Notrutsche mutwillig ausgelöst - Bewährung

Die Strafe für einen 58-Jährigen, der am Flughafen Schwechat mutwillig die Notrutsche auslöste: Bewährung und Airline erhält 55.000 Euro an Schadenersatz.

Erstellt am 15. Oktober 2021 | 05:30
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Um die Notrutsche auszulösen muss man einen Sicherheitsdeckel aufklappen, dann den Hebel nach oben drücken, wobei es sofort zu einem akustischen sowie optischen Warnsignal kommt. Hätte der Mann losgelassen, wäre nichts passiert.
Foto: Frankfurtflyer

Mit einem keineswegs alltäglichen Fall wurde ein Schöffensenat am Landesgericht Korneuburg, unter dem Vorsitz von Richter Martin Gall-Vanek konfrontiert. Es ging um einen 58-jährigen Österreicher, der am 11. März dieses Jahres in einem Airbus der Turkish Airlines die Notrutsche auslöste, als dieser bereits auf seinem Weg zur Startbahn war. Bereits am ersten Verhandlungstag im August war die Rechtfertigung des Angeklagten, er sei an dem Hebel hängen geblieben und habe unabsichtlich die Notrutsche ausgelöst einigermaßen unglaubwürdig (die NÖN berichtete).

Am zweiten Verhandlungstag verlor diese Version durch die Zeugenaussage einer 26-Jährigen, die direkt hinter dem Angeklagten gesessen hatte und der eines 43-jährigen Fluglinientechnikers weiter an Glaubwürdigkeit. Die Zeugin sei auf den 58-Jährigen nur aufmerksam geworden, weil er eine ganze Weile an dem Hebel „herumgespielt“ habe, was sie und ihre Sitznachbarin stutzig machte.

Techniker schließt Versehen aus

Noch eindeutiger waren die Aussagen des Technikers, der das System bis ins kleinste Detail erklärte. Sein Fazit: Das mehrfach abgesicherte System könne nicht unabsichtlich ausgelöst werden. „Ein Versehen?“, stellte Staatsanwältin Doris Demler in ihrem Schlussplädoyer eine rhetorischen Frage in den Raum. „Widerlegt“, so ihre Antwort nach dem Beweisverfahren.

„Es schaut nicht gut aus“, wusste Verteidigerin Daniela Schiesl-Müller. Sie betonte jedoch erneut, dass ihr Mandant zum ersten Mal geflogen und mit den Vorgängen an Bord nicht vertraut gewesen sei. Der Angeklagte selbst fragte unmittelbar vor der Urteilsverkündung ebenfalls rhetorisch: „Welche Person würde so etwas mutwillig machen?“ Der Schöffensenat befand, er.

Das rechtskräftige Urteil lautete auf 20 Monate bedingter Freiheitsstrafe und einem Schadenersatz für die Fluglinie in der Höhe von 55.000 Euro.