Abschied einer AUA-Legende. Austrian Airlines musterte mit Anfang der kommenden Woche sein letztes Propellerflugzeug aus. Die NÖN durfte einen der letzten Dash-Linienflüge begleiten.

Von Martin Dichler. Erstellt am 24. Mai 2021 (19:39)

Es ist ein sonniger Freitagmorgen als die Passagiere vergangene Woche die „Dash 8“ von Austrian Airlines (AUA) nach Mailand besteigen. Eine gewohnt charmante Crew-Begrüßung am Eingang, dann schließen sich die Türen. Die NÖN ist an Bord und der Autor nun einer jener rund 20 Millionen Fluggäste, die in den vergangenen zwei Jahrzehnten mit einer Dash 8-Q400 geflogen sind. 

Der Flug in die Wirtschaftsmetropole Mailand ist an diesem Freitag gut gebucht, das geschäftige Treiben am Schwechater Flughafen erinnert an die Zeit vor Corona. Doch der Flug ist auch ein Abschied. Es ist einer der Letzten einer Dash-Maschine für die AUA. Bereits vor der Pandemie wurde beschlossen, die Propellerflugzeuge des kanadischen Produzenten „De Havilland Canada“ durch bestehende Embraer-Jets zu ersetzen.

Crew muss auch "Servus" sagen

Der allerletzte Flug wird am 31. Mai mit einem Flug von Schwechat nach Innsbruck zu Ende gehen. Warum gerade diese Strecke? Weil die mittlerweile in der AUA-Marke aufgegangene Tochter „Tyrolean Airways“ ab April 1980 als erste Fluglinie in Europa auf Dash setzte, damals noch des Typs „Dash-7“.

Auch für die vierköpfige Crew ist der Flug nach Mailand ein kleiner Abschied – von einem liebgewonnenen Flugzeug, das über 20 Jahre der Arbeitsplatz für hunderte AUA-Mitarbeiter wie die Kapitäne Mario Wille und Jürgen Bachmaier war. Laut AUA wurden mehr als 237 Millionen Flugkilometer – das entspricht 310-mal der Strecke zum Mond und zurück – mit der Dash-8-Flotte zurückgelegt. Dabei wurden von den Pilotinnen und Piloten 5,3 Millionen Mal die Checklisten gelesen oder 52.000 Kilometer bei den Vorflugkontrollen um das Flugzeug zurückgelegt. Einst bestand die Flotte aus 18 Maschinen.

Beruhigende Wirkung der Dash-Propeller

Für die Mödlinger Flugbegleiterin Nadine Vetter ist der Flug am Freitag mit Wehmut verbunden. Vor 15 Jahren begann sie ihre Karriere bei Austrian Airlines mit einer Ausbildung zur Flugbegleiterin auf einer Dash 8, wie Sie der NÖN erzählt: „Für Flugbegleiter ist das erste Flugzeug, auf dem man ausgebildet wird, immer etwas ganz Besonderes. Nach 15 Jahren kennt man das Flugzeug in- und auswendig, weshalb heute auch schon etwas Wehmut wegen dem bevorstehenden Abschied mitfliegt.“ An dem Flugzeug hängen auch zahlreiche persönliche Erinnerungen.

Doch nicht nur die Flugbegleiter und Piloten werden die Dash 8 vermissen, auch Passagiere haben die Regionalmaschine auf einem der zahlreichen Kurzstreckenflüge schätzen gelernt. „So mancher Passagier hat davon gesprochen, dass das Propellergeräusch beruhigend auf ihn gewirkt hat und er deshalb leichter an Bord einschlafen konnte. Einige Passagiere werden die Dash daher ganz sicher vermisse“, weiß Vetter. Gerade in Zeiten von Corona konnte der 76-sitzige Flieger mit seinem überschaubaren Sitzplatzangebot und ökonomischen Verbrauch noch einmal trotz geringer Auslastung auch wirtschaftlich überzeugen.

Für viele Austrian-Piloten beginnt nun die Zeit der Umschulung auf einen anderen Flugzeugtyp innerhalb der Flotte. Mit 19.250 Stunden Flugerfahrung auf der Dash 8-Q400, blickt der Tiroler Flugkapitän Mario Wille auf unseren heutigen Flug schon wehmütig auf die zurückliegenden Jahre zurück: „Ich werde mich wohl auf keinen anderen Flugzeugtyp mehr so wohl fühlen, wie auf unserer Dash 8“.