Weine per Post statt Kosten im Keller. Niederösterreichs Winzer verschicken derzeit ihre Weinflaschen, anstatt sie vor Ort auszuschenken.

Von Michaela Fleck. Erstellt am 22. April 2020 (04:49)
Frühling in Niederösterreichs Weingärten (hier im Kamptal): heuer nicht mit offenen Kellertüren wie alljährlich beim Weinfrühling, dafür aber mit neuen kreativen Ideen von Niederösterreichs Winzerinnen und Winzern.
Robert Herbst

Sie heißen „Lebensgeister“. „Zöbinger“. „Gut gegen Nordwind“. „Veltliner pur“. „Taste 2019“. Oder: „Alles Riesling“. Sie kommen prompt und frei Haus. Und: Sie schmecken nach Seeberg und Heiligenstein, nach DAC und Extra Brut, nach 2017, 2018, 2019.

„Ich hab’ schon über hundert Pakete verschickt!“ Freut sich Barbara Öhlzelt. Und das trotz Krise. Die Winzerin mit der Weinberggeiß im Logo und mit dem Weinkeller in Zöbing im Kamptal hat schon vor vier Wochen ihre ersten Pakete geschnürt. Mit je sechs Flaschen, vom Gemischten Satz bis zum Jahrgangssekt, mit Preisen von 45 bis 80 Euro (für das ganze Paket). Und ohne Versandkosten.

„In Österreich verschicken wir unsere Weine versandkostenfrei – und im Paket auch ein bissl günstiger“, erklärt Barbara Öhlzelt. Das funktioniere sehr gut, auch nach Deutschland ging der Kamptaler Wein schon per Post. Das liege, so die Winzerin, aber auch an der treuen Kundschaft. „Ich habe einen intensiven Kontakt zu meinen Kunden, das kostet natürlich auch Zeit, aber jetzt hilft es uns.“ An Weinhändler in Belgien oder gar Amerika könne man in der Coronakrise ohnehin nichts schicken.

Als Paketverschickt oder flaschenweise im Weinkühlschrank: die Weine vonBarbara Öhlzelt aus dem Kamptal. Im Kühlschrank will die Winzerin bald auch Kalbsrahmgulasch, Spargel in Verjus oder Paprikamarmelade von Spitzenkoch Karl Schwillinskyanbieten.
Buchecker

Das betrifft vor allem die großen Weingüter in Niederösterreichs Weinbaugebieten von der Wachau bis zum Wagram. „Die Großen“, meint auch Wolfgang Schwarz, Geschäftsführer von Österreichs erster Gebietsvinothek in Langenlois und Mitbegründer von Niederösterreichs Weinfrühling, „haben es da zurzeit schwerer.“ Keine Gastronomie, keine Messen, keine internationalen Händler. „Damit kommen die Kleinen leichter klar.“ Aber: Auch unter den Weinmachern seien die Reaktionen auf die Krise gemischt. „Das reicht von dramatisch bis nicht so schlimm“, erzählt Wolfgang Schwarz. Sicher ist: Es bleiben mehr Flaschen des aktuellen Jahrganges vorerst im Weinkeller als in einem „normalen“ Jahr.

Denn die Keller werden heuer auch zum traditionellen Weinfrühling am letzten Aprilwochenende im Kamptal, Kremstal und Traisental ihre Tore nicht öffnen können. „Das ist schon bitter“, meint auch Barbara Öhlzelt, die schon seit Jahren beim Weinfrühling zum Kosten und Kaufen in ihren Keller einlädt. Deshalb hofft die Winzerin
auf einen Ersatztermin noch in diesem Jahr, „das wäre super“.

Vielleicht müsse man das 2020 aber auch ganz anders machen, überlegt Wolfgang Schwarz. Und vor allem: nicht zu spät. Weil: „Ende September oder gar Anfang Oktober geht sich das auch nicht mehr aus für uns.“ Da starte dann schon wieder die Weinlese.

"Große Chancen" für regionale Weinbaugebiete

Arbeit gibt es auch derzeit genug. „So setzen wir gerade neue Rebstöcke“, erzählt Barbara Öhlzelt. Und schließlich muss sich die Zöbingerin auch um ihren Weinkühlschrank kümmern. Der erste im Kamptal war es, den sie bei ihr in der Eichelbergstraße aufgestellt hat. „Das Tor ist immer offen, in der Nacht ist er beleuchtet, und gleich daneben hängt ein Postkastl fürs Geld.“ Wie das funktioniert? „Wunderbar!“ Da verkaufe sie zwar nur „flascherlweise“, und davon leben könne sie nicht. Aber: „Es kommen auch die Burschen von nebenan und holen sich zwei Flaschen. Genauso soll’s sein.“

Und in der Vinothek? Dort, im Ursin Haus am Langenloiser Hauptplatz, hat man seit vergangener Woche wieder offen. Von Montag bis Samstag, von 10 bis 15 Uhr, mit Masken und maximal fünf Personen im Geschäft. Aber: „Ich war überrascht, dass da schon einiges los war“, meint Wolfgang Schwarz. Und will, wenn möglich, schon im Mai oder im Juni auch den Langenloiser Weinweg und das beliebte „Weinschau’n“ bei den lokalen Winzern wieder öffnen. Er, Schwarz, sei überzeugt, dass gerade jetzt regionale Weinbaugebiete „große Chancen“ haben. Und davon gibt es in Niederösterreich ja gleich acht.