Appell: „Heimisches Fleisch kaufen!“. Werner Habermann, Geschäftsführer der Erzeugergemeinschaft Gut Streitdorf, hofft, dass der Trend zur Regionalität beim Fleischkauf anhält – zum Wohle der Bauern und der Tiere.

Von NÖN Sonderjournal-Redaktion und Christiane Buchecker. Erstellt am 01. November 2020 (04:20)
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NÖN: Welche Auswirkungen hat Corona für die Viehbäuerinnen und Viehbauern und für Gut Streitdorf?

Werner Habermann: Die Krise hat uns beim Rindfleisch aufgrund des hohen Anteils am Außer-Haus-Verzehr und am Export schneller und massiver getroffen – von einem Moment auf den anderen konnten wir 50 Prozent der Ware nicht mehr verkaufen. Unsere Hauptauf gabe war es in dieser Zeit, den Warenfluss aufrecht zu erhalten und die Preise zu stabilisieren. Und das ist uns ganz gut gelungen.

Im Schweinebereich kam die schwierige Phase zeitverzögert, weil sich die Leute viele Vorräte angelegt haben. Aber dann hat es keine Wirtshäuser, Feste, Heurige usw. mehr gegeben, und darauf folgend war Corona bei Tönnies, dem größten Schlachter Deutschlands. Dadurch sind die Deutschen preislich unter Druck geraten und in Folge auch wir in Österreich. Doch damit nicht genug: Dann war auch noch China als einer unserer Hauptabnehmer gesperrt. Die gute Nachricht ist: Mittlerweile hat sich die Situa tion in beiden Bereichen wieder stabilisiert. Die Nachfrage nach österreichischem Fleisch ist, auch in der Gastronomie, groß. Es wird sogar mehr gekauft als vor Covid. Und ich hoffe, dass das so bleibt.

Und wie wird 2021?

Habermann: Ich sehe beim Rindfleisch durch den Brexit ein großes Problem, denn Irland, das bei Rindfleisch einen Selbstversorgungsgrad von 650 Prozent hat, sucht verstärkt nach neuen Märkten. Die Iren werden die EU, so fürchte ich, mit Rindfleisch überschwemmen. Beim Schwein ist die Frage, wie lange noch der chinesische Markt zieht. Aber wir sollten ohnehin den Fokus auf die Belieferung des heimischen Marktes legen. Das Ziel muss sein, mehr Wertschöpfung im Inland zu haben und sich nicht in Abhängigkeit von Exportmärkten zu begeben, die nur die billigste, in Massen produzierte Ware wollen.

Mit der Massenproduktion sind wir auch beim Tierwohl. Was tut sich in diesem Bereich?

Habermann: Das ist ein äußerst spannendes Thema, mit dem wir uns intensiv auseinandersetzen. Wir haben auch schon etliche Tierwohl-Programme, zum Beispiel mit Spar und Radatz, aufgebaut. Die Erkenntnis daraus ist: Von den Konsumenten wird es zwar positiv aufgenommen und natürlich befürwortet, doch bei der Kaufentscheidung handeln viele nach wie vor anders. Da werden manche zu Schnäppchenjägern, und das etwas kostspieligere, heimische Tierwohl-Fleisch wird nicht gekauft.

Wie wichtig ist die Kennzeichnung des Fleisches?

Habermann: Sehr. Das AMA-Gütesiegel, diverse Regionalmarken wie Donaulandrind oder Tullnerfeldschwein, die Bio-Siegel – da kann man sicher sein, dass das, was draufsteht, stimmt, dass die Qualität stimmt. Und in diesem Zusammenhang auch mein Appell an die Konsumenten und auch an die Gastronomie und die Großküchen: Beim Kauf auf die Herkunft schauen und zu heimischer Qualitätsware greifen.