Bio-Winzer Fidesser: "Es geht darum, mit der Natur zu arbeiten"

Matthias Fidesser ist Bio-Weinbauer aus Retz. Vor 10 Jahren übernahm er das Weingut seiner Familie und spricht mit der NÖN über seine Arbeit.

Erstellt am 16. Dezember 2021 | 16:04
Lesezeit: 5 Min
Weinbau Fidesser
Die Trauben im Weingut Fidesser wachsen ohne synthetische Hilfe
Foto: Matthias Fidesser

Matthias Fidessers Vater hat die Ausbildung in der Weinbauschule in Klosterneuburg gemacht und unterrichtete an einer solchen Schule in Retz. Fidessers Mutter kommt von einem Weinbaubetrieb. Das heißt, er ist als Kind mit diesem Betrieb aufgewachsen und hat das Winzer-Sein von Anfang an mitbekommen. Er betreibt den Weinbau wie schon sein Vater nebenberuflich, er ist an der BOKU angestellt.

Was ist Ihr Lieblingswein und warum?

Der Weißburgunder, Pinot Blanc. Ich finde den Wein sehr spannend, auch von der Fruchtigkeit her. Er ist sehr vom Boden des Weingartens abhängig.  Es ist außerdem ein Wein, der nicht immer ganz so einfach zu machen ist und sehr vom Jahr abhängig.

Was ist der Unterschied zwischen dem herkömmlichen Anbau und dem Bio-Anbau?

Bei der biologischen Landwirtschaft geht es darum, mit der Natur zu arbeitet. Das heißt beispielsweise, für die Düngung im Weingarten baue ich Begrünungen zwischen den Reihen an. Hauptsächlich Leguminosen, also Kleearten, die den Luftstickstoff in ihren Wurzeln speichern. Wenn ich dies dann abmähe oder umbreche, wir dieser Stickstoff freigesetzt und den Weinreben zur Verfügung gestellt. Das ist ein natürlicher Prozess, der in der Natur schon über Millionen Jahre funktioniert.

Für den Pflanzenschutz werden biologische Präparate verwendet. Unsere gängigen Sorten, wie z.B. der Grüne Veltliner, Müller-Thurgau oder Zweigelt, sind anfällig für Pilzkrankheiten, deshalb geht es nicht ohne. Diese natürlichen Präparate wirken aber nur an der Oberfläche. Sie sorgen dafür, dass sich die Pilzkrankheiten auf den Blättern und Trauben schwerer festsetzen können.

Was sind das beispielsweise für Präparate?

Zum Beispiel Schwefel und Kupfer. Wobei man versucht, Kupfer durch Pflanzenöle und Pflanzenextrakte zu ersetzen, da er sich im Boden absetzen kann. Diese Mittel behindern durch ihre klebrige Struktur das Pilzwachstum auf der Oberfläche. Oder es werden Antagonisten eingesetzt. Das sind Pilze, die keinen Schaden verursachen und den schädlichen Pilz verdrängen. Man versucht, ein natürliches Gleichgewicht herzustellen. Das gilt auch bei Insekten. Man braucht immer Nützlinge, die die Schädlinge in Schach halten. Deswegen hat man im Bio-Weinbau in manchen Jahren weniger Ertrag, weil das nicht immer alles 100%ig funktioniert.

Sind diese biologischen Pflanzenschutzmittel teurer als chemische Spritzmittel, oder sind die Betriebsausgaben gleich?

Ich würde sagen die Ausgaben sind vermutlich relativ gleich. Es ist mehr Aufwand, weil ich mehr auf die Witterung achten muss. Da die Mittel nicht in die Pflanze eindringen, werden sie vom Regen wieder herunter gewaschen. Ich habe also einen engeren Abstand, in dem ich spritzen muss. Es ist auch von der ganzen Bodenbearbeitung her mehr Aufwand, biologisch anzubauen.

Sehen Sie in Ihren Verkaufszahlen, dass die Leute mehr darauf achten, ob der Wein biologisch angebaut wird?

Ich habe sicher viele Kunden, die auf Biologisch schauen. Aber definitiv nicht alle. Wichtig ist, dass die Qualität des Weines stimmt.

