Fasten, um Gott näher zu kommen. Schwechats Dechant Richard Kager rät, Genussmittel wegzupacken.

Von Raimund Novak. Update am 26. Februar 2020 (03:51)
Drei Finger, ein Gedanke. „Wer Gott aufgibt, löscht die Sonne aus, um mit einer Laterne weiter zu wandern“ – dieses Zitat des deutschen Schriftstellers Christian Morgenstern berührt Pfarrer Richard Kager und steht in großen Buchstaben im Eingangsbereich des Pfarrzentrums.
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„Der Daumen zeigt nach oben zu Gott, der Zeigefinger auf die Seite zu den Mitmenschen und der Mittelfinger ist auf dich selbst gerichtet“, erklärt Richard Kager, Dechant im Dekanat Schwechat und Pfarrer in Schwadorf, die Drei-Finger-Regel, die Menschen anwenden sollen, um sich darüber klar zu werden, in welcher Beziehung sie zu den jeweils Genannten stehen. Gerne wird dieses Hilfsmittel beim spirituellen Fasten genutzt.

Verzichten, um zu Verstehen

Die Stille ist ein weiterer wichtiger Bestandteil dabei. „Stress und Lärm beiseiteschieben und einen stillen Ort suchen“, rät Kager, der auch Leiter des Pfarrverbandes Fischatal-Nord (umfasst die Pfarren Schwadorf, Enzersdorf-Kleinneusiedl, Fischamend und Rauchenwarth) ist. Werden in dieser Zeit auch auf Genussmittel wie Alkohol oder Schokolade verzichtet, dann „erfahre ich mehr über den Wert dieser Dinge und der Schöpfung und komme Gott näher“.

Der Fernseher oder das Internet sollten ebenfalls abgestellt sein. Vor dem Schlafen gehen ist es wichtig, das Erlebte noch einmal auf sich wirken zu lassen. „Also am besten nicht tot ins Bett fallen, sondern darüber nachdenken, wem man begegnet ist und wie man den Tag erlebt hat.“ Eine Begleitung in der Fastenzeit kann unterstützend wirken. „Viele gehen in ein Kloster, ohne etwas mitzunehmen, oder sprechen mit einem Priester des Vertrauens über ihre Erfahrungen“, weiß der Pfarrer.