Borealis verteidigt sich. Borealis-Vorstand Alfred Stern hat am Montag bei einem Pressegespräch im Chemiekonzern in Mannswörth den Vorwurf zurückgewiesen, dass man nach dem Fund von Plastik in der Donau, das vom Unternehmen stammte, etwas vertuschen wollte.

Erstellt am 07. April 2014 (14:30)

Das Sicherheitssystem sei seit 2010 aufgerüstet worden. Er bestätigte aber, dass zuvor "täglich eine geringe Menge" an Kunststoffgranulat in die Donau gelangt war. Bei dem Vorfall im Juli 2010 handle es sich um ein "Einzelergebnis". "Am 6. und 7. Juli hat es einen außergewöhnlich starken Regen gegeben, wodurch es zu überschwemmungsartigen Zuständen kam", so Stern. Dies sei die Ursache für den hohen Kunststoffgehalt von 50 bis 200 Kilogramm zu diesem Zeitpunkt in der Donau gewesen. Trotzdem sei das Unternehmen "jederzeit unter den gesetzlichen vorgeschriebenen Werten" gelegen, betonte der Vorstand. "Es bestand für uns keine Meldepflicht."

Seit dem Zwischenfall hat Borealis sein bis dato zweistufiges Sicherheitssystem zu einem vierstufigen ausgebaut. Neben sogenannten Abscheidern und Abscheidebecken, die noch am Konzerngelände das Granulat herausfiltern sollen, wurde ein Sieb am Ende des Betriebskanals angebracht. Beim Einfließen des Abwassers in die Schwechat seien die Absperrungen verstärkt und zudem eine etwa 30 Zentimeter lange Schürze (eine Art Netz) angebracht worden. Zweimal am Tag kontrolliere darüber hinaus ein Mitarbeiter die in den Absperrungen aufgefangenen Kunststoffreste, erklärte der Vorstand. Anhand dieser täglichen Messungen könne man eine Veränderung rasch feststellen.

Stern: Wir verwenden keine Weichmacher

Dass Borealis auch für Weichmacher verantwortlich ist, die in der Donau gefunden wurden, wies Stern zurück. "Wir wissen, dass wir das nicht einsetzen." Substanzen dieser Art seien mittlerweile in der Umwelt sehr stark verbreitet. Zur späten Stellungnahme des Konzerns sagte der Vorstand: "Wir wollten zuerst Daten und Fakten sammeln."

Umweltminister Rupprechter (ÖVP) hat nach Bekanntwerden des Vorfalls eine Sonderuntersuchung eingeleitet. Ausgangspunkt der Diskussion war eine Studie der Uni Wien, bei der ursprünglich die Verbreitung von Fischlarven zwischen Wien und Bratislava untersucht hätte werden sollen. Dazu wurden an bestimmten Stellen Netze in die Donau eingebracht, in denen sich neben den Larven auch ziemlich viel Plastik fand.