Glauben Sie, dass das als Trend noch stärker kommt und mehr Weinbauern umstellen werden?

Ja. Das glaube ich schon.

Haben Sie das Gefühl, dass der Umstieg zu biologischem Weinbau einfacher wird?

Ja schon, es hat sich sicher in der Forschung und Entwicklung einiges getan. Es sind schon relativ viele biologische Präparate und Pflanzenstärkungsmittel dazu gekommen. Da ich selbst im Bereich der Forschung an der BOKU arbeite, sehe ich auch, dass gerade bei den Antagonisten momentan viel in der Entwicklung weitergeht.

Matthias Fidesser
Matthias Fidesser bewirtschaftet seine Weingärten im Einklang mit der Natur
Foto: Matthias Fidesser

Was ist Ihnen am biologischen Anbau besonders wichtig?

Mir ist wichtig, dass ich eine intakte Natur mit blühenden Pflanzen und herumfliegenden Käfern sehe. Es gibt beispielsweise kommerzielle Weingärten, die arbeiten ohne Begrünung. Nicht alle, aber es gibt sie. Da ist einfach nackter Boden, damit keine Konkurrenz zum Weinstock besteht.

Gibt es staatliche Fördermittel beziehungsweise Modelle, dass diese Art des Weinbaus stärker forciert wird?

Ja. Landwirte bekommen für ihre Arbeit eine gewisse Förderung. Da geht es zum Beispiel um umweltgerechtes Arbeiten. Natürlich ist biologisches Wirtschaften eine sehr umweltgerechte Arbeit, deswegen gibt es hier die höchsten Förderstufen.

Kann man im Endprodukt erkennen, wie der Wein angebaut wurde?

Das ist schwierig zu sagen. Mir ist bei den Weinen wichtig, dass sie so natürlich wie möglich bleiben. Ich arbeite schon mit Reinzuchthefen, aber nicht so, dass ich den Wein zu stark von seiner Ursprünglichkeit ändere. Im Endeffekt glaube ich, dass im Wein so eine geschmackliche Vielfalt herrscht, dass man es am Geschmack nicht sagen kann, wie er angebaut wurde.

Wie ist Ihr Weinjahr heuer ausgefallen?

Ich bin im Nachhinein gesehen sehr zufrieden. Vor allem der September und Oktober waren super. Als Winzer hätte man sich kein optimaleres Wetter wünschen können. Es war tagsüber sonnig und warm, in den Nächten aber kühl, was ganz wichtig für Weißwein ist. So bleibt die Säurestruktur erhalten, weil warme Nächte die Säure abbauen. Der Ertrag beim Grünen Veltliner und den Rotweinen war sehr gut und auch der Weißburgunder ist von der Qualität sehr gut geworden, obwohl ich ertraglich deutlich weniger bekommen habe.

Wie war die Situation für Sie während Corona? Gibt es da Einflüsse auf den Weinbau?

Ich als Bauer bin in der glücklichen Situation gewesen, dass ich meine Arbeit eigentlich normal weitermachen konnte. Für Winzer, die viel an die Gastronomie verkauft haben, ist es schwieriger, weil ein ganzer Zweig eingebrochen ist. Ich persönlich habe sehr viel Privatverkauf und bin ich durch die Corona Krise ganz gut durchgekommen Die Onlinebestellungen sind mehr geworden, die Leute haben definitiv mehr auf diese Weise eingekauft, aber im Großen und Ganzen hat sich für mich nicht tragisch etwas geändert.

Haben Sie das Gefühl, dass die Leute während der Lockdowns mehr getrunken haben als davor?

Die Leute haben mehr zu Hause getrunken, da man ja nicht weggehen konnte. Ich habe von einigen Winzer Kollegen, die den Endkunden direkt beliefern, gehört, dass sie mehr verkauft haben. Also sie haben vielleicht etwas mehr getrunken.

Dieser Beitrag wurde in einer Lehrveranstaltung im Zuge einer Kooperation mit dem Bachelor-Studiengang Medienmanagement an der FH-St. Pölten erstellt.