Kidnapping nach Beziehungs-Streit. Wilde Szenen spielten sich in Gramatneusiedl ab. Nach Suizid-Drohung zerrte Asylwerber Freundin hinter die Tankstelle.

Von Benjamin Mühlbacher. Erstellt am 21. Juli 2015 (15:26)
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Während die Diskussionen rund um das Erstaufnahmezentrum in Traiskirchen nicht abebben wollen, spitzt sich die Lage im Südosten des Bezirks Schwechat zu. In der Nacht zum 19. Juli eskalierte die Situation in Gramatneusiedl, die Szenen rund um die Festnahme eines algerischen Asylwerbers waren reif für Hollywood: Der in Wien lebende Mann hat seit längerer Zeit eine Freundin in Gramatneusiedl. Die beiden waren im Wohnbau von FP-Vizebürgermeister MarkusVetter zuhause. „In den letzten Tagen herrschte immer wieder Unruhe in der Anlage. Vor allem in der Nacht“, so Vetter gegenüber der NÖN.

Vermehrt seien Schreie der Frau zu hören gewesen. „Sonntagmorgen habe ich erfahren, dass ein Nachbar in der Nacht die Polizei gerufen hat“, so Vetter. Als die Beamten eintrafen, soll der Mann gedroht haben sich selbst und andere zu töten. Der Einsatz wird vom Landespolizeikommando NÖ bestätigt: „In der Nacht auf den 19. Juli gab es in Gramatneusiedl einen Einsatz mit einer gefährlichen Drohung“, sagt Markus Haindl, Chef der Presseabteilung.

Festnahme durch Polizei gelingt vorerst

Die Beamten konnten den Mann überwältigen und nahmen ihn mit auf die Polizeistation. Am Sonntag war der Asylwerber wieder in Gramatneusiedl unterwegs. Gegen 11.30 Uhr beobachtete Vetter gemeinsam mit einem Kollegen, wie der Mann versuchte über die Oberlichte in die Wohnung seiner Freundin einzusteigen: „Wir haben ihn angesprochen und ihn gebeten zu verschwinden, anderenfalls würden wir die Polizei rufen. Wir sagten zu ihm: ´Wenn du deine Freundin suchst, die ist vermutlich schon auf der Polizeistation´“.

Wilde Szenen nach Kidnapping

Die Freundin des Asylwerbers war tatsächlich auf der Polizeistation, dort war ihre Einvernahme aber zwischenzeitlich schon abgeschlossen und die Frau befand sich am Heimweg. Wie es der Zufall wollte, lief sie dem Lebensgefährten über den Weg, der packte sie und zerrte die Frau hinter die Tankstelle am Hauptplatz. „Die Polizei sprach in dieser Phase bereits von Kidnapping“, so Vetter, der mit seinem Kollegen anschließend durch Gramatneusiedl streifte. Um die Polizei zu unterstützten, wie er der NÖN verriet.

Der entscheidende Hinweis kam dann schließlich von der Tochter des örtlichen Tankstellenpächters. „Die Hunde in der Georg-Grausam-Gasse hätten vor kurzem überdeutlich angeschlagen sagte sie zu uns“, so Markus Vetter weiter. Als er mit seinem Kollegen in die Gasse einfuhr, sahen sie den Asylwerber und sein Opfer in einer Hauseinfahrt kauern.

Langsam näherte sich Vetter den beiden, sein Kollege alarmierte die Polizei. „Ich versuchte die Situation zu deeskalieren, um der Frau, die Möglichkeit zu geben, sich ein paar Meter von dem Asylwerber zu entfernen“, so Vetter. Die Einsatzkräfte der Polizei waren wenige Sekunden später vor Ort, der Algerier war dann sichtlich überrascht und leistete bei seiner Festnahme durch die Polizei kaum mehr Widerstand.