Frische Luft und glückliche Hühner in Pöggstall. Die innovative Familie Hamersky in Pöggstall sucht immer nach neuen Wegen der Landwirtschaft. Mit Weidehuhn.at produzieren sie Hühnerfleisch aus artgerechter Hühnerhaltung.

Von Sophie Kronberger. Erstellt am 13. November 2020 (04:26)
So ein Hühnerleben: Viel Platz, viel Sonnenschein und frisches Gras.  
Andrea Knura

Wer vor dem Hof der Familie Hamersky in Laas bei Pöggstall steht, wird mit großer Wahrscheinlichkeit von Hütehund Loki begrüßt. Auch er ist freudig dabei, wenn es auf die Wiese geht, wo zwei sogenannte Weideboxen stehen. Er legt sich vor die Boxen und beobachtet gespannt die Hühner. „Er schaut halt gerne fern“, sagt Elisabeth Hamersky lachend.

Jeweils drei mal drei Meter groß ist das Refugium der Hühner. Die Weideboxen haben alles, was man so als Huhn braucht. Ringsherum geschützt, oben auf der einen Seite ein Blechdach, auf der anderen Seite ein Gitter. „So haben sie gleichzeitig Sonnenschein und einen Schutz vor Regen“, erklärt Micha Hamersky. Das Besondere an den Weideboxen ist, dass die Hühner ständig frische Luft, natürliches Tageslicht und viel gesundes Gras haben.

Weideboxen auf Wanderschaft

Und dann gehen die Boxen jeden Tag auf Wanderung. Micha Hamersky zeigt es vor, er zieht ganz einfach an der Box an und schiebt sie aufs frische Gras weiter. Die Hühner gehen brav mit. „Das lernen sie mit der Zeit. Dadurch, dass die Boxen ja jeden Tag weitergeschoben werden, haben sie schnell den Dreh raus.“ Mehrere Dutzend Hühner haben Platz auf dieser Fläche und dennoch genügend Freiraum, sich gut zu bewegen. Ihre Fläche ist drei- bis viermal größer als die von anderen Hühnern. „Ein großer Vorteil vom täglichen Standortwechsel ist, dass die Hühner niemals in ihrem eigenen Kot stehen“, so Micha Hamersky.

Eine artgerechte Haltung von Hühnern ist das Ziel, das Elisabeth und Micha Hamersky mit ihren Weideboxen verfolgen.  
LK NÖ/Gerald Lechner

Ganz von frischem Gras alleine können sich die Weidehühner natürlich nicht ernähren. „Wir füttern gentechnikfreies und bevorzugt in Österreich regional hergestelltes Futter.“ Innerhalb der Box befinden sich ein Futtertrog sowie ein Wasserspender. Bis zu 75 Prozent mehr Lebensdauer gibt es zudem für die Hühner, die dazu hormon- und antibiotikafrei bleiben.

Und das schmeckt man auch. „Also unsere Kunden sagen uns das zumindest. Wir kennen den Unterschied ja nicht, weil wir schon seit Jahren kein konventionelles Hühnerfleisch mehr essen.“ Die Kundschaft ist auf jeden Fall sehr divers. „Wir haben etwa junge Mütter, die vermehrt auf gesunde Ernährung achten, oder Leute vom alten Schlag, die gerne wieder Hendl essen wollen, das wie früher bei der Oma schmeckt.“

Nach drei Wochen Kükenaufzucht im Stall kommen die Hühner erstmals auf die Weide.  
Weidehuhn.at

Das ausgeklügelte System der Weideboxen bieten die Hamerskys seit Kurzem auch als Franchise-Konzept an. „Wir haben jahrelang an den Strukturen gebastelt, die mittlerweile sehr gut erprobt sind. Da haben wir gedacht, wir stellen das System auch anderen zur Verfügung“, so Micha Hamersky. Inkludiert sind Anleitungen zum Bau und Betrieb der Weideboxen, Wissenswertes zu Futter und Haltung, aber auch rechtliche Aspekte und bestehende Marketing-Strukturen. „Unsere Partner müssen ja nicht alles neu erfinden, wir helfen da gerne und haben zahlreiche Unterlagen“, sagt Elisabeth Hamersky.

Das Weidehuhnfleisch gibt es auf Vorbestellung während der Weidesaison von Mai bis November. Neben dem Ab-Hof-Verkauf bieten einige Supermärkte in der Region das Weidefleisch an. Geschlachtet wird in der Weidesaison einmal im Monat, das nächste frische Fleisch gibt es daher ab 9. Oktober zu kaufen. „Öfter geht es nicht, wir haben ja auch alle Hände voll zu tun, etwa mit unseren vier Kindern.“ Und nicht nur Hütehund Loki oder die Kinder halten die Hamerskys auf Trab. Denn da gibt es auch noch die Texas Longhorn Rinder auf der Weide.

Weidehühner und amerikanische Rinder

Mit dem Quad geht es auf die fünf Minuten entfernte Weide, das Refugium der Rinder. Sie sind die große Leidenschaft von Micha, der bei einem Praktikum in den USA zum ersten Mal mit den Tieren in Berührung kam. 2010 holte er die ersten zwei Texas Longhorn Rinder nach Österreich und startete somit die erste österreichische Zucht und eine der ersten in Europa. Die Hausrinderrasse mit den charakteristischen Hörnern grast gemütlich auf der Weide bei Pöggstall, die Jungtiere ganz dicht bei ihren Müttern.

Die Hühner werden ausschließlich im Ganzen an die Kunden verkauft. 
Netzwerk Kulinarik/pov.at

„Ein bisschen ist das Konzept wie bei den Weidehühnern, denn auch bei den Rindern verstellen wir die Weideumzäunung regelmäßig, sodass die Tiere frisches Gras bekommen“, sagt Elisabeth. Obwohl die Rinder hauptsächlich für die Zucht und für den Weiterverkauf gedacht sind, gibt es auch eine Fleischlinie. Und da herrscht großer Andrang unter den Feinschmeckern der Region. „Es gibt Vorbestellungen schon Monate oder Jahre im Voraus. Eine Person will sogar einen ganzen Rücken haben“, schmunzelt Micha.
Und wie sieht es bei den Hamerskys mit der Zukunft aus? „In der nahen Zukunft ist der Bau einer dritten Weidebox denkbar, aber aktuell haben wir so viel zu tun, da passt alles so, wie es ist“, sagen sie.

www.weidehuhn.at
www.texaslonghorn.at