Fischamend von Bomben zerstört

Erstellt am 03. April 2022 | 04:32
Lesezeit: 3 Min
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Diese Aufnahme zeigt einen völlig zerstörten Hauptplatz in Fischamend nach dem verheerenden Bombenangriff am 12. April 1944.
Foto: Heimatmuseum Fischamend
Teil der Geschichte Fischamends ist der Bombenangriff im April 1944.
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Bis 1970 fungierte die Fischa als Grenzfluss. Sie trennte Fischamend Markt von Fischamend Dorf. Nach dem „Anschluss“ Österreichs an Deutschland 1938 wurden beide Ortschaften in den 23. Bezirk Wiens eingegliedert. 

Unterschwellig hat sich bereits in den Jahren davor eine nationalsozialistische Bewegung in Fischamend entwickelt. Diese kam nach dem Einmarsch Hitlers auch an die Macht. Der heutige Hauptplatz wurde von Dollfuß-Platz in Hitler-Platz umbenannt. Das Kaufhaus Stern wurde von den Nationalsozialisten gestürmt, die Großkaufmannsfamilie war Repressalien und Gewalthandlungen ausgesetzt. Sie wurde wie die anderen jüdischen Kaufleute aus Fischamend vertrieben. Zu den Vertriebenen zählte auch der jüdische Arzt Richard Winter. 

12. April 1944 als Schicksals-Tag

Ein Jahr vor Kriegsende wurde Fischamend Ziel eines Bombenangriffs. Die US-amerikanischen Luftwaffe hat es auf das Werk 3 der Wiener Neustädter Flugzeugwerke abgesehen und zerstörte am 12. April 1944 innerhalb weniger Minuten den gesamten Ort. 118 Menschen kamen dabei ums Leben, 38 Personen wurden schwer verletzt. „Meiner Ansicht nach wurde am 12. April nicht nur der Ort bombardiert, sondern eine neue Mentalität geschaffen“, sagt Stadtarchivar Adalbert Melichar. Eine Art passives Hinnehmen setzte ihm zufolge in der Bevölkerung ein. 

Gegen Kriegsende ging die Zerstörung weiter. SS-Einheiten sprengten die Marktbrücke, um die sowjetischen Truppen aufzuhalten. Dies gelang jedoch nicht und die Sowjets übernahmen die Macht in Fischamend. Von manchen wurden sie als Besatzer, von anderen als Befreier wahrgenommen. 

Nach der russischen Besatzungszeit setzten konkrete Entwicklungen ein. „Verantwortungsvolle Ortspolitiker haben ein Entwicklungskonzept übernommen“, sagt Melichar. Siedlungsbereiche und Wohnungen wurden geschaffen, eine kommunale Infrastruktur entstand. In den 1950er Jahren wurde Fischamend wieder Teil Niederösterreichs. Damals befürchtete man, dies würde finanziell von Nachteil sein. So gab es in Wien gute Schulunterlagen.  In Niederösterreich befürchtete man, dies zu verlieren, weil der Gemeinde das Geld fehlen würde. „Die Sorgen haben sich nicht bewahrheitet. Es hat eher Freiheiten gebracht“, erzählt Melichar. 

Die Nähe zu Wien stellte sich sowohl als Fluch als auch als Segen heraus. Einerseits haben viele Fischamender ihren Arbeitsplatz in der Bundeshauptstadt, andererseits hatte sie auch negative Auswirkungen auf die örtliche Geschäftswelt. Bis in die 1970er Jahren gab es eine gut differenzierte Gewerbeszene. Seit 1987 ist Fischamend eine Stadtgemeinde. „Wir sehen uns jetzt als Wohnstadt, als Wohlfühlstadt und wir sind am Weg zu einer Stadt der Kinder“, so Melichar über die jüngsten Entwicklungen Fischamends.

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