Kostspielige Relikte: Grabungs-Kosten sorgen für Ärger

Unternehmen des neuen Gewerbegebietes in Himberg murren, weil sie für historische Funde auf ihren Grundstücken zahlen müssen.

Erstellt am 28. Oktober 2021 | 05:24
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Noch bis Jahresende wird im neuen Gewerbegebiet auf Kosten der Unternehmen nach historischen Schätzen gegraben.
Foto: Otto Havelka

Seit rund drei Monaten wird an der Erschließung eines neuen Gewerbegebietes zwischen den Lebensmittelgeschäften von Lidl und Spar sowie den Bahngleisen der ÖBB gearbeitet und sorgt bei den Unternehmen, die sich hier ansiedeln wollen, zunehmend für Unmut. Denn wenige Meter unter der Oberfläche des rund 36.000 Quadratmeter großen Areals werden laufend historische Schätze ausgegraben. 

Erst kürzlich wurden auf dem Areal das Grab eines keltischen Kriegers samt Schwert und ein rund 5.000 Jahre altes steinzeitliches Grab freigelegt
( die NÖN berichtete ). 

Die Funde, die bei den Archäologen für Jubelstürme sorgen, sind für die Grundstückseigentümer eine kostspielige Angelegenheit. Denn laut Gesetz wird mit der Entdeckung der historischen Relikte sofort ein Baustopp verhängt und die Grundstückseigentümer müssen die Grabungsarbeiten im Sinne des Denkmalschutzes auch selbst finanzieren. Und das geht ganz schön ins Geld.

Unternehmer spricht von zehn bis zwölf Prozent der Grundstückskosten

Auf das Tiefkühl-Logistikunternehmen „Ali’s Logistik GmbH“ mit Sitz in der Brucker Katastralgemeinde Wilfleinsdorf, das hier 9.500 Quadratmeter aufgekauft hat, kommen dadurch rund 150.000 Euro Mehrkosten zu. „Das sind zehn bis zwölf Prozent der ursprünglichen Grundstückskosten“, klagt der Generalbevollmächtigte des Unternehmens, Helmut Ferrari. 

Gerhard Mayer, Managing Director der „Clean Green GmbH“ muss für Grabungen auf seinem 4.000 Quadratmeter großen Grundstück immerhin 80.000 Euro locker machen. Und auch die Gemeinde wird zum Handkuss gebeten: Für Grabungen auf der Zufahrtsstraße sind noch einmal rund 50.000 Euro fällig. 

Grabungsfirma sieht kein finanzielles Problem für Firmen

Der Geschäftsführer der Grabungsfirma „Novetus“, Alexander Stagl, sieht darin kein finanzielles Problem für die betroffenen Unternehmen. In der Regel würden die Kosten „nur rund ein Prozent der gesamten Projektkosten“ inklusive Errichtung des Firmensitzes ausmachen. 

Zwar gehen die Fundstücke nach wissenschaftlicher Analyse ins Eigentum der Grundstücksbesitzer über, was diese aber nicht sonderlich freut. „Vielleicht stellen wir eine Vitrine mit Schalen im Eingangsbereich auf, aber sicher kein Skelett“, sagt Ferrari. „Clean Green“-Direktor Mayer überlegt auf Grund der Mehrkosten, mit dem Verkäufer der Grundstücke, Landwirt Martin Stechauner, nochmals über den Preis zu verhandeln. Dieser beteuert freilich, von den verborgenen Schätzen nichts gewusst zu haben. Johannes Sääf, Geschäftsführer der „Sääf Rent GmbH“, wird Stechauner zumindest 700 Euro in Rechnung stellen: Bergungskosten von Relikten des Zweiten Weltkriegs.

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