Klimawandel trifft den Weinbau. Das Klima in unseren Breiten wird heißer und trockener. Zwar kommen Rotweine sehr gut mit diesen Bedingungen zurecht, doch Weißweine wie Welschriesling, Gelber Muskateller und der beliebte Grüne Veltliner brauchen es kühler. Kühlere Temperaturen sprechen für das Waldviertel als zukünftiges Wein-Anbaugebiet.

Von Sophie Seeböck. Erstellt am 17. Oktober 2019 (16:33)
sfeichtner/Shutterstock.com
Symbolbild

„Früher freuten wir uns als Kinder bei der Weinlese, wenn wir mittags endlich wieder unsere Finger aufwärmen konnten“, erinnert sich Johann Grassl, Weinbau-Berater der Landwirtschaftskammer Niederösterreich. Heute bleiben kalte Hände beim Wein lesen meist aus, da nicht mehr wie früher im Oktober bis November geerntet wird, sondern die Trauben schon Ende August bis September reif sind. Schuld daran: der Klimawandel.

„Wir werden in den nächsten drei Generationen so gut wie kein Einkommen aus dem Wald haben“Markus Hoyos, Obmann der Land- & Forstbetriebe NÖ

Zwar sind Zukunftsprognosen, wie sich der heimische Weinbau verändern wird, nur reine Erwartungen und Befürchtungen für den Weinbau-Berater. Dennoch bestätigt er den Trend, dass es immer heißer und trockener wird. Rotweine fühlen sich unter diesen Umständen wohler. Klassische, heimische Weißweine, wie Welschriesling und Gelber Muskateller, aber vor allem auch der beliebte Grüne Veltliner, mögen es lieber kühler.

Aber natürlich betrifft das nicht nur der Grünen Veltliner, sondern alle Trauben, erklärt Grassl. „Konsumenten haben aber vom Veltliner eine gewisse geschmackliche Vorstellung, die man in Zukunft schwieriger erreichen werden wird“. Denn: Wärmere Temperaturen und trockene Witterungen ändern den Säure-Gehalt und das Aroma des Weines.

Die durch den Klimawandel steigenden Temperaturen und der geringere Niederschlag bewirken aber nicht nur Veränderungen im Weinbau, sondern auch in der Forstwirtschaft. „Wir werden in den nächsten drei Generationen so gut wie kein Einkommen aus dem Wald haben“, stellte Markus Hoyos, Obmann der Land- & Forstbetriebe NÖ, bereits beim Klima- und Waldgipfel im Februar fest.

„Da werden wir für die abgeholzten Waldflächen auch andere Nutzungsmöglichkeiten andenken müssen – zum Beispiel die landwirtschaftliche Nutzung, wo Wein gedeihen könnte“. Auch der Winzer Willi Bründlmayer aus Langenlois (Bezirk Krems) sieht niederösterreichische Weine bedroht und merkt in einem Bericht des ORF Niederösterreich an, dass als Anbau-Gebiet für Grünen Veltliner in weiterer Folge das Waldviertel genutzt werden könnte.

Auch nördlich des Waldviertels wächst Wein

Den Anbau im Waldviertel sieht der Weinbau-Berater Johann Grassl aber aufgrund der sehr kalten Winter eher begrenzt möglich. Zwar wächst Wein auch weiter im Norden. „Mittlerweile wird Wein auch in Dänemark und in ganz Deutschland angebaut. Es gibt auch Versuche, Wein in Salzburg auf über 1.000 Metern zu kultivieren“, so Grassl. Und: „Das liegt alles weiter nördlich als das Waldviertel“. Allerdings ist es derzeit noch zu kalt im Waldviertel: „Bei Temperaturen um minus 16 Grad überleben die Reben den Winter nicht.“

Was die Zukunft für den Weinbau bringe, könne man nicht vorhersagen, betont Grassl. Welche Weinsorten in Zukunft, wo gedeihen können, wird die Praxis zeigen. Das sei aber eine Frage von Generationen. Im Moment müsse man einfach neue Sorten ausprobieren, weiterhin anbauen und teilweise das Bearbeitungsmanagement anpassen. Beispielsweise werden auch jetzt schon gewisse Traubensorten nachts, wenn es kühler ist, geerntet oder Bewässerungsanlagen installiert.

Zwar könne man erst Anfang nächsten Jahres genau sagen, wie die heurige Ernte ausgefallen ist, dennoch geht Johann Grassl von zufriedenstellenden Werten aus. „Heuer gab es nicht so wie im vergangenen Jahr extreme Trockenheit“, erklärt der Weinbau-Berater. „Zwar wird die Menge heuer eher unterdurchschnittlich ausfallen, doch die Qualität sollte in Ordnung sein“.