Marille, Vanille und Co.: Jetzt ist Krapfenzeit!. Über die beste Krapfenfüllung lässt sich streiten. Dass der Krapfen zum Fasching gehört wie der Striezel zu Ostern und die Kekse zum Advent, steht jedoch fest.

Von Lara Ritter. Erstellt am 27. Februar 2019 (04:34)
Franz Gleiß
Frisch herausgebacken, zart bestäubt und vielversprechend gefüllt: Faschingskrapfen, handgemacht von Karl Bachinger. Und weil die so beliebt sind, denkt der Böheimkirchner Konditormeister auch darüber nach, sie das ganze Jahr zu backen.

Krapfen ist nicht gleich Krapfen. Ob salzig oder süß, mit Kraut oder Marmelade gefüllt, er tritt in allen möglichen Gestalten auf. Der wahre Krapfen ist für die meisten Österreicher jedoch nur einer: der Faschingskrapfen. Ebenso wie für die Deutschen, die ihn als „Berliner Ballen“, „Kräppel“ oder „Berliner Pfannkuchen“ kennen.

Doch egal wie unterschiedlich er in der Lautsprache Ausdruck findet, die Wirkung seiner Bezeichnungen ist meist die gleiche, denn sie rufen ungeheuren Appetit hervor. Außer man beginnt Lästereien über seine Untauglichkeit als Superfood. Oder spricht darüber, dass er früher dazu diente Fett an den Hüften anzulagern, um Reserven für die Fastenzeit zu haben.

„Krapfen kann man immer essen!“ Konditormeister und Krapfenbäcker Karl Bachinger

Aber für den Fasching sind das zu trockene Themen, bei solchen Gesprächen lässt sich nicht gut lachen. Daher wird das Wort „Krapfen“ meist dann verwendet, wenn der Bäcker ihn ins Sackerl stecken soll.

Wer das Wort noch nie in diesem Zusammenhang verwendet hat, gehört zur Ausnahme, wie die Zahlen beweisen. Rund 100 Millionen Stück des süßen Gebäcks wandern jedes Jahr über die österreichischen Ladentische.

Dividiert man diese Zahl durch die Gesamtbevölkerung, landen rund elf in jedem Magen. Kaum einen besseren Beweis gibt es für das nationale Traditionsbewusstsein. Oder eher für die Liebesbeziehung, die der Österreicher mit Süßem führt? Letzteres könnte man allerdings auch zur Tradition zählen.

Wett-Esser und Diät-Haltende

Natürlich gibt es auch Traditionsverweigerer. Zum Beispiel jene, die keinen Krapfen essen, weil sie am Ende der Fastenzeit nicht wieder gleich viel, sondern weniger wiegen möchten. Um auf die statistische Durchschnittszahl zu kommen, müssen andere diese Ausfälle mit ihrem Krapfen-Konsum kompensieren. Einer, der zur Kompensation beiträgt, ist Samer Aoun, der letztes Jahr beim Wettessen der AIDA den potenziellen Ausfall von drei Österreichern durch den Verzehr von 33 Krapfen wettmachte. Ob der Grund dafür die Liebe zu dem Gebäck oder der Gewinner-Gutschein im Wert von über 1.000 Euro war, das sei dahingestellt.

Während Samer Aoun 33 Krapfen aß, war der Kuchen-Peter dabei, eine Teilmenge von jährlich ungefähr 40 Millionen Krapfen herauszubacken. Das Unternehmen ist der größte Krapfen-Produzent Österreichs und hat seinen Sitz in Hagenbrunn. Doch nicht nur hier wird in Niederösterreich am Hefeteig geknetet. In der Konditorei Bachinger, die in St. Pölten und Böheimkirchen ihre Standorte hat, werden jede Saison um die 15.000 Krapfen gebacken und mit hausgemachter Marmelade gefüllt.

„Wir backen sie immer nur zur Faschingssaison“, meint Karl Bachinger, „aber vielleicht gibt es sie bei uns in Zukunft auch das ganze Jahr. Krapfen kann man immer essen.“ Manche trauen ihnen sogar zu, im Sommer auch das Eis zu ersetzen. „In Kroatien wurden sie am Strand verkauft“, erzählt Karl Bachinger.

Ein Krapfen-Mangel ist also weder in Kroatien noch in Niederösterreich zu befürchten. Auch die NÖN wirken dem entgegen und verteilen jährlich 45.000 Krapfen der Bäckerei Haubis, die ihren Firmensitz in Petzenkirchen hat, in den Gemeinden. Egal ob Schulkind, Sanitäter oder Polizist, auf keinen wird vergessen. Welche Füllung die beste ist, darüber ist man sich bei der Verteilaktion einig: Jeder einzelne Krapfen ist mit Marillenmarmelade gefüllt.