Hochprozentige Passion bei Alexander Schmid

Mit sortenreinen Edelbränden und Obstsäften eroberte sich Alexander Schmid einen Platz in einer anspruchsvollen Produktnische.

Erstellt am 08. Oktober 2021 | 05:44
Obstbau Schmid
Morgens hängen die Marillen noch am Baum, am Abend können sie seine Kunden schon im Hofladen in Maria Enzersdorf abholen. 
Foto: Gaby Schätzle-Edelbauer

Ein naturtrüber Jonagold-Apfelsaft, den man ihm einschenkte, und ein Onkel, mit dem er Schnaps brennen konnte, stellten die Weichen für Alexander Schmids „zweites Leben“. War er zuvor im chemischen und pharmazeutischen Bereich tätig, gelüstete es ihn dann plötzlich nach etwas Neuem. Seine HTL-Kenntnisse aus Biochemie und Lebensmitteltechnologie waren für den Maria Enzersdorfer dabei natürlich kein Hindernis.
In Sachen Obstbau hatte er bis dahin noch kaum Know-how.

Das änderte sich rasch, als er sich die ersten Obstgärten zulegte – fertige Altanlagen, in denen man zeitnah ernten konnte. „Dann habe ich natürlich auch selber ausgesetzt“, erinnert sich Schmid, „aber es dauert eben einige Jahre, bis dort Ernteerträge anfallen.“ Das Grundwissen war rasch angeeignet, so etwa, wie ein sauberer Gärungsprozess zu gestalten ist. Dazu machte Schmid auch eine Ausbildung zum Edelbrandsommelier.

Mit Obstsäften startete Schmid durch

Die ersten wirtschaftlich einträglichen Produkte waren Säfte, diese stellte er von Anfang an sortenrein her. So sind ein Golden-Delicious-, Jonagold-, Elstar-, Gala-, Topaz-, Idared- oder ein Rubinette-Saft („alte Waldviertler Sorten“) fixe Bestandteile seines Sortiments. Fünfmal wurden diese auch schon mit Goldmedaillen prämiert. Bei den Nektaren punktet er mit den Sorten Marille, Pfirsich, Birne, Zwetschke und Erdbeere.

Obstbau Schmid
Auf rund sieben Hektar wachsen die erlesenen Früchte, die Alexander Schmid zu qualitätsvollen und bereits hochdekorierten Edelbränden verarbeitet. 
Gaby Schätzle-Edelbauer

Aber die Faszination des Brennens ließ ihn nicht los und er entwickelte im wahrsten Sinne des Wortes „brennendes Interesse“. Schmid begann zu experimentieren und zu kreieren. Seine Destillate sind ausschließlich Edelbrände, darunter auch Marille, Quitte, Zwetschke und Pfirsich: „Das heißt, sie sind ausschließlich aus Fruchtmaische gebrannt.“ Auch hier setzt er auf Sortenreinheit und auf elaborierte Reifemethoden. Seine Birnenbrände sind aus den Sorten Williams Birne, Clapps Liebling und Kaiser Alexander. Bei einigen Bränden setzt er zudem auf die Reifung im Holzfass, in Eiche oder Akazie. Auch zwei seiner Apfelbrände, Golden Delicious und Rubinette, sind klassisch reinsortig, vier weitere reifen im Eichenfass.

Brände reifen in Wienerwald-Eiche

„Dazu habe ich mir die Wienerwald-Eiche ausgesucht“, so Schmid, „aus ihr habe ich mir extra Fässer bauen lassen, diese Art der Reifung eignet sich besonders für den Idared.“ Um in seinen Destillaten das Aroma vollreifer Früchte zu bewahren, stellt er diese in einer besonders hochwertigen Anlage in Eggendorf bei Herzogenburg her, die er als „Abfindungsbrenner“ mitbenutzen kann: „In dieser Eigenschaft darf ich nur eigenes Obst in einer bestimmten Menge brennen.“

Schmids Hofladen bietet viele kreative Produkte

Bei der Herstellung setzt er auf besondere Qualität. Dabei kommt dem Mittellauf, der mittleren Phase des Brennvorgangs, besondere Bedeutung zu. Auch hier spielt dann die Lagerung in Holz, Wienerwald-Eiche und Akazie eine Rolle. Dass seine Produkte beim Spirituosenwettbewerb Destillata hoch dekoriert und ausgezeichnet wurden, überrascht nicht.
Inzwischen hat sich sein Hofladen in der Maria Enzersdorfer Ferdinand-Raimund-Gasse 2 zum Dreh- und Angelpunkt seiner rührigen Kreativität entwickelt. Hier verkauft er nicht nur seine Säfte und Brände, sondern in der Marillensaison auch täglich seine vor wenigen Stunden gepflückten Früchte, im Herbst seine Apfel- und Birnensorten. Diese kommen aus seinen Gärten aus Wagram ob der Traisen, aus Mitterarnsdorf in der Wachau, aus Gobelsburg, aus Hollenburg oder aus dem nahegelegenen Barmhartstal.

Insgesamt bewirtschaftet Schmid inzwischen sieben Hektar: „Damit bin ich als Ein-Mann-Betrieb eigentlich am Limit.“ Während er die Vermarktung über den klassischen Handel zurückfährt, gewinnt die Belieferung der Gastronomie und Hotellerie an Bedeutung, ebenso der Ab-Hof-Verkauf. Auch einige Marktfahrer gehören zu seinen Kunden.

Erlesener Sturmstand den ganzen Herbst über

Ende September bis November öffnet er an den Wochenenden seinen Most- und Sturmstand im Maria Enzersdorfer Barmhartstal. Mit Blick über Wien kann man dort Trauben-, Quitten- und Apfelsturm genießen und seine Edelbrände verkosten.

In der Adventzeit schenkt er in der Mödlinger Fußgängerzone Glühmost, Punsch und Kinderpunsch aus, selbstverständlich stellt er alles aus eigenen Produkten her. In Zukunft will er seine Anbaugebiete aber eher in die Region um Maria Enzersdorf verlegen.

18 Apfelsorten und großer Fruchtmix

In seinem zwei Hektar großen Obstgarten im Barmhartstal wachsen nicht nur 18 verschiedene Apfelsorten, wie zum Beispiel Jonaprinz, Gala, Kronprinz Rudolf, Freiherr von Hallberg, Boskop, Bräburn, Cox Orange, Rubinette, Idared, Topaz oder die rotfleischige Sorte Baya Marisa, sondern auch Birnen, Zwetschken, Kirschen, Weichseln, Kornelkirschen, Quitten und Ringlotten.

Obstbau Schmid
Alexander Schmid veredelt sein Obst auch zu hochwertigen Bränden: Dabei wird nur Destillat aus Fruchtmaische verwendet. 
Obstbau Schmid

Neben Apfelmost führt Schmid auch Apfel- und Birnencidre. Und nicht ohne Stolz verweist er auf eine von ihm kreierte Spezialität, die einzigartig ist: „Ich habe einen Quitten-Cidre, den es in dieser Art wohl nur hier bei mir gibt.“

www.obstbauschmid.at