die Auswahl vorab über das Internet - schön angepriesen, tolle Fotos – hat sich vor Ort als dreckige, Marihuana-verrauchte Bruchbude herausgestellt. Der Taxifahrer wird rasch um Rat gefragt und er bringt unsere beiden Reisenden zu einem wunderschönen Hostel (fast) direkt am Strand.

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Aufgrund der gegenüber Peru deutlich höheren Preise in Chile entscheiden sie sich diesmal für einen Gemeinschaftsschlafraum mit acht Betten. Schneiden diese Gemeinschaftsräume zwar drastisch in die Privatsphäre ein, sind sie doch eine sehr gute Möglichkeit andere Reisende kennen zu lernen, da man ohne viel Zutun sofort ins Gespräch kommt.

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In Iquique haben Michaela schließlich die Strapazen der letzten Wochen eingeholt. Peru war ein tolles Erlebnis, doch wurden aufgrund der Unerfahrenheit viele Fehlentscheidungen getroffen, die sich nun auf die körperliche Fitness niederschlagen. Nicht trinkbares Wasser in Peru, Magenverstimmung, grippaler Infekt und die Höhenkrankheit in den Anden. Das ständige Suchen einer Reiseroute um die Berge zu vermeiden, teure Flüge anstatt der billigeren Busse, ein Einschnitt ins Reisebudget. Es lagen viele aufreibende Hindernisse am Weg, der sie nun schließlich bis nach Iquique geführt hat.

Jetzt sind sie wieder an der Westküste, wobei die Route doch nach Paraguay führen hätte sollen und von dort nach Buenos Aires an die Ostküste um Freunde zu besuchen. Wann das nun sein wird, wird man sehen. "Without a Script" zu reisen ist zwar aufregend und flexibel, birgt aber auch viele Gefahren, erzählt Michaela. Die beiden hatten zwar eine Idee zur Route, waren aber auch unvorbereitet, was sie nun im Nachhinein zugeben. Die psychische Belastung dessen haben sie unterschätzt und während ihres Aufenthalts in Peru vielleicht auch unbewusst ignoriert.

Nun waren sie in Chile, in einem Land das sie kennen, wo sie Vertrauen haben und anfingen sich zu entspannen. Doch genau diese Entspannung hat zur Folge dass nun sämtliche, teilweise bis dato unterdrückten Emotionen und Belastungen der Peru-Reise an die Oberfläche dringen und abgearbeitet werden wollen. Sie kommen alle auf einmal, schlagartig, zu viel für Michaela, sie wird nervös und unrund. Auch Alejandro holen die Emotionen aus Peru nun ein und auch er fühlt sich nicht besonders fit. Doch holt sich er Kraft aus dem Umstand nun in "seinem" Land zu sein, die Heimat und Wurzeln zu spüren, daraus Energie tanken. Die Frage "Sollen wir abbrechen?" steht immer wieder im Raum. „Was sollen wir tun, wohin führt unser Weg?“

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"Nein, wir wollen nicht abbrechen!" war die einstimmige Entscheidung. Die Stimme ihres Herzens sagt, sie will weiter machen, Erfahrungen sammeln und Lösungen suchen. Alejandro meint, es hat keinen Sinn jetzt und in diesem Zustand noch drei Wochen weiter zu reisen bis wir in Santiago bei der Familie ankommen.

„Nehmen wir noch ein letztes Flugzeug und fliegen direkt nach Santiago, dort finden wir fürs erste Sicherheit, Geborgenheit und Vertrautheit im Kreise der Familie.“ Erst sträubt sich alles im Inneren seiner Gefährtin gegen diese Idee, bedeutet es für sie doch irgendwie "aufgeben". Doch im Grunde hatte er Recht, es ist die beste Idee. Pausieren, sich erholen, aus Fehlern zu lernen und neue Wege suchen hat nichts mit "aufgeben" zu tun.

Nach vier Tagen in Iquique brechen sie auf nach Santiago - für Alejandro´s Mutter soll es eine Überraschung werden, sie schon so bald in die Arme schließen zu können.

Alle Teile der Serie findet ihr hier!