Lukas Auer: „Bioweinbau wird Normalität werden“

Lukas Auer ist ein junger Winzer aus Tattendorf im Bezirk Baden. Er erzählt über sein Familienweingut, die Vor- und Nachteile des biologischen Anbaus, sowie über die Herausforderungen in der Corona-Zeit.

Erstellt am 16. Dezember 2021 | 16:40
Lesezeit: 5 Min
Drei Generationen
Lukas Auer (r.) mit seinem Vater Leopold (m.) und seinem jüngeren Bruder Matthias (l.). Alle drei sind im Familienbetrieb tätig und pflegen eine große Leidenschaft gegenüber dem biologischen Anbau. 
 
Foto: Weingut Familie Auer

Wie lange gibt es ihr Weingut schon? 

Also das Weingut wurde 1964 von meinem Großvater gegründet. Wir sind ein Familienweingut, das es schon seit drei Generationen gibt. Es sind sogar noch alle drei Generationen tätig. Damals hat es klassisch begonnen mit ein bisschen Ackerbau, Tierhaltung und einer kleinen Weingartenfläche. Mein Papa hat das Ganze dann komplett umgestellt auf Weinbau und jetzt haben wir zirka 24 Hektar Weingarten. Nebenbei betreiben wir noch etwas Obstbau auf unseren Streuobstwiesen mit Äpfeln und Birnen. 

Wie viele Weinsorten bauen Sie insgesamt an? 

Wir haben zirka fünf Rotweinsorten. Dabei sind der Pinot Noir und Saint Laurent die Hauptsorten und dann haben wir noch acht Weißweinsorten. Wir arbeiten jetzt seit ein paar Jahren auch mit PIWI-Sorten. Das sind pilzwiderstandsfähige Sorten, die weniger Arbeit im Weingarten versprechen. Dadurch dass wir ein biologisches Weingut sind, wollen wir natürlich noch weniger spritzen und dafür sind diese PIWI-Sorten eine tolle Sache. 

Wie lange sind Sie denn schon Bio? Wurde das schon immer so bei Ihnen betrieben oder erst seit ein paar Jahren? 

Begonnen hat mein Papa im Jahr 2006 durch eigenes Ausprobieren und Besuchen von Kursen. Damals war das ja erst der Beginn von biologischem Weinbau in Österreich könnte man sagen. Man hat sich weitergebildet, hat Winzerkollegen besucht, dann hat man selber probiert, wie oder ob das überhaupt gut funktioniert in unserer Region. Schlussendlich hat mein Vater dann mit einem Kollegen aus unserer Ortschaft beschlossen, damit anzufangen. 2009 haben wir uns dann zertifizieren lassen und da die Umstellungsphase ungefähr drei Jahre dauert, haben wir dann 2012 unsere Zertifizierung bekommen. Seitdem arbeiten wir zertifiziert biologisch und wollen auch sicher nicht mehr anders arbeiten. 

Wie würden Sie denn die Eintrittsbarrieren für den biologischen Sektor im Weinbau beurteilen? 

Damals war es sicher noch schwieriger als heute, das ist klar. Heute gibt es zum Beispiel sehr viele Kurse, die man besuchen kann. Zumindest würde ich das so machen, wenn ich mich dazu entscheiden sollte, meinen Betrieb umzustellen. Einfach um sich weiterzubilden und die Kollegen dort zu fragen: „Wie funktioniert es denn wirklich?“. Schule ist immer das eine, aber wie funktioniert es in der Praxis? 

Wie ersetzt man als Bio-Weingut synthetische Dünger und Spritzmittel? 

Es gibt genauso biologische Spritzmittel. Der Unterschied zu synthetischen Mitteln ist hierbei klar. Es bleibt nur außen an der Oberfläche der Blätter haften und bietet dort Schutz. Sobald es aber regnet, wird das Mittel weggewaschen und ich habe keinen Schutz drauf. Die Pflanze wächst natürlich auch vom Frühjahr bis zum Sommer und bekommt immer wieder junge Blätter und neue Pflanzenteile. Dabei ist sie wieder sehr anfällig auf Krankheiten. Ich muss dann regelmäßig den Schutzschirm auf die Rebe bringen. 

