Giftpfeile zum Schwechater Museums-Start. Pünktlich zum Eröffnungstag setzt Ex-Leiter Franz Kamper zum Rundumschlag an.

Von Gerald Burggraf. Erstellt am 01. Juli 2020 (05:58)
Am kommenden Samstag wird das Eisenbahnmuseum heuer erstmals seine Pforten öffnen. Dampflok-Fahrten werden ebenso am Programm stehen wie ein Vortrag zum Thema „Bahnen in Osteuropa“.
Burggraf

Rund zwei Monate später als sonst wird das Eisenbahnmuseum am Samstag erstmals seine Pforten öffnen (siehe Artikel unten). Doch eine Attacke des ehemaligen Museumsleiters Franz Kamper trübt die Stimmung ein wenig.

Der Schwechater wurde im Vorjahr vom Vorstand des Betreibervereins „Verband der Eisenbahnfreunde“ (VEF) nach Querelen abgesetzt. In Bahnfreunde-Foren soll es schon länger zwischen den Streitparteien heiß hergehen. Nun attackiert Kamper über seinen Verein, dem „Verein zur Förderung von Klein- und Lokalbahnen“ (VFKL), erstmals mit einer Presseaussendung öffentlich seine Nachfolger im Museum. Vertreten durch VFKL-Kassier Werner Rochlitz holt er zum Rundumschlag aus. So bezeichnet er seinen Ausschluss als „statutenwidrig“ und spricht von einem Betretungsverbot gegen ihn.

Juristischer Streit um das Sagen im Museum

Zudem hält man fest, dass das Eisenbahnmuseum eigentlich von drei Vereinen – VEF, VFKL und dem NÖ Lokalbahnmuseum – gestützt werde. Ein Verein könne daher „gar nicht so einfach machen, was er will“. Die Kooperation der drei Vereine wurde sogar vertraglich festgehalten. Der Kamper-Verein gestattet darin dem VEF und dem Lokalbahnmuseum Fahrzeuge abzustellen. Der VEF wurde wiederum als „Vertretung gegenüber Dritten“ und als Betreiberverein sowie Mietvertragspartner mit der ÖBB angeführt. Wer tatsächlich das Sagen im Schwechater Eisenbahnmuseum hat, ist derzeit Gegenstand einer juristischen Auseinandersetzung zwischen Kamper-Verein und den Eisenbahnfreunden.

In der Aussendung wirft VFKL-Kassier Rochlitz dem neuen Team vor, dass bereits ein Museumsgütesiegel verloren wurde, dass den Besuchern qualitative Mindeststandards zusagt. „Diese kann oder will die neue Führung nicht mehr garantieren.“ Zudem würde man die unter Kampers Ägide hochgehaltene Biodiversität am Areal mit Rodungen oder dem Zuschütten des Feuchtbiotops mit Füßen treten. Auch das Bundesdenkmalamt sei beim Ex-Leiter schon vorstellig geworden, da denkmalgeschützte Fahrzeuge im Freien stehen würden.

Sämtliche Vorwürfe stellte Museumssprecher Peter Mattersdorfer im NÖN-Gespräch vehement in Abrede. Das Gütesiegel sei freiwillig zurückgegeben worden, da die 2019 übernommene „Rost- und Müllhalde“ es nicht wert gewesen war und gegenüber den Besuchern ein falsches Bild vermittelt habe. „Billig ist das Gütesiegel auch nicht“, betont er. Die Baumfällungen waren unumgänglich gewesen und aus dem Biotop wurde nun ein Spielplatz. „Herr Kamper versucht, uns schon seit geraumer Zeit schlecht zu machen“, ärgert sich Mattersdorfer.

Bezüglich der Causa mit dem Bundesdenkmalamt spielt er denn Ball zurück an Kamper. „Die Fahrzeuge gehören ihm. Über unseren Anwalt haben wir ihn aufgefordert, sie bis 1. Juli abzuholen. Wir haben dafür keinen Platz“, kontert Mattersdorfer. Ein Betretungsverbot gebe es zudem nicht – „wenn er die Fahrzeuge abholen kommt, werden zwei Vorstandsmitglieder dabei sein und ihn begleiten.“ Generell habe es im Mai eine Begehung mit dem Denkmalamt gegeben und es wurde alles für in Ordnung befunden.