AUA-Chefin gegen Nachtflug-Pause

Erstellt am 12. Oktober 2022 | 04:39
Lesezeit: 3 Min
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Geht es nach Anrainervertretern, sollten alle Flugzeuge für eine gewisse Zeit in der Nacht am Boden bleiben – ausgenommen natürlich Notlandungen.
Foto: Gerald Burggraf
Bürgerforderung für eine flugfreie Zeit am Flughafen Schwechat bleibt weiter aktuell. Annette Mann sieht Wettbewerbsfähigkeit in Gefahr.
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Bereits nach dem Rekordjahr stand für Manfred Peter und die ARGE der Bürgerinitiativen im Dialogforum fest, dass die Nachtflugregelung nachgeschärft gehört. Dann kam die Corona-Pandemie und das Thema war von einem Tag auf den anderen keines mehr. Bis Herbst 2021 zumindest, denn seither finden wieder Gesprächsrunden mit physischer Präsenz im Dialogforum statt. Darunter eine erste Runde zum Thema „Nachtflugregelung“.

Im Verhandlungsgremium vertreten ist natürlich auch die größte Standortfluglinie Austrian Airlines (AUA). Deren Vorstandsvorsitzende Annette Mann stand der NÖN für ein Exklusivinterview zur Verfügung, wo unter anderem auch die Nachtflugregelung zur Sprache kam (weitere Themenfelder siehe auf den Seiten 36/37). Sie sieht eine tatsächlich flugfreie Zeit, wie sie von mehreren Seiten gewünscht wird, skeptisch.

„Es wäre auf jeden Fall eine weitere Einschränkung“, hält sie fest. Vor allem im Hinblick auf die Wettbewerbsfähigkeit des Flughafens, aber auch des Luftfahrtstandorts Österreich. Man müsse das auch immer im größeren Kontext sehen. „Ich würde das aber nicht an einzelnen Themen festmachen“, gibt sich Mann betont pragmatisch.

Konnektivität versus Interesse des Einzelnen

Denn in der Sache könne sie natürlich den Wunsch der Flughafenanrainer nachvollziehen. Aber: „Am Ende muss sich jeder Standort überlegen, was er bereit ist zu tun oder was nicht“, hält die AUA-Chefin fest. Denn ein tatsächliches Nachtflugverbot habe „direkte Konsequenzen und natürlich auch Auswirkungen auf Arbeitsplätze.“

Sie habe „absolutes Verständnis für jeden einzelnen Anrainer“, aber die gesellschaftliche Diskussion für die Bewertung einer Gesamtheit müsse man führen. „Zum einen stehen Themen wie Konnektivität und Standort eben dann auch den Interessen des Einzelnen gegenüber. Das gilt es abzuwägen, Einschränkungen helfen da aber nicht wirklich weiter“, unterstreicht Mann.

Zeitnahe Entscheidungen im Dialogforum sind auch nicht zu erwarten, gilt dort doch das Einstimmigkeitsprinzip und es wurde erst einmal ein Fahrplan festgelegt. Bei der ARGE gegen Fluglärm ist man überzeugt, „dass nur ein Ausbau der Nachtflugbeschränkung Richtung Nachtflugverbot einen Ausweg bietet.“ Manche Dialogforum-Parteien müssen auch noch ihren Standpunkt finden, die nächste Verhandlungsrunde ist im November angesetzt.

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