Von Whisky, Mohn und Wachteleiern. Seit gut zehn Jahren macht eine kleine Konditorei im Thayatal Schokolade – in Tafeln und Trüffeln, von Hand geschöpft und nur mit regionalen Zutaten. Zum Beispiel vom Whiskybrenner, vom Wachtelzüchter oder vom Dirndlbauern.

Von Michaela Fleck. Erstellt am 27. November 2018 (02:14)
Tafelweise: Konditor-Meister Andreas Müssauer aus Waidhofen/Thaya mit vier Reihen seiner fertigen Schokoladen.
Müssauer

Der Nikolaus schmeckt nach Apfel-Zimt. Der Krampus schmeckt nach Orange-Chili („das darf ruhig ein bissl scharf sein“). Und das Waldviertel?

Das schmeckt nach Erdäpfel-Mohn. „Die mach’ ich am meisten“, sagt Andreas Müssauer. „Die schmeckt wie nach Mohnnudeln. Und dann kommt noch ein bissl Rum drauf …“ Und eine schmale, hellgelb-schwarze Schleife oben drüber, über die kleine Tafel im knisternden Staniol.

Rund 600 Tafeln macht der Konditormeister („ich bin schon die dritte Generation, meine Mutter war auch Bäckerin“) aus dem Thayatal in der Woche. Neben Brot und Gebäck, Lebkuchen, Strudel und Makronen.

Die Schokolade, gibt er zu, ist seine Leidenschaft. „Als ich begonnen hab’, hat man Zotter schon gekannt. Aber der hat eben Geschmäcker von überall verwendet. Ich hab’ versucht, die Geschmäcker der Region in Schokolade zu gießen!“

„Ich liebe Schokolade!“ Schokoladen-Schöpfer Andreas Müssauer aus dem Waldviertel

Graumohn aus dem Waldviertel, Schnäpse aus Hollenbach, Kräuter aus Seyfrieds, Tee aus Karlstein, aber auch Whisky aus Rapotten stein (von Hermann Rogner) oder sogar Bier aus Schrems (von Karl Trojan). „Ich bin immer an neuen Sachen dran“, meint Andreas Müssauer. „Die letzte Schokolade, die ich gemacht habe, war mit Habanero-Chilis aus der Chili-Werkstatt, die ist sehr gut angekommen.“ Aber auch Mohn-Zwetschke, ganz Waldviertlerisch, geht gut.

Künstliche Aromen, Konservierungsmittel, Farbstoffe oder gar Geschmacksverstärker gehen dagegen gar nicht. (Fast) Alles kommt aus der Region. Nur die Schokolade, vorzugsweise dunkle, die kommt aus Belgien, „da gibt es nur ganz wenige Hersteller in Österreich“.

"Die heißen bei mir aber Mohnwuzler"

Dafür kommt der Marillenbrand, für die „Marille mit Promille“, aus der Wachau. Die Kornelkirsche für die „Dirndl-Karamel“ aus dem Pielachtal. Und der Eierlikör, für die Tafel mit der (ei-)weiß-gelben Schleife, kommt aus der Wachtelei in Wilhelmsburg im Traisental.

Trüffeln macht Andreas Müssauer auch, „speziell zu Weihnachten“, mit Himbeer-, Zwetschken- und Williamsbirnen-Geschmack. Und natürlich mit Mohn. „Die heißen bei mir aber nicht Mohnzuzler, sondern Mohnwuzler!“

„Spezialitäten“ seien seine handgeschöpften Schokoladen, ob Tafel oder Trüffel, „etwas zum Genießen“, nichts für den Heißhunger („den stillt man mit Milka“). Und auch etwas zum Verschenken. Wie denn eigentlich Weihnachten schmeckt, im Waldviertel? Nach Punsch-Orange.