Staat und Lufthansa sichern AUA-Zukunft. Republik, Mutterkonzern und ein durch Staatsgarantien abgesicherter Kredit über ein Banken-Trio ermöglichen der Fluglinie Geldmittel in Höhe von 600 Millionen Euro.

Von Gerald Burggraf und Martin Dichler. Erstellt am 10. Juni 2020 (05:54)
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Symbolbild Flughafen Wien Schwechat Wien-Schwechat AUA Austrian Airlines
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APA/Robert Jäger

Die AUA und damit die Jobs der rund 7.000 Mitarbeiter sind gerettet. Für den Neustart erhält Austrian Airlines 600 Millionen Euro. „Damit kommen wir auf Dauer durch“, ließ AUA-Vorstandschef Alexis von Hoensbroech bei einer Pressekonferenz am Montag wissen. Jeweils 150 Millionen Euro steuern die Konzernmutter Lufthansa sowie die Republik bei.

Wobei an die heimischen Steuergelder eine zehnjährige Standortgarantie und ökologische Auflagen (siehe Infobox) geknüpft sind. Um deren Einhaltung beaufsichtigen zu können, entsendet die Österreichischen Beteiligungs AG (ÖBAG) zwei Personen in den Vorstand des Mehrheitseigentürmers, der Luftverkehrs-Privatstiftung. Eine der beiden wird zudem in den Aufsichtsrat der AUA einziehen.

Weitere 300 Millionen holt sich die heimische Fluglinie über einen Kredit vom Bankenkonsortium aus Erste Bank, Raiffeisenbank International und Bawag. Der Staat übernimmt die Garantien für 90 Prozent der Darlehenslast. Finanzminister Gernot Blümel (ÖVP) sagte dazu am Montag, dass im Falle einer Nicht-Rückzahlung die AUA ins Eigentum der Republik übergehen würde.

Pilot: „Keine Krise war so schlimm wie diese“

Die nunmehr gefundene Einigung lässt Management, Betriebsrat wie Belegschaft gleichermaßen aufatmen. „Jeder bangt natürlich um seinen Job“, verrät ein AUA-Pilot im NÖN-Gespräch, der anonym bleiben will. Er sei aber froh, dass die lange Suche nach einer Lösung nun über die Bühne gegangen ist. Denn in der aktuellen Lage der globalen Luftfahrt sei es „nahezu unmöglich einen neuen Job zu finden“.

Er selbst sei seit 20 Jahren an Bord und habe schon so manche Krise miterlebt – egal ob der SARS-Virus oder Krisen wie der Irak-Krieg und die Kämpfe samt Flugzeugabschuss in der Ukraine. „Es gibt alle paar Jahre eine Krise, aber so schlimm wie jetzt war es noch nie“, erzählt der Pilot. Als Flugkapitän müsse man aber Stress und Druck jederzeit aushalten. Dennoch hoffe jeder, dass er wieder fliegen kann – „es ist doch unser aller Traumjob“, betont er. Ab 15. Juni werden die ersten AUA-Flieger abheben.

Der Informationsfluss im Unternehmen während der Verhandlungen über eine Lösung habe jedenfalls funktioniert, erzählt der Pilot. Letztlich sei er auch froh, bei einer Fluglinie in Österreich angestellt zu sein. „Einige Kollegen, die in China arbeiten und dort deutlich mehr verdienen, waren plötzlich ohne Job und müssen jetzt warten, dass sie angerufen werden“, ruft er in Erinnerung.

Abwarten reagiert noch Boden-Betriebsratsvorsitzender Rene Pfister auf die Einigung. „Der 25. Juni ist unser D-Day, erst dann wird das Paket von Eigentümerseite behandelt“, erzählt er. Republik sowie Bord- und Bodenbetriebsrat – die Belegschaft sorgt unter anderem mit einem Gehaltsverzicht für Einsparungen von 300 Millionen Euro – hätten ihren Hausaufgaben erledigt. Dennoch hätte er sich eine direkte Beteiligung des Staates an der AUA gewünscht.