Ein Freigeist ohne Dach über oder Brett vor dem Kopf. Es war, sogar als der Kasperl (was er seit einigen Jahren schon tut) Amok zu laufen begann, ein gemütlicher Auftakt zur Veranstaltungsreihe "Kabarett am Berg". Leo Lukas las, sang und erzählte im Gasthaus Steiner.

Von Peter Gerber Plech. Erstellt am 30. Juli 2020 (13:21)

Auf den Tischen Hyazinthen und Sonnenblumen, als Bühnenhintergrund blühender Oleander – es war angerichtet im Gastgarten des Gasthaus Steiner in Schwechat. Zum im Vergleich mit Indoor-Veranstaltungen wohltuend anderen Rahmen passend eröffnete Leo Lukas mit dem Program "Blütenlese" die dreiteilige Veranstaltungsreihe "Kabarett am Berg". 

Eine Gitarre, minimalst eingesetzte Perkussionsinstrumente und "das große Leo Lukas Lesebuch (mit Noten)", welches der Kabarettist 2018 zu seinem 60er veröffentlicht hat, lieferten die Basis. Es sollte ein Abend werden, der weder durch wegfliegende Flugzeuge noch durch einen kleinen, durchaus sympathisch wirkenden Texthänger des Künstlers eingetrübt werden sollte. Leo Lukas schöpfte einige Nummern aus seinem Best-of-Topf und war, ohne den erhobenen Zeigefinger einzusetzen, kritisch-unterhaltsam wie gewohnt. 

Genaues Zuhören, vorallem bei Ausflügen in den steirischen Dialekt, erhöhte den Genuss und wurde dem Querschnitt aus der jahrelangen Arbeit des Wortakrobaten gerecht. Lukas' Figuren wie der Wexelberger Kurti, Marandanna Katholner oder der Schuster Lenz wurde vor dem geistigen Auge der Zuhörenden Leben eingehaucht und selbst ein Besuch bei IKEA versprach plötzlich so etwas wie Vergnügen. Und mit dem zum Wienerlied verarbeiteten alten Toner, der den Weg alles Irdischen gehen und ins Sekretariat muss, bekam man gar Mitleid.

Leo Lukas, dessen Krimi "Mörder Quoten" im Oktober erscheinen wird, bildete den Auftakt zur zweiten Auflage "Kabarett am Berg" von Veranstalter Philipp Tomasovsky. Am 27. August wird die Reihe mit Fredi Jirkal weiter geführt und mit Gerald Fleischhacker am 16. September beendet. Durch die coronabedingten Auflagen (Abstand zwischen den Tischen) können nur 65 Zuschauerinnen/Zuschauer in den Gastgarten gelassen werden. Die Benützung des Vorverkaufs unter office@aidaloos.com wird deshalb empfohlen. "Ich kann für 2021 schon jetzt eine dritte Auflage von 'Kabarett am Berg' versprechen, dann hoffentlich wieder unter normalen Umständen", sagt Tomasovsky.