„Level“-Aus traf Schwechater Personal unerwartet. Billigairline musste Insolvenz anmelden. Betrieb wird stillgelegt, davon sind 198 Mitarbeiter in Schwechat betroffen.

Von Gerald Burggraf. Erstellt am 25. Juni 2020 (05:23)
Keiner der sechs Airbus A320 wird nach der Insolvenz
Willy Kraus

AUA und Lauda sind gerettet, Level ist tot – das Auf und Ab am Flughafenstandort in Schwechat hält an. Denn am Freitag wurde auf Antrag der Billigairline „Level“ offiziell ein Konkursverfahren am Landesgericht Korneuburg eröffnet.

Mit dem Insolvenzantrag wurde zugleich die sofortige Schließung des Unternehmens umgesetzt, 198 Mitarbeiter in Schwechat und 33 am Zweitstandort in Amsterdam verlieren ihren Job. Zudem bleiben die sechs geleasten Airbus A320 dauerhaft am Boden.

Der Level-Mutterkonzern IAG, zu dem auch British Airway oder Iberia gehören, wollte mit der österreichischen Tochter am Low-Cost-Boom mitnaschen. Sehr schnell stellte sich aber heraus, dass der Konkurrenzdruck der Mitbewerber viel höher als zunächst erwartet war und das Projekt nicht zum gewünschten Erfolg führte, wie auch eine Flugbegleiterin, die anonym bleiben möchte, gegenüber der NÖN bestätigt.

So wären zahlreiche Flüge nur schwach gebucht gewesen, für viele Mitarbeiter war es daher schon lange absehbar, dass der Flugbetrieb so wirtschaftlich nicht erfolgreich betrieben werden konnte. Das schnelle Ende mit 18. Juni kam für viele Mitarbeiter dann aber doch sehr überraschend, erzählt die Level-Stewardess. Tatsächlich gab die Fluglinie im Konkursantrag an, dass zwei Kapitalzuschüsse der Eigentümer in den Jahren 2019 und 2020 nötig waren. Das letzte Quartal im Vorjahr sei noch gut gelaufen, doch dann kam die Coronapandemie.

Airline mit Schulden von 12,3 Mio. Euro

Sofort wären Einsparungen wie Verhandlungen mit Lieferanten oder Kurzarbeit umgesetzt worden. Allerdings wären die Bemühungen um Staatshilfen ohne Erfolg geblieben, ein Konkurs daher unabdingbar gewesen. Die Verbindlichkeiten der Billigairline belaufen sich auf rund 12,3 Millionen Euro, das Unternehmensvermögen lediglich auf 8,4 Millionen Euro. Von der Insolvenz sind rund 140 Gläubiger betroffen – die Zahl der geschädigten Passagier ist bislang noch unbekannt.

Als „Level“ am 17. Juli 2008 den Betrieb mit dem Erstflug von Schwechat nach London-Gatwick aufnahm, war die Freude am Flughafen noch groß. „Level“ ist eigentlich eine Billigflugmarke des britisch-spanischen IAG-Konzerns und war bis zur Gründung seines Österreichablegers nur als Langstreckenfluglinie mit Abflügen ab Paris und Barcelona bekannt. Hoffnungen auch von Schwechat aus Billig-Langstreckenflüge anbieten zu können, sind nun endgültig verpufft.