Bürgermeisterin nach Corona-Impfung in der Defensive. Schwechats Stadtchefin Karin Baier (SPÖ) erhielt übergebliebene Dosis bei Impf-Start im Seniorenzentrum. Opposition spricht von "unglücklichem Bild", einzig die Liste "Gemeinsam für Schwechat" sieht darin einen Skandal.

Von Gerald Burggraf. Erstellt am 21. Januar 2021 (18:43)
Bürgermeisterin Karin Baier (SPÖ)
Gerald Burggraf

Seit Tagen gehen die Wogen hoch: In ganz Österreich ereigneten sich Fälle, bei denen Bürgermeister (und teils auch deren Angehörige) im Zuge von Corona-Impfaktionen in Pflegeheimen geimpft wurden. Die Aufregung ist groß, sollten doch anfangs nur besonders gefährdete Personen ab 80 Jahren das Vakzin erhalten. 

Nun erreicht diese Welle auch Schwechat: Wie der Kurier berichtet, wurde SP-Bürgermeisterin Karin Baier im Rahmen des Impf-Starts im Seniorenzentrum vergangene Woche ebenfalls geimpft. Das bringt der 56-Jährigen nun Kritik ein, wobei die Reaktionen der Opposition überwiegend sanft ausfallen. Der Hauptgrund dafür ist, dass Baier selbst als Hochrisikoperson eingestuft wird.

"Hätte ich das gewusst, hätte ich abgelehnt"

So erklärt sie in einer Stellungnahme an die NÖN, dass sie "aufgrund eines jahrzehntelang bestehenden Diabetes Typ I inkl. Folgeerkrankung(en)" zu jener Gruppe zählt, die nach den Bewohner von Pflegeeinrichtungen (und deren Personal) geimpft werden würde. Nach der vom Nationalen Impfgremium empfohlenen Priorisierung wäre Baier mit ihrem chronischen Leiden auf Prioritätenstufe 3 gereiht und damit wohl ab Februar an der Reihe gewesen.

Baier betont zudem, dass sie spontan gefragt worden wäre, ob sie sich nicht eine der übrig gebliebenen Impfdosen spritzen lassen wolle. Dafür sei sie dankbar, "gefühlt habe ich die Impfung nicht als 'Frau in einer Funktion' sondern als Mensch erhalten", unterstreicht die Bürgermeisterin. Hätte sie allerdings geahnt, dass sie damit andere Leute vor den Kopf stößt, hätte sie wohl abgelehnt. "Dass ich das nicht bedacht habe, dafür entschuldige ich mich."

Bürgerliste verlangt Rücktritt

Einer der sich massiv vor den Kopf gestoßen fühlt ist Alexander Fuchs von der Bürgerliste "Gemeinsam für Schwechat" (GfS). Er spricht gegenüber der NÖN von einem Skandal und fordert Baiers Rücktritt. "Ich habe selbst einen Fall in der Familie, meinen 74-jährigen Vater, wo eine schnelle Impfung wichtig wäre, es aber keine Chance dafür gibt", poltert er. Bleibe die Stadtchefin im Amt, so überlege er aus dem Gemeinderat auszuscheiden. "Ich will mit ihr nicht mehr arbeiten", unterstreicht GfS-Mandatar Fuchs.

Die übrigen Oppositionsparteien sehen den Fall nicht so eng. Generell bemängeln sie die schiefe Optik, gestehen Baier aufgrund ihrer Diabetes-Erkrankung jedoch die Impfung zu. ÖVP, Grüne, FPÖ und NEOS unterstellen der Bürgermeisterin auch kein Vordrängen, wie in anderen Fällen. Das lehnen alle unisono ab. So spricht FPÖ-Chef Wolfgang Zistler in Baiers Fall von gänzlich anderen Umständen.

SPÖ steht zu Baier

ÖVP-Obmann Anton Imre spricht wörtlich von einer "ungeschickten und unsensiblen" Vorgangsweise, Grünen-Stadtrat Peter Pinka hätte sich mehr "Transparenz und Solidarität" gewünscht. Das Wort "sensibel" fällt auch beim Statement von NEOS-Gemeinderat Christoph Mautner-Markhof, der durch das chaotische Management der Regierung schon genug Vertrauen zerstört sieht.

Baiers SPÖ springt derweil ihrer Frontfrau zur Seite. Stadtparteivorsitzender David Stockinger weist die Vorwürfe, wonach sich die Bürgermeisterin ein Privileg herausgenommen haben soll, zurück und betont, dass diese "jeder Grundlage" entbehren. Sie habe die Dosis ja nicht aktiv angefordert und sei auch bekannt dafür, "ihre Position nicht für sich selbst auszunutzen." Stockinger glaubt vielmehr, dass die lange Dauer der Pandemie müde mache und sich einige "offenbar zur Hysterie und Skandalisiererei hinreißen" lassen. Er pocht darauf, "rational zu bleiben und kühlen Kopf zu bewahren."