Hat man als Bio-Weingut irgendwelche Nachteile gegenüber einem konventionell geführten Betrieb? 

Ein Nachteil wäre, dass wenn ich einmal eine Krankheit im Weingarten habe, dass ich diese dann nur sehr schlecht, bis gar nicht mehr herausbekomme. Ich kann es möglicherweise bremsen aber wirklich töten kann ich die Krankheit nicht mehr. Im konventionellen Weinbau kann ich durch bestimmte Mittel mit einer kurativen Wirkung die Krankheit einfach abtöten. Ich glaube es gibt allerdings mehr Vorteile, die diesen Nachteil überwiegen. 

Was wären solche Vorteile? 

Für mich ist ein großer Vorteil, dass ich immer sehe, wenn ich in die Natur rausgehe, dass dort verschiedenste Pflanzen wachsen. Nicht nur eine Blume, sondern hunderte bis tausend verschiedene Pflanzen. Wenn man jetzt den Weinbau genauer betrachtet, ist das eine Monokultur. Das heißt ich habe einen Rebstock nach dem anderen auf 20 Hektar Rebfläche. So gesehen würde das ja eigentlich gegen die Natur sprechen, weil ich da nur eine Pflanze stehen habe. Biologischer Weinbau bedeutet aber, dass ich eine dauerhafte Begrünung zwischen den Reben haben muss. Das ist für mich die Natur und gleichzeitig auch der größte Vorteil von biologischem Weinbau. Ich bin verpflichtet dazu, die Begrünung anzubauen. 

Wie haben Sie und Ihr Betrieb die Pandemie erlebt?  

Zu Beginn waren wir alle sehr gespannt und dachten uns: „Wow das wird schwierig“. Wir wussten auch nicht, wie wir das arbeitstechnisch regeln sollen. Zwei von unseren Arbeitern sind über die Grenze nach Hause gefahren und durften dann lange nicht mehr wiederkommen. Zwei andere sind bei uns geblieben. Händler durften auch nicht öffnen, die Gastronomie war zu und natürlich hat uns das auch große Angst bereitet. Zum Glück hatten wir aber von Anfang an ein breites Standbein. Wir hatten viele Hofverkäufe, viele Hofkunden, viele Stammkunden, liefern aber auch direkt an die Gastronomie in Österreich-vor allem an kleine Vinotheken. Wir haben glücklicherweise zu Pandemiebeginn auch noch einen Onlineshop gestartet, der davor schon in der Planung war. Wir hätten es selbst nicht geglaubt, aber der Shop ist wirklich sehr gut bei den Kunden angekommen und hat somit die Krise gut abgedämpft.  

Glauben Sie, dass Menschen im Lockdown mehr Wein konsumieren als sonst? 

Durch das Beliefern von den Vinotheken, die eben den Wein weiter an Privatkunden verkaufen, hat man schon gemerkt, dass die Leute in dieser Zeit daheim eindeutig mehr trinken. Man könnte sagen, was in den Restaurants oder beim Fortgehen nicht getrunken wurde, wurde stattdessen am Abend daheim konsumiert.

Denken Sie, dass in Zukunft die Maßnahmen für biologischen Weinbau beziehungsweise die Umstellung auf biologischen Anbau vermehrt gebraucht werden? 

Der biologische Weinbau wird irgendwann die Zukunft sein. Ich glaube, dass das die Normalität werden wird. Egal ob biologisch oder nachhaltig. Das wird eines Tages so vom Markt und den Konsumenten erwartet werden. Ich hoffe natürlich auch, dass viele Winzerkollegen darauf kommen werden, dass man wieder mit der Natur arbeiten sollte und sie schützen sollte. 

Dieser Beitrag wurde in einer Lehrveranstaltung im Zuge einer Kooperation mit dem Bachelor-Studiengang Medienmanagement an der FH-St. Pölten erstellt.