Bestattung in Zeiten der Krise. Auch auf den Friedhöfen müssen die gewohnten Traditionen Pause machen.

Von Gerald Burggraf und Sophie Müller. Erstellt am 01. April 2020 (05:53)
Symbolbild
APA

Nichts ist, wie es war. Auch bei den Beerdigungen müssen die Angehörigen sich derzeit damit zurechtfinden, dass die Zeremonie stark von den bisher gewohnten Traditionen abweicht. Es darf nur eine sehr begrenzte Zahl an Personen anwesend sein, die Aufbahrung findet direkt beim offenen Grab statt und das Nachwerfen von Erde ins Grab muss ausbleiben.

„Die Leute haben jetzt schon mehr Verständnis dafür als am Anfang. Jetzt sehen viele, dass das im engsten Familienkreis eine ganz andere Qualität bekommt“, erzählt Bestatter Thomas Sorgner aus Bruck/Leitha. Wobei auch der engste Familienkreis in den letzten 14 Tagen immer wieder neu definiert worden sei. Hieß es zuerst, nur fünf Personen, so gelte nun, dass die Blutsverwandten in gleicher Linie dabei sein dürfen. „Wir machen uns natürlich Gedanken, wie man die Bestattung trotzdem feierlich gestalten kann“, so Sorgner. Christoph Sorgner biete etwa kostenlos an, am Flügelhorn ein Stück zu spielen.

Strikte Sicherheitsmaßnahmen

Im Unternehmen selbst sei man um strikte Sicherheitsmaßnahmen bemüht, denn als Bestatter könne man es sich schlicht nicht leisten, dass die Firma ausfällt. „Wir stellen den Angehörigen unsere komplette Dienstleistung online über einen Link zur Verfügung. Danach klären wir telefonisch, was gewünscht wird. Das ist sehr fordernd, weil man die Leute nicht sieht, aber im Gespräch natürlich trotzdem auf ihre Emotionen eingehen will“, so Sorgner.

Das allgemeingültige Ziel, die direkten Kontakte möglichst zu minimieren, verfolge man auch bei der städtischen Bestattung in Fischamend. „Mit einer jungen Kundin habe ich das Aussuchen eines Sarges über WhatsApp durchgeführt. Bei älteren Personen wird das aber schwierig“, weiß Bestatter Alexander Travnik. Persönliche Treffen sind natürlich möglich, allerdings ist das Büro selbst derzeit unbesetzt. „Wir sind aber rund um die Uhr erreichbar“, betont Travnik.

Seit dem Inkrafttreten der Regierungs-Maßnahmen hatten Travnik und seine Kollegen erst einen Sterbefall. Bei der Abholung der Leiche waren die Bestatter in voller Montur – Ganzkörperanzug, Mundschutz, Handschuhe etc. – bekleidet. „Wir versuchen, den Leichnam würdevoll zu behandeln, und doch möglichst wenig anzugreifen“, beschreibt Travnik die Herausforderungen in der aktuellen Situation.

Wem eine Beisetzung im engsten Familienkreis zu wenig ist, dem rät der Bestatter zur Einäscherung. „Im Sarg muss der Leichnam nach zehn tagen beerdigt werden, bei einer Urne gibt es im Grunde keine zeitliche Begrenzung“, erklärt er. Das bedeute, dass eine große Trauerfeier, sofern gewünscht, zu einem späteren Zeitpunkt stattfinden könne.