Erstellt am 09. Mai 2012, 00:00

Der Kunstmaler Hausleithner. Mannswörth war im Jahre 1840 eine kleine Bauernortschaft mit 100 Häusern und hatte kaum mehr als 1200 Einwohner. Fast die Hälfte bestand aus zugezogenen Arbeitern.

Links ein Porträt Hausleithners um 1885, eines seiner Mozart-Bilder, ein Ausschnitt aus dem Gemälde „Erzherzog Franz Karl im Prater“ und sein Grab am Wiener Zentralfriedhof.ARCHIV EZSÖL  |  NOEN
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Der kleine Ort hatte auch eine Schule. Sie stand vor der Kirche und wurde 1648 erstmals erwähnt. Nach dem von Kaiser Josef II. im Jahre 1781 eingeführten Schulzwang, wurde 1807 anstelle der alten Schule eine neue errichtet. Der einzige Lehrer der zweiklassigen Schule, der von der Gemeinde und dem jeweiligen Pfarrer ausgewählt wurde, bildete ursprünglich wohl nur Kinder aus reicheren Familien aus. Die vielen Armen, die vorwiegend in der Landwirtschaft oder als Hauspersonal tätig waren, konnten sich das Schulgeld nicht leisten. Bereits im Jahre 1804 übersiedelte der damals 28 Jahre alte Lehrer Josef Johann Hausleithner von Probstdorf nach Mannswörth, wo er die frei gewordene Stelle als Lehrer antrat und im selben Jahr kam sein Sohn Josef zur Welt.

Im Jahre 1826 starb der Lehrer und sein Sohn Josef Hausleithner jun. wurde zum neuen Lehrer gewählt. Am 10. März 1840 wurde ihm im Alter von 36 Jahren ein Sohn geboren, den er den Namen Rudolf Leopold gab und der in der Folge großes zeichnerisches Talent zeigte. Vater Hausleithner wurde am 31. Mai 1843 an die Mädchenhauptschule in Wien-Landstraße versetzt, wo er die Stelle eines Oberlehrers antrat und er bezog mit seiner Familie eine Wohnung in der Komödiengasse Nr. 3, im damaligen Wiener Vorort Leopoldstadt. Er dürfte noch im selben Jahr gestorben sein. Der junge Rudolf, der seinen Vater kaum bewusst erlebt hatte, besuchte Jahre nach dessen frühem Tod die Grund- und die Realschule in Wien und studierte anschließend an der Akademie der Bildenden Künste in Wien bei Karl Mayer, Johann Nepomuk Geiger, Carl Blaas und Carl Wurzinger. Danach übersiedelte er an die Akademie nach München und ließ sich von den Malern Wilhelm von Kaulbach und Karl Theodor Pilot weiter ausbilden.

Hausleithner schuf zu Beginn seiner Laufbahn in erster Linie Ölbilder mit romantischen Themen und Porträts. Dann wandte er sich der Historienmalerei. Immer wieder tauchen in seinen Bildern auch Musikgenies wie Mozart, Beethoven oder Schubert auf. Später malte er auch christliche Motive, wie das Hochaltarbild „Johannes der Täufer“, das er für seinen Geburtsort Mannswörth schuf. Bekannt sind auch die Charakterbilder hoher Persönlichkeiten, darunter eines der Kaiserin Elisabeth und von vorwiegend betuchten Familien aus dem Hochadel, die ihm ein Leben ohne finanzielle Sorgen bescherten. Auch die Landschaftsmalerei war dem Künstler nicht fremd und der Humor kam bei seinen Ansichten von Szenen aus dem kleinbürgerlichen Leben nicht zu kurz. Der große Durchbruch kam nicht zuletzt, als sogar Kaiser Franz Joseph I. drei Gemälde des Künstlers erwarb. Hausleithner kam zwar kaum über die Grenzen der Monarchie hinaus und unternahm nur ein paar kurze Studienreisen nach Deutschland und Italien. Seine Bilder aber wurden mit großem Erfolg in halb Europa ausgestellt und waren sogar im russischen St. Petersburg zu sehen.

Rudolf Hausleithner starb am 10. März 1918, genau an seinem 78. Geburtstag, als wohlhabender und anerkannter Künstler in Wien und wurde auf dem Zentralfriedhof beerdigt. Seine Werke werden heute noch bei internationalen Auktionen erfolgreich und hochpreisig versteigert. Die Stadtgemeinde Schwechat ersteigerte in den 1970er Jahren im Dorotheum zwei Ölgemälde für die Bildergalerie des Schlosses Rothmühle, wo sie den Besuchern ganzjährig zugänglich sind und vor allem durch den feinen Pinselstrich des Meisters faszinieren.