Warum der Jahrgang 2019 ein Jahrhundertwein wird. Noch reifen die Weine in den Kellern der heimischen Winzer. Gelobt wird deren Top-Qualität bereits jetzt.

Von Birgit Böhm-Ritter, Paul Haider und Saskia Jahn. Erstellt am 09. Januar 2020 (05:27)

Exzellente Fruchtigkeit, gute Säurestruktur, vollreifes und gesundes Traubenmaterial, Langlebigkeit, erstklassige Qualität. Weinexperten überschlagen sich mit Superlativen, wenn sie über den Jahrgang 2019 sprechen.

Doch was sagen die Winzer des Bezirks Neusiedl selbst über den Wein, der gerade noch in den Kellern heranreift? Erwarten auch Sie einen „Jahrhundertwein“? Die BVZ hat sich bei einigen Winzern umgehört. Gleich vorweg: Auch die Weinproduzenten sind von diesem Jahrgang überzeugt und haben durchwegs großes Lob für den 2019er übrig.

Obwohl die Winzer selbst mit Superlativen meistens sehr vorsichtig sind, traut sich der Joiser Winzer Markus Altenburger, beim 2019er zumindest den Weinexperten zuzustimmen und deren Einschätzung von einem „Jahrhundertjahrgang“ zu unterschreiben.

„Die Weißweine könnten wirklich langlebige Weine werden. Frisch, super elegant mit schöner Säure.“ Für die Rotweine seien die Wetterbedingungen sowieso ideal gewesen. Es habe keine Probleme mit Pilzkrankheiten gegeben, der Niederschlag im April und Mai sei zur richtigen Zeit für die Pflanzen gekommen. „Die Reben konnten viel Wasser aufnehmen und waren so für den heißen Sommer gut gerüstet“, erklärt Altenburger.

Die Erträge seien zwar moderater ausgefallen als in den überdurchschnittlichen Jahren 2017 und 2018, für die Qualität sei das aber positiv: „Ich glaube, dass es auch im Segment der günstigeren Basisweine eine super Qualität geben wird.“

Fruchtige Weiße und kräftige Rote

Die Einschätzung, dass 2019 ein Top-Weinjahrgang wird, teilt auch der Neusiedler Winzer Thomas Haider im Gespräch mit der BVZ: „Das kann ich bestätigen. Es war ein grandioser Jahrgang von hervorragender Qualität und auch die Menge passt – nicht zu viel und nicht zu wenig.“

Die Wetterbedingungen des Jahres 2019 haben trotz vieler heißer Tage den Winzern sogar zum Teil in die Hände gespielt. Auch der Neusiedler Winzermeister meint: „Im Großen und Ganzen hat es gepasst. Der Mai war durchwachsen, dafür waren wir in Neusiedl mit Niederschlägen durchwegs gut versorgt. Obwohl es sehr heiß war, sind die Weißweine sehr fruchtig und spritzig geworden. Bei den Roten hatten wir gut ausgereiftes Traubenmaterial, die Rotweine haben eine kräftige Farbe und eine gute Tanninstruktur.“

Auch die Golser Jungwinzerin Maria Achs-Wendelin zeigt sich mit dem Jahrgang vollends zufrieden: Die Qualität sei top. „Die Trauben sind sehr gesund, der Rotwein, wir produzieren zu 75 Prozent Rotweine, hat heuer eine besonders dunkle Farbe. Durch die Hitze im Sommer reifen die Trauben super aus, für den Rotwein sind warme Temperaturen ideal.“

Auch im Weingut Hoffmann in Mönchhof erwartet man „jahrgangstypische“ Weine und die beschreibt die Winzerin des Hauses Doris Hoffmann als „sehr kräftig und reif“. „Es hat alles gepasst“, sagt sie, „die Witterung im Sommer war heiß und trocken, aber ich denke, das hatte keine negativen Auswirkungen, ganz im Gegenteil: Durch die trockene Witterung waren die Trauben dickschalig, wir konnten also sehr gesunde Früchte ernten. Die Weine werden dicht, kräftig und angenehm zu trinken sein.“

Klimawandel ist spürbar

Obwohl die Weinlese 2019 von den Winzern des Neusiedler Bezirks insgesamt sehr positiv bewertet wird, gibt es dennoch einen Wermutstropfen. Denn der Klimawandel macht sich längst auch in den Weingärten der Region bemerkbar, und eine Sorte ist ganz besonders betroffen: „Man spürt, dass eine Veränderung da ist, es wird wärmer. Früher hat man mit der Lese Ende September angefangen, jetzt beginnen wir schon Ende August. Der Frost kommt immer später oder gar nicht mehr, was für den Eiswein eine Katastrophe ist“, beschreibt der Neusiedler Thomas Haider.

Das wärmere Wetter habe laut Haider auf manche Sorten aber auch einen positiven Einfluss: „Spät reifende Sorten wie Syrah und Cabernet entwickeln sich jetzt besser. Problematisch wird es eher bei den weißen Sorten.“

Eine Klimaveränderung will auch Doris Hoffmann nicht leugnen: Die Sommer seien in den letzten Jahren auf jeden Fall trockener geworden, richtig kalt werde es dagegen immer später. „Somit verschiebt sich alles ein bisschen, auch die Lese. Vor 20 Jahren hat man Ende September mit der Ernte begonnen, heute beginnt man schon Anfang September oder sogar im August.

Trotz der extremen Trockenheit heuer im Sommer kam es zu keinen großen Schäden, da der Regen immer wieder dann doch irgendwann gekommen ist.“ Die Trockenheit bringe für die Winzer auch einen Vorteil, weiß Hoffmann: „Pilze und Bakterien haben bei diesen Temperaturen und dieser Trockenheit keine Chance. Ein weiterer Grund, warum wir heuer sehr gesundes Traubenmaterial ernten konnten.“

Man muss sich auf Wetterextreme einstellen

Auch Maria Achs-Wendelin sieht bis dato durch den Klimawandel keine Qualitätsminderung der Trauben. Gefahren befürchtet sie eher durch Wetterextreme wie Hagel oder Frost, „wovor wir heuer Gott sei Dank verschont geblieben sind.“

Die Winzer werden sich auf die Veränderungen einstellen müssen. Das glaubt auch Markus Altenburger. In seinem Bio-Betrieb wird schon jetzt eine sehr zurückhaltende Bodenbearbeitung betrieben. In Zukunft werde man sich intensiv mit dem Thema Bodenbearbeitung befassen müssen, um den starken Wetterschwankungen nicht ausgeliefert zu sein, meint er.

Gräser und Begrünung zwischen den Reihen lässt er stehen, um den Boden vor Austrocknung zu schützen. „Die Weingärten zuwachsen lassen, kann man aber auch nicht. In Zukunft wird man die richtigen Pflanzen anbauen müssen. Pflanzen, die den Boden auflockern, aber nicht zu viel Wasser brauchen.“