Bahnhof-Neubau: VP-Vorstoß sorgt für Polit-Wirbel. Wirtschaftskammer und ÖVP melden Bedenken gegen die Schließung von Bahnübergängen an. SP pocht auf neuen Bahnhof.

Von Otto Havelka. Erstellt am 23. Dezember 2020 (06:19)
Sind ebenfalls nicht glücklich, dass der Bahnschranken in der Ebergassinger Straße zu bleibt: Ortschef Ernst Wendl und sein Vize Richard Payer (beide SP).  
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ÖVP-Gemeinderätin Vera Sares hatte bei der jüngsten Gemeinderatssitzung eine Überraschung im Gepäck: In einem „Dringlichkeitsantrag“ forderte die VP-Fraktion zum geplanten Umbau des Bahnhofs eine Umweltverträglichkeitsprüfung, einen „Runden Tisch“ mit ÖBB, Land NÖ, Umweltanwaltschaft und zuständigem Ministerium, sowie dass der Bahnhofsneubau „in Tieflage erfolgt“.

Hintergrund der Offensive: Mit dem Bahnhofsneubau, der 2021 gestartet und 2024 abgeschlossen werden soll, werden auch die Bahnschranken in der Bahnhofstraße sowie der Bahnübergang Ebergassinger Straße geschlossen bleiben. De facto gibt es dann nur noch zwei Verbindungen für Pkw und Lkw zwischen dem Wohn- und dem Gewerbegebiet über die Umfahrungen bei der Pellendorfer Straße im Norden und der Gutenhofer Straße im Süden.

„Die Bahn würde damit Himberg in zwei Teile trennen und ein ganzer Ortsteil mit Nahversorgern würde nur mehr über die Ausfahrten der Umfahrungen erreichbar sein“, kritisiert Sares. Betroffen wäre davon das Einkaufszentrum am Kreisverkehr Richtung Ebergassing mit Filialen von Spar, Hofer und Lidl. Die Unternehmen sind mit der Schließung der Bahnübergänge „minder glücklich“, sagt der Bezirksstellenleiter der Wirtschaftskammer in Schwechat, Mario Freiberger. Ein „Standortanwalt“ werde sich „anschauen, wie sich das dort entwickelt“, so Freiberger. Seine WKO-Kollegin und Bezirksvertreterin „Frau in der Wirtschaft“ Vera Sares sorgt indess mit ihrem Vorschlag, den Bahnhof „in Tieflage“ zu errichten für Aufsehen und Kopfschütteln. Ihr Wunsch wäre, die Bahntrasse so weit abzusenken, dass der Bau einer Überfahrung für Autos möglich wäre.

Für Bürgermeister Ernst Wendl (SPÖ) ist das „der große Wahnsinn der ÖVP-Forderung“. Dies sei „technisch wie auch wirtschaftlich unmöglich zu erfüllen.“ Damit werde das gesamte Projekt des Bahnhofneubaus gefährdet. Dass Himberg einen „modernen und barrierefreien Bahnhof braucht“ (Zitat Wendl), streitet auch Sares nicht ab. „Wir sind für eine Revitalisierung des Himberger Bahnhofs, aber mit den Planungsdetails ist die ÖVP nicht mehr einverstanden“, erklärt sie.

SP-Bürgermeister Wendl signalisiert Gesprächsbereitschaft: Es soll ein „Runder Tisch“ mit ÖBB und Vertretern aller Parteien im Gemeinderat organisiert werden. Aber er werde nicht zulassen, dass durch  „projektstörende Maßnahmen der ÖVP“ ein neuer Bahnhof verhindert werde.