Im Gänsemarsch: Rund um die Gans in NÖ. Gemästet werden sie nicht. Gestopft schon gar nicht. Statt dessen leben Niederösterreichs Weidegänse tatsächlich auf der Wiese. Und sind im besten Wortsinn „bio“ – und das vom Weinviertler Wagram bis ins Mostviertler Ybbstal.

Von Michaela Fleck. Erstellt am 16. November 2018 (04:25)
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Mitten im Weingarten geht die muntere Gänseschar am Bauernhof von Franz Blauensteiner im Weinviertler Ottenthalspazieren.Auch bei Doris Gschladt wachsen die Trauben neben den Gänsen, während bei Gerhard Ecker die Entenmit den Gänsen auf der Weide groß werden.
Blauensteiner

Die meisten schnattern im Mostviertel. Nicht viel weniger watscheln im Weinviertel. Und ein paar (Scharen) weiden auch im Waldviertel. „Wir“, sagt Doris Gschladt, „wollten die Gans wieder bei uns heimisch machen.“

Das ist Niederösterreichs Ganslbauern auch gelungen. Wobei die Weinviertler Gans ein bisschen anders gehegt werden will als die Mostviertler Gans („das hängt vom Klima ab, aber auch von den Gehöften“).

Gemeinsam ist ihnen eines: die Weide im Namen. Die ist zwar nicht geschützt („leider!“). Und da werde gerade auch in der Werbung noch immer viel Schindluder getrieben, ärgert sich Gerhard Ecker („Auslaufhaltung heißt eben nicht Wiese“). Aber: Eine Weidegans – erst recht die mit dem Logo und ihrem Heimatviertel darin von Niederösterreichs erst drei Jahre junger Weidegans-Gemeinschaft – braucht eine Weide. Also: eine grüne Wiese. Eine Weidegans braucht Platz (für 100 Gänse ein Hektar, sagt die Gemeinschaft und hat damit „die strengsten Kriterien überhaupt“). Und: Eine Weidegans braucht Zeit.

Geschlachtet wird selbst: "Wollte mir den Transportweg ersparen"

„Fünf bis sechs Monate“ leben Gerhard Eckers Weidegänse in Kirchberg am Wagram auf ihrer knapp fünf Hektar großen Weide. Die Mastgänse in den ungarischen Lagerhallen hätten dagegen nicht einmal halb so lang zu leben. „Das muss bei uns ja mehr kosten!“ Zwölf Euro pro Kilo verlangt der Kirchberger für seine Weidegänse, von denen er aktuell gut 500 hat, dazu noch 100 Enten und 150 Hühner („die sind alle draußen, und die vertragen sich grundsätzlich gut“). Doris Gschladt, die Obfrau der Weinviertler Weidegans-Gemeinschaft und Landwirtin in Göllersdorf mit aktuell rund 400 Gänsen, verlangt für ihre bio-zertifizierten Weidegänse 13,90 Euro pro Kilo. Zugefüttert werden bei ihr, neben Gras („eine Gans frisst ungefähr 1 Kilo pro Tag“), nur hofeigene Körner, bei Gerhard Ecker („ich bin nicht bio-zertifiziert“) gibt es dagegen „konventionelles“ Getreide, aber auch vom Bauer aus der Region.

Die Küken kämen „von Österreichs einziger Brüterei in Oberösterreich“, und sind damit tatsächlich hundertprozentig heimisch. Und geschlachtet werde auch selbst, bei Gerhard Ecker sogar im vor vier Jahren umgebauten, eigenen Schlachtraum. „Ich wollte mir den Transportweg ersparen.“

Was er, der wie die meisten Gansl bauern noch einen anderen Beruf hat, nicht will? „Ich will nicht an Großhandelsketten liefern. Und ich will den Preiskampf nicht.“ Er, Ecker, wisse, was er habe. Und seine Kunden, wie auch die von Doris Gschladt, wissen, was sie bekommen. Dafür würden auch immer mehr fragen, ob sie kommen und schauen dürfen. „Das ist doch schön!“, lacht Gerhard Ecker. Und Doris Gschladt ergänzt: „Wir liegen ja an einem Spazierweg …“