Die Birne, der Schatz des Mostviertels. Als „TOP-Heuriger“ in Niederösterreich und als „GenussBauernhof“ ausgezeichnet, ist der Mostheurige Distelberger beliebt bei Touristen, aber auch in der Region. Neben der Obstverarbeitung betreibt die Familie einen Heurigen sowie ein Bauernmuseum.

Von Teresa Sturm. Erstellt am 20. Oktober 2018 (02:48)
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Toni Distelberger
Teresa Sturm

Es ist ein überreiches Obstjahr heuer. Wer die Einfahrt zum Mostheurigen Distelberger in Amstetten entlangfährt, kann sich davon selbst überzeugen. Die teils uralten Birnbäume sind schwer mit Früchten behangen. Die Ernte ist in vollem Gange.

„Die Mostbirne ist einfach ein besonderer Schatz des Mostviertels. Die alten Bäume, die es sonst nirgends in diesem Ausmaß gibt. Das Spannende ist, dass wir in der Landwirtschaft auf Basis von Tradition etwas Neues erschaffen können. Aus den alten Sorten versuchen wir, etwas Zeitgemäßes zu machen“, sagt Toni Distelberger. „Wir“ ist in dem Fall er und seine Frau Irmi und einige Angestellte.

Das Jahr 2018 ist besonders reich an Obst. Kriecherl und Zwetschken genauso wie Äpfel und Birnen.
Teresa Sturm

Seit dem Jahr 1111 gibt es den Bauernhof Distelberger. Seither wird er als Familienbetrieb geführt. Obstverarbeitung wird, wie in vielen Betrieben im Mostviertel, seit vielen Jahrhunderten betrieben. Distelberger gliedert die Arbeit am Hof in drei Hauptbereiche. Das ist zum einen die Land- und Forstwirtschaft, dann der gewerbliche Betrieb mit dem Schwerpunkt Gastronomie — also der Heurige — und das Bauernmuseum. Das hat Toni Distelberger sen. aufgebaut und führt es nach wie vor.

Der Birnbaum sei nicht nur wirtschaftlich wertvoll, ist sich Distelberger sicher. „Der Birnbaum hat einen Wert in vielerlei Hinsicht, vor allem als Symbol des Mostviertels. Aber auch als Landschaftselement, das unsere Region und die Menschen geprägt hat. Er hat einen ökologischen Wert, er bietet Schutz gegen Wind und Raum für Kleinlebewesen.“

Jetzt, wo es so viel Obst gibt, könne man vor allem von den Birnen Vorräte anlegen, erklärt Distelberger. Im Shop des Hofes wird eine ziemlich große Produktrange aus dem Bereich Obstverarbeitung geboten: 15 Sorten Most, Fruchtsäfte, Essig, aber natürlich auch Edelbrände. Vor allem Getränke mit Kohlensäure seien beliebt, etwa der Birnenschaumwein, der nach der Champagnermethode hergestellt wird. Die „jüngsten Kinder“, wie Distelberger die neuesten Produkte nennt, sind zwei „Craft-Cider“ mit Hopfen.

Regionale Produkte sind besonders beliebt

Den Trend zur Regionalität spüre man im Betrieb: „Einerseits interessiert es die Touristen zunehmend, welche Spezialitäten es in der Region gibt und was damit machen kann. Man sieht es aber auch bei der regionalen Kundschaft, dass sehr viele junge Leute kommen.“ Das Bewusstsein der Jungen gehe auch stark in die Richtung, was sie an guten Produkten zuhause haben.

Toni Distelberger ist Mostbaron, also einer von vielen im Mostviertel, die Genussbotschafter der Mostbirne sind. Erst 2017 reisten einige Mostbarone an die Ostküste der USA und Kanadas, um Fachvorträgen zu lauschen und Cider-Betriebe kennenzulernen. „Ich habe dort gesehen, was für tolle experimentelle Sachen sie machen“, sagt der Mostbauer nach wie vor begeistert.

Die Ideen zu neuen eigenen Kreationen würden meist durch solche Inputs von außen kommen, erklärt Distelberger, der sich dann an die Umsetzung mit den Mitteln, die ihm zur Verfügung stehen, macht.

Etwa 15 verschiedene Sorten Most werden im Ab-Hof-Geschäft der Familie Distlberger angeboten — alle von hauseigenen Früchten.
Teresa Sturm

Durch den Besuch in Kanada entwickelte sich so die Idee von einem Cider mit den Zutaten Birne, Hollerblüten und Hopfen. „Man probiert da relativ viel, das ist wichtig“, sagt Distelberger. Vier Produkte wurden entwickelt und anschließend getestet, welche am besten ankommen. Die zwei beliebtesten Varianten sind mittlerweile erhältlich. Ein halbes Jahr habe es gedauert, von der Idee, bis die Cider dann Ende April auf dem Markt waren.

Angesprochen auf den Klimawandel, sagt Distelberger, dass er seine Landwirtschaft zweierlei betreffe. In dem „brutal heißen Sommer 2003“ habe er das erste Mal bewusst erlebt, wie die Birnen durch die hohen Temperaturen krank geworden sind. „Die Krankheit heißt Birnenverfall. Wenn die Bäume durch die Hitze geschwächt sind, dann sind sie anfälliger“, erklärt der Mostbaron eines der Probleme, das der Klimawandel verursacht.

"So früh wie heuer war es noch nie"

Der zweite Punkt, der wohl jedem Obstbauern auffällt, ist, dass wesentlich früher geerntet werden muss. „Um den 20. September haben wir immer zum Pressen angefangen, heuer haben wir schon im August begonnen. So früh wie heuer war es noch nie.“

In der Endreife seien kühle Nächte vonnöten, damit die Aromatik stimmt. Das Glück der Lage im nördlichen Mostviertel seien die schweren Lehmböden, die als Wasserspeicher fungieren. Die sogenannten Herzwurzeln der Birnbäume würden sehr weit in die Tiefe gehen, und daher können diese Bäume besser mit Trockenstress umgehen als etwa ein Apfelbaum mit flachen Wurzeln.

Saisonales soll vermehrt auf die Speisekarte

Für die nächste Zeit hat Distelberger geplant, das Angebot im Heurigen weiterzuentwickeln. Man brauche zwar die Standards wie einen Aufstrichteller und die Brettljause, aber zu dem Trend der Regionalität gehöre für ihn auch eine „saisonale Komponente“ der Produkte dazu. „Die Leute haben viel Freude mit der saisonalen Speisekarte. Die haben wir immer, und das wollen wir weiter ausbauen.“ Auch das Produktsortiment würde weiterhin „verfeinert“ werden, sagt der Bauer: „Weil die Lust auf Neues wohnt dem Menschen inne. Und zwar unseren Kunden genauso wie auch uns selber.“

www.distelberger.at

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