Der Aufstieg des Schwechater „Lager“. Das von Anton Dreher erfunden Lager-Bier aus Schwechat feiert 180-jähriges Jubiläum.

Von Gerald Burggraf. Erstellt am 08. Mai 2021 (04:23)
Anton Dreher etablierte vor 180 Jahren das Lagerbier.
Brauunion, Brauunion

Das Jahr 1841, und hier der Monat April, spielt in der Bier-Geschichte eine zentrale Rolle. Denn vor mittlerweile 180 Jahren hat der Schwechater Anton Dreher die Ära des Lagerbiers eingeläutet, die noch heute beliebte Biersorte sollte die Braukunst revolutionieren.

Die Bezeichnung kam übrigens zustande, da das Bier schon einige Monate vor der Auslieferung gebraut und mit Eisblöcken gekühlt wurde. Anfangs schenkten nur wenige Wiener Wirte Drehers Lagerbier aus. Anders als das damalige, mit einem schlechten Ruf behaftete, Bier der Monarchiehauptstadt, kam Drehers Erfindung bei den Menschen sensationell an. Wie ein Zeitzeuge damals berichtete, artete die erste Ausschank zu einem „veritablen Volksfest“ aus, „der bis in die Nachtstunden andauerte“.

Brauunion

Bei der Brauunion, dem heutigen Inhaber der Brauerei Schwechat, hält man das Andenken der Familie Dreher hoch. Die Brauerei in Schwechat war in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts sogar die größte des europäischen Festlandes. Vor wenigen Jahren huldigte man der Erfindung des ersten untergärigen Lagerbiers, indem man es erneut als „Wiener Lager“ ins Sortiment aufnahm. „Wir sind ziemlich sicher, dass es circa so schmeckt, wie damals“, erzählt Braumeister Andreas Urban im NÖN-Gespräch.

Neues Buch zur Brauerei-Geschichte

Und auch der Bierstil mit Bernsteinfarbe sowie einer Malz- und Karamellnote entspreche dem Dreher-Lager. Eine geringe Abweichung ist aber natürlich wegen der moderneren technologischen Möglichkeiten sowie höheren Qualitätsstandards denkbar. Den neuerlichen Boom der Lagerbiere erklärt Urban nicht zuletzt mit dem Aufkommen der Craft-Biere.

Die Bezeichnung „Lager Bier“ gibt es heute weltweit, zumeist hat es mit der Dreher‘schen Erfindung aber nichts zu tun. Wenn auch das heimische Lager international für Furore sorgt.

So gibt es bei einem Wettbewerb in Deutschland etwa eine eigene Kategorie des „Wiener Lager“.

Die Familie Dreher prägte die fast 400-jährige Geschichte der Schwechater Brauerei maßgeblich – gegründet wurde sie bereits 1632. Der „letzte“ Anton Dreher der Familiendynastie verstarb 1921. Anlässlich seines 100. Todestages wird gegen Ende des Sommers ein Buch erscheinen, an dem auch Urban maßgeblich mitwirkt. „Unter ihm war das Bierimperium am größten“, weiß der Schwechater Braumeister. Der Titel des Buches: „Die Geschichte der Brauerei Schwechat – Von den Bierbaronen Dreher und Mautner Markhof in die Gegenwart“ Neben Urban schreiben Alfred Paleczny und Christian Springer für den Böhlau Verlag daran.